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Höffner richtet Fürther Möbelhaus für 500 Flüchtlinge ein

150 Stockbetten, zehn Sanitärcontainer - Weitere 1000 Asylbewerber erwartet - 11.09.2014 20:00 Uhr

Im ehemaligen Möbelhaus Höffner (früher Frankenwohnland) in Fürth werden 500 Flüchtlinge unterkommen.

Im ehemaligen Möbelhaus Höffner (früher Frankenwohnland) in Fürth werden 500 Flüchtlinge unterkommen. © Ralf Rödel


Im November 2013 hat Möbel Höffner seinen Standort in Ronhof geschlossen und wenig später, im Dezember, in Steinach die Eröffnung des „größten Höffners der Welt“ zelebriert. Was aus dem alten Gebäudekomplex werde, hieß es damals, sei noch nicht entschieden. Jetzt wird daraus eine weitere Außenstelle der Zirndorfer Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber (ZAE) – und zwar „längstens für zwei Jahre“, sagt Regierungspräsident Thomas Bauer. So sei es mit dem Eigentümer besprochen.

Vorerst 500 Menschen, die geflüchtet sind vor Krieg und Leid, will die Regierung von Mittelfranken (Ansbach) hier ein erstes Dach über dem Kopf anbieten. Auch wenn von außen wenig zu sehen ist: Das große Rumoren in den Räumen, wo früher Küchen, Schlaf- und Kinderzimmer zur Schau gestellt wurden, hat längst begonnen. Seit dem Wochenende, so Höffner-Projektentwickler Thomas Bergler, hätten Handwerker zu tun, die ehemaligen Ausstellungsräume in einen Zustand zu versetzen, der allen hygienischen Standards genüge. Die Böden werden von Teppichresten, Kleberrückständen und anderen Spuren früherer Beläge befreit und frisch versiegelt, sodass Oberflächen entstehen, die sich problemlos wischen lassen. Lampen werden aufgehängt, denn zuletzt gab es nur eine Notbeleuchtung. 150 Stockbetten werden „gerade zusammenmontiert“. Und zusätzlich zu den einstigen Kundentoiletten wurden zehn beheizbare Sanitärcontainer mit WCs, Duschen und Waschbecken hinter dem Komplex aufgestellt.

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Eine Miete verlange man seines Wissens nach nicht, sagt Bergler. Höffner-Chef Kurt Krieger äußerte sich dazu nicht. Regierungspräsident Bauer wollte keine Auskunft zu privatrechtlichen Verträgen geben, nannte Kriegers Geste aber „großzügig“.

Laut Bauer wird die Immobilie im Ronhof „längstens für zwei Jahre“ als ZAE-Außenstelle dienen. Die Kiderlin-Turnhalle wiederum mit ebenfalls 150 Stockbetten, also 300 Schlafplätzen, sei als Zwischenlösung für einige Tage gedacht. Verlässliche Prognosen wagt der Regierungspräsident diesbezüglich allerdings nicht. Das liegt vor allem daran, dass in der Nacht zum Mittwoch die vorübergehende Sperre für das zuletzt besonders überlastete Bayern im bundesweiten Verteilungssystem für Asylbewerber wieder aufgehoben wurde. Auch andere Bundesländer hätten keine Kapazitäten mehr, erklärt Bauer. Seine schlimmste Befürchtung ist nun, dass zusätzlich zu jenen Menschen, die ohnehin in Zirndorf stranden und zu jenen 40 Nationalitäten, für die man hier explizit zuständig sei, noch diese Woche tausend Flüchtlinge von Berlin, Nordrhein-Westfalen und anderen Ländern nach Bayern geschickt werden könnten. Genauer: nach Zirndorf.

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Denn noch ist die zweite ZAE im Freistaat geschlossen. In der Münchner Bayernkaserne waren die Masern ausgebrochen. Bauer geht davon aus, dass sie am Freitag ihre Pforten wieder öffnet. Doch sei die Einrichtung rappelvoll. Die Zelte, die in Mittelfranken gegenwärtig viele hundert Flüchtlinge beherbergen, hält Bauer für die am wenigsten akzeptable Form der Unterbringung. „Wir wissen ja nicht, wie es mit dem Wetter weitergeht.“ Lieber quartiere er die Menschen bei Höffner ein, auch wenn dort noch Fragen wie die der medizinischen Versorgung offen seien.

Fürths Sozialreferentin Elisabeth Reichert kündigt vorsichtshalber einen zwei- bis dreiwöchigen Parallelbetrieb der Unterkünfte Kiderlin-Halle und Höffner an. Wichtiger Ansprechpartner für die nicht selten traumatisierten Asylsuchenden dort wird Franz Ganster sein. Dem Flüchtlingsbetreuer der Caritas stehen ab Oktober noch zwei Sozialpädagogen zur Seite, eine neue Voll- und eine Teilzeitkraft. „Reichen wird das nicht“, sagt Ganster. Denn das kleine Team müsse sich nicht nur um all die Neuankömmlinge kümmern, sondern auch um 300 Flüchtlinge, die schon etwas länger in der Stadt sind.

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Birgit Heidingsfelder

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