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Freitag, 21.09.2018

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Fürths Martinskirche braucht ein neues Dach

Seit Monaten fürchtet die Gemeinde eine Sperrung — Schutzdach kommt - 05.09.2018 06:00 Uhr

Bei der Modernisierung soll die alte Holzdecke dank einer ausgeklügelten Konstruktion erhalten bleiben. © Fotos: Ralf Rödel


Eine aufreibende Zeit liegt hinter Pfarrer Kuno Hauck. Es waren Monate, in denen er zum Beispiel einen Plan B brauchte für sämtliche Hochzeiten, die in St. Martin geplant waren. Für jedes Brautpaar hatte er eine Ersatzkirche gesucht, in die es ausweichen könnte – falls das Gotteshaus an der Hochstraße tatsächlich gesperrt werden müsste.

Eine "tolle Solidarität der anderen Gemeinden" habe er dabei erlebt, erzählt er. Dass dort Termine für den Notfall reserviert werden konnten, "war sehr beruhigend für die Paare und für uns". Zum Glück habe man nie auf den Ersatzort zurückgreifen müssen. Die monatliche Überprüfung durch einen Statiker endete jedes Mal mit Erleichterung: Vorerst können weiter Gottesdienste stattfinden.

Nachdem Risse im Gebäude aufgefallen waren, hatte eine Untersuchung 2017 gezeigt, dass St. Martin ein neues Dach braucht. Die Nachricht kam zwar unerwartet – wundern aber muss man sich nicht, sagt Hauck und verweist auf die Geschichte seiner Kirche: Die Martinskapelle, die einst an derselben Stelle stand (nicht zu verwechseln mit der Martinskapelle, an die im Wiesengrund ein Denkmal erinnert), war demnach im Zweiten Weltkrieg die einzige Kirche in Fürth, die unwiderruflich zerstört wurde. "Es war eine Holzkapelle. Getroffen wurde sie bei einem Bombenangriff im Februar 1945 von einer Brandbombe", sagt Hauck.

Nach dem Krieg war dann St. Martin die erste Kirche in Fürth, die neu gebaut wurde. Baumaterial und Geld waren damals knapp. Die Martinskirche wurde also aus einfachen Materialien errichtet – recht schnell dazu: 1949 wurde der Grundstein gelegt, ein Jahr später Einweihung gefeiert.

Nachts wälzte er sich im Bett

"Es ist eine grundsolide Kirche, mit einer Orgel, die etwas Besonderes war", sagt Hauck. "Aber gerade die Statik des Daches wird heutigen Ansprüchen nicht mehr gerecht." Zumal Wetterextreme zugenommen hätten. Starkwinde und schwere Schneelasten könnten inzwischen zur Gefahr für die Kirche werden.

Im Winter habe er sich jedes Mal nachts im Bett gewälzt, wenn Schnee fiel, erzählt Hauck. Bei großen Schneemengen hätte die Kirche wohl gesperrt werden müssen. "Gott sei Dank sind wir glimpflich davon gekommen."

Die im Jahr 1950 eingeweihte Martinskirche an der Hochstraße war die erste Kirche, die in Fürth nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut wurde – aus einfachen Baumaterialien. © Fotos: Ralf Rödel


Klar war aber stets: Die Sanierung muss heuer in Angriff genommen werden. Nur: Zuerst musste die Finanzierung geklärt werden. 700.000 Euro sind eine gewaltige Summe, die die Kirchengemeinde allein nicht aufbringen könnte, sagt der evangelische Pfarrer. Inzwischen steht fest: Die Landeskirche trägt die Hälfte der Kosten, die Gemeinde St. Martin wird 80.000 bis 90.000 Euro stemmen, den Rest steuert das Dekanat Fürth bei. Dankbar ist Hauck, dass aus der Gemeinde bereits Spenden in Höhe von 25.000 Euro für das neue Dach zusammengekommen sind.

Ein Schutzdach für die Baumaßnahme

Die alte Holzdecke, die den Kirchenraum warm wirken lässt, soll bei der Erneuerung erhalten bleiben. Der alte Dachstuhl, an dem sie hängt, wird deshalb nicht entfernt. Das neue Gebälk wird vielmehr zusätzlich errichtet – es wird am Ende dem alten das Gewicht der Ziegel abnehmen sowie die Belastungen durch Wind und Schnee.

St. Martin wird dafür eingerüstet und bekommt demnächst auch ein Schutzdach, unter dem die Arbeiten ablaufen. Das bisherige Dämmmaterial wurde bereits entfernt – und ein Teil der Kirchenbänke abgedeckt, weil es bei den Arbeiten durchrieselte.

Trauungen sind weiter möglich

Davon abgesehen aber geht Hauck davon aus, dass die Kirche während der Baumaßnahme an den Wochenenden genutzt werden kann. Unter der Woche werden die Öffnungszeiten wohl eingeschränkt. Auch Taufen und Trauungen sollen weiter gefeiert werden können, dem Innenraum wird man die Bauarbeiten kaum ansehen. Lediglich von der Empore aus wird das Dach gestützt.

Bis Ende des Jahres soll das neue fertig sein. Das Gerüst bleibt dann noch bis zum Frühjahr: Man nutzt die Gelegenheit, die Fassade noch zu streichen und kleinere Reparaturen am Turm zu erledigen. 

Claudia Ziob

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