12°

Samstag, 16.02.2019

|

Fürther Trinkwasser ist jetzt vollständig chlorfrei

Die infra hat umgestellt: Künftig wird dem Rednitztal-Wasser das Mittel nicht mehr automatisch beigefügt - 01.06.2012 09:00 Uhr

Im Wasserwerk der infra ist Energieelektriker Bernd Turbanisch zuständig für die neue Chlorgas-Dosierstation. Im Hintergrund sieht man die Rohre, durch die das Fürther Trinkwasser fließt. © Thomas Scherer


Am Mittwoch erfolgte die Umstellung auf die „ereignisbezogene Chlorung“, wie es im Fachjargon der infra-Ingenieure heißt. Der städtische Energieversorger machte darauf auch in Anzeigen in den Fürther Nachrichten aufmerksam. Die Bürgerinnen und Bürger, so heißt es im Anzeigentext, können sich nun über eine „noch bessere Trinkwasserqualität freuen“.

An gewöhnlichen Tagen nämlich kann man mit bestem Gewissen auf das chemische Mittel, das der Desinfektion dient, verzichten, erklärt auf FN-Nachfrage Stephan Zeilinger, der bei der infra den Bereich Technik Wasserwerke leitet. „Normalerweise braucht man das Chlor gar nicht.“ Anders sieht es aus, wenn Fürth mal wieder ein Hochwasser erlebt. In diesem Fall ist damit zu rechnen, dass Bakterien ins Grundwasser gelangen. Dann muss gechlort werden.

Manche anderen Städte handhaben es bereits ähnlich: Chlor wird nur bei Bedarf beigemengt. In Fürth war das bisher nicht möglich, weil sich die zur Verfügung stehende Chlordioxid-Anlage nicht für einen solchen flexiblen Einsatz eignete.

Die ständige Chlor-Zugabe war in Fürth ein Überbleibsel aus der Zeit, in der das Wasserwerk im Rednitztal geplant wurde. Als es 1989 in Betrieb genommen wurde, gehörte zur Aufbereitungsanlage, in der das Grundwasser gereinigt und beispielsweise von zu großen Mengen Eisen und Mangan befreit wird, eine Chlordioxid-Anlage. „Sie war nach dem damaligen Stand der Technik konzipiert“, sagt Zeilinger. Das heißt: Sie hätte, wenn sie einmal ausgeschaltet worden wäre, eine ganze Weile zum Hochfahren benötigt. „Dies würde zu lange dauern, wenn man akut chloren muss.“ Zur Sicherheit also blieb die Chlordioxid-Anlage stets „auf kleiner Flamme“ angeschaltet. Weil die in die Jahre gekommene Anlage heuer ohnehin ersetzt werden sollte, nutzte die infra die Chance zur Umstellung auf die Chlorgastechnologie: „Die neue Anlage können Sie einschalten und dann läuft sie.“

Das Trinkwasser, das die infra im Rednitztal gewinnt, deckt etwa die Hälfte des Bedarfs in Fürth. Weitere 43 bis 45 Prozent bezieht Fürth aus dem Werk der Fernwasserversorgung Allersberg, die in der Regel ungechlortes Wasser nach Fürth liefert. 20 Tiefbrunnen gibt es in dem Waldgebiet bei Allersberg, sie reichen bis zu 120 Meter in die Erde: Dort wird dieselbe Menge Wasser gewonnen wie in den 82 Brunnen in Fürth, von denen die meisten maximal 18 Meter in die Tiefe reichen. Rund fünf Prozent des Fürther Trinkwassers kommen schließlich aus dem Wasserwerk der infra im Knoblauchsland.

Intensiverer Geschmack

Ein Blick auf die Nachbarstadt: Das Nürnberger Trinkwasser stammt aus fünf verschiedenen Gewinnungsgebieten. Ein Teil von ihnen chlort ebenfalls nur bei Bedarf, weil das Rohwasser in der Regel mikrobiologisch einwandfrei ist.

Dass ihr Trinkwasser bisher stets ein wenig Chlor enthielt, dürften die meisten Fürther übrigens gar nicht bemerkt haben. Die Menge war erstens sehr gering, sagt Zeilinger. Und zweitens sei das verwendete Chlordioxid nicht sehr geschmacksintensiv gewesen. Bei Chlorgas verhält es sich anders: „Das schmeckt man dann leichter, wenn man künftig chlorfreies Wasser gewöhnt ist.“ Wenn künftig einmal leicht gechlort werden muss, könnte das den Fürthern also auffallen. Auf den Geschmackssinn aber müssen sie sich nicht verlassen: Die infra ist verpflichtet, die Bürger über eine Chlorung zu informieren.

  

VON CLAUDIA ZIOB

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Fürth