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Fürther City-Center: Zum Jahreswechsel keimt neue Hoffnung

Die Eigentümer gehen davon aus, dass die juristischen Probleme ausgeräumt sind - 26.12.2013 10:00 Uhr

Weihnachtlich dekoriert präsentiert sich das Center in diesen Tagen — und unter einem guten Stern könnte die weitere Entwicklung stehen © Hans Winckler


Wer mit Herbert Müller spricht, gewinnt schnell den Eindruck: Da investiert einer viel Herzblut und noch mehr Energie, da leidet einer aufrichtig mit. Müller, 61 Jahre alt, ist einer von 351 Eigentümern des City-Centers und einer in besonderer Mission. Als Mitglied des sogenannten Verkaufsteams hat er den Auftrag, das havarierende Einkaufszentrum im Herzen der Kleeblattstadt möglichst gewinnbringend loszuschlagen — ein Unternehmen, das Müller nun seit fünf Jahren betreibt. Fünf Jahre, über die er ein spannendes Buch schreiben könnte, wie er sagt. Vor allem die jüngere Vergangenheit würde darin einige Kapitel füllen.

Rückblende: Kurz vor Weihnachten 2010 stellen Müller und seine Mitstreiter den Mann vor, der das seit Jahren anhaltende Siechtum des 1985 erbauten und nun stark überholungsbedürftigen City-Centers beenden soll. Miro Vorbauer und seine Grünwalder Firma TKN, so heißt es, werden den Komplex mit 26000 Quadratmetern Verkaufsfläche für 20 Millionen Euro erwerben und weitere 50 Millionen in den Umbau investieren.

Im April 2011 wird der Vertrag geschlossen — doch den Kaufpreis bleibt TKN schuldig, Geldgeber kommen und gehen, am 31. März 2012 ziehen die Eigentümer die Reißleine: Vorbauers letzte Frist sei verstrichen, beharren sie, seitdem ist der Vertrag in ihren Augen null und nichtig. Weitere Verhandlungen lehnen die Eigentümer ab, das Vertrauen ist dahin.

TKN hält dagegen, gibt den Eigentümern die Schuld an der Misere, der Vertragsstreit geht vor Gericht — und zieht sich wie Kaugummi, während im Center längst der Exodus eingesetzt hat: Viele Geschäfte wandern ab, neue bekommen wegen der unklaren Lage nur noch kurzfristige Mietverträge. Das City-Center nimmt zusehends basarähnliche Züge an.

"Sehr, sehr schmerzhaft"

„Für mich war unvorstellbar, mit welchen juristisch zulässigen Mitteln man so ein Verfahren hinauszögern kann“, sagt Herbert Müller, der als Banker selbst lange im Immobiliensektor zugange war. Die Hängepartie habe für viele Eigentümer „sehr, sehr schmerzhafte Belastungen“ gebracht — denn während Mieteinnahmen immer spärlicher flossen oder ganz ausblieben, liefen weiterhin beträchtliche Nebenkosten auf. Einige seien darüber sogar Pleite gegangen.

Horst Müller, Wirtschaftsreferent der Stadt Fürth und auf Bitten der Eigentümer seit jeher bei den Verkaufsverhandlungen unterstützend tätig, pflichtet seinem Namensvetter bei: „Frustrierend“ sei, wie lange das juristische Hickhack andauert, ja „grenzwertig für einen Rechtsstaat“. Vor kurzem aber, versichern beide, wurden zumindest in einer Hinsicht alle Zweifel beseitigt: Das Gericht habe ein für allemal befunden, dass der Kaufvertrag mit TKN nicht mehr gültig ist.

Nun, freut sich Herbert Müller, könne wieder auf dem Markt sondiert werden, und nun, sagt Horst Müller, mache sich bezahlt, dass man stets den Kontakt zu anderen Interessenten gehalten hat. Davon gebe es trotz der leidigen Streitigkeiten und der prekären Lage des Centers einige, so der Wirtschaftsreferent. Namen nennt niemand, doch ein offenes Geheimnis ist, dass ECE das Fürther Objekt noch immer auf seiner Rechnung hat. Der Hamburger Konzern, europäischer Marktführer in Sachen innerstädtische Einkaufszentren, hatte bereits den Hut in den Ring geworfen, als damals TKN den Vorzug erhielt.

Allzu euphorische Erwartungen indes will Horst Müller gar nicht erst aufkommen lassen: Selbst wenn sich rasch ein Käufer fände und alle 351 Eigentümer einmal mehr unter einen Hut zu bringen wären, müsste das marode Center noch modernisiert und erheblich umgebaut werden. Vor 2015 sei deshalb selbst bei optimalem Verlauf nicht mit einer Wiederbelebung zu rechnen.

Und dann ist da noch immer Miro Vorbauer, der nach eigenen Angaben erhebliche Summen in Untersuchungen, Planungen, Architekturentwürfe und nicht zuletzt Anwaltskosten investiert hat. Kaum anzunehmen, dass sich der TKN-Chef kampflos aus der Arena zurückzieht. Auf telefonische Anfrage unserer Zeitung wollte sich der 41-Jährige dazu nicht äußern, er gibt jedoch zu verstehen: Ihm wäre eine „nicht-juristische Lösung immer lieber gewesen“, doch seit April 2012 hätten die Eigentümervetreter alle Gesprächsangebote abgelehnt.

„Sich da über mich zu beschweren, halte ich für abenteuerlich“, kontert Vorbauer unverdrossen und stellt selbstbewusst fest: Zwar hätten andere Investoren Interesse an der Fürther Problem-Immobilie bekundet, in all den Jahren sei es am Ende aber nur zu einem einzigen Kaufvertrag gekommen — mit TKN. 

WOLFGANG HÄNDEL

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