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Grünes Licht für umstrittenes Baugebiet

Mehrheit des Fürther Stadtrates macht den Weg frei für 300 Wohneinheiten im Norden Oberfürbergs - 28.10.2010 19:00 Uhr

Betretene Mienen im Fürther Stadtrat: Auf den Publikumsrängen machen Oberfürberger ihrem Unmut über die geplante Bebauung auf der grünen Wiese vor ihren Haustüren plakativ Luft.

Betretene Mienen im Fürther Stadtrat: Auf den Publikumsrängen machen Oberfürberger ihrem Unmut über die geplante Bebauung auf der grünen Wiese vor ihren Haustüren plakativ Luft. © Edgar Pfrogner


Weder 1528 Unterschriften, die Reinhard Hammerbacher vom Bürgerverein „Rettet Fürberg“ OB Thomas Jung in die Hand drückte, noch zahlreiche Oberfürberger mit Protestplakaten konnten die Mehrheit der Befürworter umstimmen. Was sie bewegte, war Daseinsvorsorge. Der Nachfrage nach dem Häuschen im Grünen muss die Stadt nach den Worten des SPD-Fraktionsvorsitzenden Sepp Körbl gerecht werden, will sie ihre Zukunftsfähigkeit nicht aufs Spiel setzen.

Jung betonte, die Baufläche sei in Reaktion auf die Bürgerproteste „nicht nur kosmetisch, sondern dramatisch“ reduziert worden. Statt der ursprünglich vorgesehenen 300000 Quadratmeter sollen nun nur 120000 bebaut werden. Das übrige Geläde wird auf einstimmigen Stadtratswunsch im Flächennutzungsplan nicht mehr als Bauland ausgewiesen. Von einem akzeptablen Kompromiss sprach CSU-Fraktionschef Joachim Schmidt. Er gab zu bedenken, dass das von einem privaten Erschließungsträger vorangetriebene Bauvorhaben jederzeit wieder gestoppt werden könne, sollten Bedenken aufkommen.

Risiko im Blick

Im Blick hat Schmidt dabei insbesondere das finanzielle Risiko der teuren Erschließung. Denn nicht nur Straßen- und Kanalbau schlagen zu Buche, sondern auch eine 13 bis 15 Meter hohe Lärmschutzwand an der Südwesttangente – für viele Anwohner eine Horrorvision. Die Stadt, der etwa ein Drittel der Baufläche gehört, muss für die Erschließung finanziell in Vorleistung gehen.

Eine Grundsatzdiskussion über Art und Umfang der Stadtentwicklung vermisste SPD-Stadtrat Günter Witzsch. Er teilte Körbls Furcht vor einer sterbenden Stadt nicht. Auch in den 70er und 80er Jahren sei Fürth geschrumpft, ohne Schaden zu nehmen. Baureferent Joachim Krauße hatte eingangs die Baulandpotenziale im Stadtgebiet vorgestellt. Für Geschosswohnungsbau gebe es außer bei der vom Stadtrat gestern ebenfalls abgesegneten Nachverdichtung auf der Schwand nur noch Platz auf dem alten Brauereigelände. Und viele für Einfamilienhäuser vorgesehene Flächen seien wegen ungelöster Probleme derzeit nicht verfügbar.

Dazu gehöre auch das 130000 Quadratmeter große Reichsbodenfeld an Breslauer Straße und Südwesttangente. Hier fehle ein Erschließungsträger. Außerdem bereite der Lärmschutz Probleme. Trotz dieser Beteuerungen forderte CSU-Stadtrat Herbert Schlicht vorrangig das Schließen der innerstädtischen Baulücken. Die seien nämlich auch besser an den öffentlichen Nahverkehr angebunden.

"Ökologische Kathastrophe"

„Eine ökologische Katastrophe“ ist die Bebauung im Norden Oberfürbergs in den Augen von Grünen-Fraktionschefin Brigitte Dittrich. Sie befürchtet eine weitere Zunahme des Individualverkehrs. Die Frage einer verbesserten Busanbindung muss laut Krauße noch mit dem Verkehrsbetrieb der infra ausdiskutiert werden.

Die Bebauung am Rand von Oberfürberg hält der Baureferent allemal für sinnvoller als Landkreis-Baugebiete wie Egersdorf Nord. Und das Finanzrisiko schätzt Krauße eher für gering ein. „Wir werden unter dem Strich etwas verdienen“, meinte der Baureferent. Bei einem Diskussionsabend von „Rettet Fürberg“ hatte er vor einer Woche allerdings finanzielle Interessen abgestritten.

Die Weichen zur Bebauung im Norden Oberfürbergs hatte der Stadtrat mit dem Flächennutzungsplan schon 1976 gestellt. Jetzt gab er grünes Licht zum Aufstellen eines Bebauungsplanes. Ein Baubeginn ist noch in weiter Ferne. Auch die Detailfragen müssen erst noch geklärt werden.

  

Volker Dittmar

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