Donnerstag, 15.11.2018

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Fürths neue Bierquelle

Tucher hat für 23 Millionen Euro eine Brauerei gebaut - 18.09.2008

Selbst die Sudkessel sind aus Stahl. © Hans G. Esterl


Ein Jahr nach dem ersten Spatenstich wird am kommenden Mittwoch der neue Betrieb eingeweiht. Mit dabei auch die Stadtoberhäupter von Fürth und Nürnberg. Im Bier sind die rivalisierenden Nachbarstädte untrennbar miteinander verbunden. Die Stadtgrenze verläuft nämlich mitten durch die neue Braustätte. Brüderlich geteilt wird deshalb auch die Gewerbesteuer.

Mit dem Bau eines modernen Logistikzentrums auf dem 94000 Quadratmeter großen ehemaligen Bundeswehr-Depotgelände sind bereits vor zehn Jahren die Weichen für den Umzug aus der Innenstadt gestellt worden. Vom alten Sudhaus und den Brunnen im benachbarten Rednitztal wurden Bier- und Wasser-Pipelines zum neuen Standort verlegt.

Auch wenn die Handwerker an allen Ecken und Enden des Neubaus noch schrauben, bohren und streichen, läuft der Probebetrieb schon. Zum Jahresende soll die alte Brauerei stillgelegt werden. Auf deren Gelände ist ein großer Wohnpark geplant.

Alte Technik verkauft

Vom Jugendstil- Sudhaus, einst teurer als das Fürther Stadttheater hat Tucher als 100-prozentige Tochter der zum Oetker-Konzern gehörenden Radeberger Gruppe kaum Konkurrenz zu erwarten. Es gehört zwar noch dem früheren Tucher-Inhaber Jannik Inselkammer, doch die komplette Brauausstattung wurde nach den Worten von Tuchers Technik-Geschäftsführer, Wieland Hoppen, verkauft.

Der Neubau setzt in jeder Hinsicht neue Maßstäbe. Der gewohnte Malzgeruch wird der Südstadt fehlen. Denn der neue Betrieb läuft im geschlossenen System. Zur Reife gelangt der Gerstensaft in 28 je 2600 Hektoliter fassenden Gärtanks. Bisher gab es nur sechs Behälter dieser Größe. Obwohl die neue Brauerei viel leistungsfähiger ist als die alte sind statt der bisherigen 24 Kräfte nur noch 15 zum Betrieb nötig. Der automatische Betrieb wird von einer großen Stellwarte aus gesteuert. Noch sind die Programmierer hier an einfachen Biertischen am Werk, doch bald sollen die Computer regieren.

Vor allem in der Energiebilanz kann die neue Brauerei punkten. Sie kommt mit der Hälfte des bisher benötigten Stroms und Gas aus. Auch Wasser wird durch neue Filtrationstechnik aus Schweden nur noch halb so viel wie bisher benötigt Die Kochzeit pro Sud konnte von 70 auf 45 Minuten verkürzt werden. Gar um 100 Prozent verringern sich die Heizkosten der Verwaltung, da ihre Büros mit der Restwärme aus dem Abgas des Brauerei-Dampfkessels beheizt werden.

Heimische Zulieferer

Zur Qualitätssicherung, auf die bei Tucher größten Wert gelegt wird dienen zwei modern ausgestattete Labors. Hier werden die regelmäßig aus den Gärtanks gezogenen Bierproben genau analysiert. Abgesehen von der Membran-Filtertechnik aus Schweden, stammt sie Ausstattung von heimischen Herstellern.

Die vier Sudgefäße mit je über 300 Hektoliter Fassungsvermögen kommen von Huppmann aus Kitzingen, die Gärtanks von Ziemann aus Bürgstadt, der Dampfkessel von Loos aus Gunzenhausen, die Prozessleittechnik von Proleit aus Herzogenaurach und die Elektronik von Siemens aus Erlangen. Insgesamt 340 Tonnen Stahl, 20 Kilometer Rohrleitungen und 50 Kilometer Elektroleitungen wurden verbaut.

Auch wenn die Rahmenbedingungen der Bierproduktion schwierig sind, würde Hoppen einen derart aufwändigen Neubau «jederzeit wieder« befürworten. Was dafür spreche seien Effizienzsteigerung und Kosteneinsparung. Dabei ist die neue Brauerei nicht auf Zuwachs ausgelegt. «Wir wollen keinen Leerstand«, begründet das Technik-Chef Hoppen. 

Volker Dittmar

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