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Kampfgetöse im Landkreis Fürth: Amerikaner stocken auf

Hubschrauber in Ansbach werden verdoppelt, Bürger fürchten Lärm - 01.02.2017 05:35 Uhr

Anfang vorigen Jahres hatte sich ein Kampfhubschrauber der US–Armee gefährlich nah an Wilhermsdorf gewagt. Nach der Aufrüstung des Flugparcours fürchtet die Bevölkerung mehr Übungsflüge, doch die sollen sich "nicht wesentlich" mehren, heißt es von Seiten der US-Armee. © Archivfoto: Wraneschitz


Fakt ist: Die US-Army hat angekündigt, dass ab März in Ansbach und Illesheim mehr als doppelt so viele Hubschrauber stationiert werden wie bisher. Das bestätigt der zuständige Army-Sprecher Captain Jaymon Bell auf Nachfrage. Doch er erklärt auch: Die neuen Helikopter stammten von sogenannten "Rotationstruppen", würden also nicht dauerhaft in Franken bleiben. Und wesentlich mehr Flüge gebe es auch nicht.

Die ankommenden Piloten würden zudem intensiv mit den deutschen Flugrechtsvorschriften vertraut gemacht, ergänzt Captain Bell. Die lauten wie folgt, heißt es vom "Luftfahrtamt der Bundeswehr" mit dem Kürzel FLIZ: "Beim Überflug von besiedeltem Gebiet (Städte mit weniger als 100.000 Einwohnern) gilt für Hubschrauber eine Mindesthöhe von 500 Fuß (etwa 150 Meter über Grund). Ebenso beträgt der Mindestabstand zu Hindernissen wie Gebäuden, Schornsteinen oder Windrädern grundsätzlich 150 Meter. Folglich kann auch die Mindesthöhe in einem Hubschrauberkoordinierungsgebiet auf 10 Fuß (zirka 3 Meter über Grund) nur herabgesetzt werden, wenn keine Bebauung in der Nähe ist. Zu Hindernissen/Gebäuden sind also 150 Meter Abstand und eine Mindesthöhe von 150 Meter über dem Hindernis einzuhalten."

Vorgaben nicht eingehalten

Dass der Pilot des Kampfhubschraubers über Wilhermsdorf am 12. Januar vorigen Jahres diese Vorgaben nicht eingehalten hat, bestätigte später die Auswertung militärischer Radardaten: "Der Flugweg führte mehrmals an beziehungsweise über den südöstlichen Rand von Wilhermsdorf. Die Flughöhe des Hubschraubers betrug zu dieser Zeit 100 Fuß (etwa 30 Meter über Grund) bis 450 Fuß (etwa 140 Meter über Grund)." Doch welche Konsequenzen hatte der Vorfall?

Offensichtlich keine. Zwar hatte Christian Schmidt, Bundeslandwirtschaftsminister und direkt gewählter CSU-Bundestagsabgeordneter aus Fürth, "angeregt, den geschilderten Fall in der nächsten Sitzung im Frühjahr der örtlichen Fluglärmkommission in kompetenter Runde zur Sprache zu bringen". Sie trifft sich zwei Mal im Jahr. Die Einladung kommt von der US-Army als Betreiber der Flugplätze rund um Ansbach.

Kaffeekränzchen ohne Kommentar

Als großen Nachteil dieser "Kaffeekränzchen" nennt Boris André Meyer von der Anti-Fluglärminitiative "Etz langt’s" deren nicht öffentlichen Charakter; deshalb dringe auch wenig über Ergebnisse nach außen. Doch ein Teilnehmer der 2016er-Kommissionssitzungen kann sich "nicht erinnern, dass das Thema Wilhermsdorf angesprochen wurde". Auf eine vor zwei Wochen gestellte Anfrage hat Minister Schmidt bisher nicht geantwortet. Dabei dürfte er als Ex-Verteidigungs-Staatssekretär immer noch gute Kontakte zu den Militärs haben.

Peter Bauer, Landtagsmitglied der Freien Wähler und als Bürger von Sachsen bei Ansbach direkt von den Hubschraubern betroffen, ist im Gegensatz zu Army-Sprecher Bell sicher: "Die Übungen haben sich zuletzt deutlich ausgeweitet. Die Geslauer zum Beispiel beschweren sich auch ständig." Für die nächste Zeit sieht er außerdem ein neues Problem: "Jetzt kommt wieder ein neuer Kommandeur zur Army in Ansbach. Bei den ständigen Wechseln bekommen die neuen Kommandeure nicht mit, was in Kommissionen abgesprochen wurde."

Defensive Informationspolitik

Die Informationspolitik der US-Militärs ist traditionell ohnehin nicht sehr offensiv. Im Landratsamt Fürth ist bis heute offiziell nichts von der Aufstockung der Helikopterzahl bekannt. "Aus der Presse" habe man davon erfahren. So wie der Behörde vor dem offensichtlichen Scheinangriff vor einem Jahr nur "Außenlande-Übungen mit 16 Soldaten mit zwei Radfahrzeugen und sechs Hubschraubern" angekündigt gewesen waren.

Das ist auch jetzt wieder der Fall. Routinemäßig teilen die Amerikaner mit, dass derartige Manöver im Februar abgehalten werden. Als betroffene Bereiche werden im Landkreis Fürth der Markt Wilhermsdorf und die Stadt Langenzenn genannt.

Bei Beschwerden werden betroffene Bürger gebeten, sich an die Ansprechpartner bei den US-Streitkräften zu wenden: Torsten Lübke (Tel. 0 98 02 / 83 26 34) oder Helga Moser (Tel. 01 52 / 09 11 43 69). 

Heinz Wraneschitz

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