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Fürth: Weitere Familienpaten gesucht

02.07.2015 16:00 Uhr

Schenken als Familienpaten anderen Menschen etwas von ihrer Zeit: Waltraud Günther und Reinhard Bock, hier auf einem Spielturm im Hof des Fürther Mütterzentrums.Foto: Edgar Pfrogner


Es sei generell nicht leicht, Leute für solche ehrenamtlichen Jobs zu finden, sagt Weingarten. Menschen im Rentenalter sind nach ihrer Beobachtung oft noch sehr aktiv, ihr Terminkalender gefüllt mit Reisen, Kursen und anderen Veranstaltungen. So leidet, das bestätigt Leiterin Kerstin Wenzl, auch der Großelternpatendienst des Müze seit längerem unter einem notorischen Mangel an Leihomas und Leihopas.

Während dieser Service darauf abzielt, Alt und Jung auf lange Sicht zueinander zu führen, ist das Amt des Familienpaten von vornherein als Hilfe zur Selbsthilfe und somit nur auf eine gewisse Zeitspanne angelegt. Anders ausgedrückt: Weingartens Freiwillige sind angehalten, sich selbst wieder überflüssig zu machen. Höchstens zwei Jahre sollen sie ein- und dieselbe Familie bei der Bewältigung von Krisen oder schwierigen Umständen liebevoll unterstützen.

Profitieren können von dem kostenlosen Service Familien, so Weingarten, „die offensichtlich ein Problem haben“, also beispielsweise Alleinerziehende ohne soziales Netz in der Stadt, Eltern nach der Geburt von Mehrlingen oder Familien mit Migrationshintergrund. Die Paten übernehmen dann auch mal die Betreuung der Kinder, helfen diesen bei den Hausaufgaben oder den Eltern bei der Organisation ihres Haushalts und stehen ihnen nötigenfalls auch bei Ämtergängen oder Arztbesuchen zur Seite.

Waltraud Günther (66) ist schon seit Jahren als Familienpatin im Einsatz. Die ehemalige Krankenschwester aus Burgfarrnbach sagt über sich selbst: „Ich freu’ mich wahnsinnig, wenn ich jemandem etwas Gutes tun kann.“ Meist schenkt sie alleinerziehenden Müttern „ein bisschen Zeit“, wie sie das ausdrückt. Zurzeit ist das eine chronisch kranke Frau mit kleiner Tochter und jugendlichem Sohn.

Sie habe „etwas Sinnvolles“ tun wollen und genau das 2009 mit dem Amt des Familienpaten gefunden, erzählt Waltraud Günther. Ihre jetzigen Schützlinge sind sozusagen ihr sechster „Fall“. Einmal pro Woche ist sie bei ihnen zu Besuch, in der Anfangsphase kam sie öfter mal auch kurzfristig auf Zuruf.

Urkunde aus München

Für ihr Engagement wurden Waltraud Günther und 15 andere Familienpaten im Alter von Anfang 20 (eine Studentin) bis Mitte 70 kürzlich geehrt. Im Rahmen einer kleinen Feierstunde und im Beisein von Bürgermeister Markus Braun überreichte Anette Weingarten ihnen allen den Ehrenamtsnachweis Bayern. Dieser besteht aus einer von Sozialministerin Emilia Müller unterzeichneten Urkunde sowie einem Beiblatt. Letzteres dokumentiert, wofür sich der Empfänger einsetzt oder eingesetzt hat. Jüngere Familienpaten wie die besagte Studentin können es Bewerbungen beilegen und so besondere Fähigkeiten bzw. Talente nachweisen.

Vier Familienpaten erhielten bei der Gelegenheit auch Zertifikate des Landesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement. Bescheinigt wird ihnen damit die Teilnahme an Schulungen, die im Müze Ausgangspunkt für den Einsatz als Familienpate sind. Laut Weingarten handelt es sich um drei Wochenend-Seminare, in denen theoretischer Background etwa zu Fragen der Kommunikation vermittelt wird. Acht Bitten von Familien, die Unterstützung bräuchten, liegen Weingarten konkret vor. Hinzu kommen „viele Anfragen“. Doch weil ihre Ehrenamtlichen alle schon im Einsatz sind, kann sie aktuell keine Zusagen geben.

Reinhard Bock aus der Südstadt allerdings wird demnächst frei. Der 66-Jährige kümmert sich zurzeit noch um eine alleinerziehende Mutter und deren Sohn. Für den Jungen wurde er, wie er sagt, eine Art „väterlicher Freund“. Bock ist froh, dass er Mutter und Kind immer wieder helfen konnte, Probleme zu lösen. Er hofft, den Kontakt über die Patenschaft hinaus halten zu können.

Wer sich für eine Familienpatenschaft interessiert, kann sich ans MüZe wenden, Tel. (09 11) 77 27 99. 

Birgit Heidingsfelder

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