Montag, 19.11.2018

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Juraleitung: Raitersaich bekommt Mega-Strommasten

Netzbetreiber Tennet war zu einem Informationsgespräch im Dorf - 04.07.2018 11:00 Uhr

Strommasten gibt es um Raitersaich und Clarsbach herum schon genug. Die bestehende 220-kV-Leitung wird abgerissen, ansonsten ist einiges unklar — etwa auch, wo die neue Juraleitung nach Altheim verlaufen wird. © Archivfoto: Berny Meyer


Die Frage, die viele Raitersaicher beschäftigt: Was kommt auf ihre Ort und das Nachbardorf Clarsbach zu? Mitarbeiter von Tennet waren jetzt vor Ort, um Fragen zu beantworten.

Klar ist: Die Juraleitung von Raitersaich bis Altheim bei Landshut wird kommen. Die Sprecherin der Raitersaicher Bürgerinitiative Stromtrassen-Widerstand (BI) Andrea Platzer macht das ganz deutlich. Zwar handelt es sich um einen "Neubau in der bestehenden Trasse", wie es die Planer formulieren. Doch so einfach, wie sich das anhört, ist das nicht: Es wird nicht nur eine dickere Leitung an die Masten montiert, vielmehr werden die existierenden Anlagen der 220-Kilovolt(kV)-Wechselstromleitung komplett abgerissen. Statt ihrer entsteht mit der Juraleitung eine komplett neue Trasse für 380 kV, aufgebaut auf etwa 60 Meter hohen Stahlgerüsten (zum Vergleich: Der Turm der Roßtaler Laurentiuskirche ist 52 Meter hoch).

Unklar ist noch, wie die Stromautobahn verläuft. Dies war eine der wichtigsten Fragen, die die rund 40 Raitersaicher und Clarsbacher Bürger an die Vertreter von Tennet hatten. Details jedoch können auch die Unternehmensmitarbeiter Lea Gulich und Peter Volkholz noch nicht wissen.

Sie beruhigen zumindest in einem Punkt: Der befürchtete Verlauf zwischen den beiden Dörfern in einem etwa 800 Meter breiten Waldstück ist nicht realistisch. Würden die neuen Masten dort gebaut, hätte das die Entwicklungsmöglichkeiten der Siedlungen sehr stark eingeschränkt. So weit kommt es nun mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht, denn auf diesem Korridor kann der geforderte Abstand von 400 Metern zur Bebauung nicht eingehalten werden. Die Folge ist: Der Netzbetreiber kann nicht den kürzesten Weg wählen, sondern muss die Trasse um Raitersaich herum führen. "Das könnte ähnlich aussehen, wie schon jetzt", sagt Andrea Platzer.

Allerdings gibt es eine Einschränkung. Ob sie greift, erweist sich erst, wenn die sogenannte Raumwiderstandsanalyse vorliegt. Das Wortungetüm beschreibt einen Plan, der angibt, wo keinesfalls gebaut werden kann, weil Hindernisse vorhanden sind. Ein solches kann beispielsweise ein unter Naturschutz stehendes Areal sein. In diesem Fall müsste die Stromleitung doch näher an die Wohnhäuser heranrücken. Derzeit gibt es aber keine Hinweise darauf.

Langwieriges Verfahren

Und noch ein zweiter Punkt verlangt in Raitersaich nach Aufklärung. Dort befindet sich neben dem Bahnhalt eines der bedeutendsten und größten Umspannwerke der Region. Ob es erweitert oder neu gebaut werden muss, ist eine Frage, auf die es aktuell ebenfalls keine Antwort gibt. Es müssten Schaltanlagen ausgetauscht werden, bekam Andrea Platzer zu hören; doch was das genau bedeutet, blieb offen.

Immerhin findet Platzer es gut, dass Tennet auf die Bürger zugeht. "Wir wollen ja an der Entwicklung mitwirken", hält sie fest. Eines ist ihr während des aktuellen Verfahrens klar geworden: Tennet ist hier nicht der alleinige Entscheidungsträger, die verschiedensten Behörden und Ministerien reden mit. Was letztlich auch zu einer sehr langen Dauer des Verfahrens führt.

"Nicht wir Bürgerinitiativen sind daran schuld, dass sich alles verzögert", betont Platzer. So muss nun erst ein Raumordnungsverfahren beginnen, danach folgt ein Planfeststellungsverfahren. Und erst in ihm wird parzellenscharf festgelegt, wie die Trasse verläuft. "Es wird noch Jahre dauern", meint die BI-Sprecherin, aber dennoch müsse man am Ball bleiben, um nichts zu verpassen. 

Beate Dietz

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