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Kino-Kehrtwende in Fürth: Ach nimmt neuen Anlauf

Dank einiger Nachbesserungen hat der Bauherr nun wieder grünes Licht - 22.09.2014 06:18 Uhr

Abgeschrägtes Dach, veränderte Eingangssituation: Das neue Erscheinungsbild des Kinos unter dem vorläufigen Arbeitstitel Cine Fürth hat die Kommunalpolitiker besänftigt. © Entwurf: Ingenieurbüro Haid, Aichach


Dank einiger Nachbesserungen wird Bauherr Alfred Ach sein Multiplex-Projekt an der Gebhardtstraße doch realisieren können. Die Bestätigung durch den Stadtrat in der kommenden Woche gilt als Formsache.

Es war in der letzten Sitzung des Rats vor der Sommerpause zum Eklat gekommen. Die dort vorliegenden Entwürfe für den Baukörper hatten unter den Lokalpolitikern dermaßen großes Entsetzen ausgelöst, dass sie Ach kurzerhand untersagten, sie zu realisieren. Vom im Sommer 2012 präsentierten Konzept mit spektakulärem Glaskegel war aus Kostengründen nicht mehr viel übrig geblieben, was nun zur Debatte stand, bekam das Etikett „Schachtelarchitektur“ und „Feuerwehrhalle“. Es sei „einer Stadt wie Fürth nicht würdig, so eine Kiste hinzustellen“, schimpfte der städtische Baureferent Joachim Krauße damals auf FN-Nachfrage.

Ungewöhnlich harsche Töne, doch in der Sitzung am Mittwoch dieser Woche klang Krauße nun weit moderater. Auch wenn man es mit dem neuesten Entwurf „nicht in Architekturzeitschriften“ schaffe, „passt das jetzt aus meiner Sicht so“, sagte er. Er erkenne „deutliche Verbesserungen“; weniger „lagermäßig“ wirke die Fassade, die „markant verändert“ worden sei. Auch der Eingangsbereich mit abgeschrägtem Dach und großer Glasfront mute jetzt „nicht mehr wie eine Feuerwehrhalle“ an.

Ähnlich äußerten sich Stadträte aller Couleur – die im Furor der Sitzung vor zwei Monaten noch auf der Realisierung des Glaskegels bestanden hatten. Auch Oberbürgermeister Thomas Jung findet die neue Version „gut gelungen“, Wirtschaftsreferent Horst Müller plädierte dafür, „die Kirche im Dorf zu lassen“ und nicht gleich das Nürnberger Cinecittà als Maßstab zu nehmen. Er habe sich im August Kinos in zwölf Städten angeschaut und sei zu der Erkenntnis gelangt: Der Entwurf von Achs neuem Architekten „gehört zu den besseren im Lande“.

Hohes Risiko

Hätte der Stadtrat das Vorhaben weiter mit dem Hinweis auf ästhetische Defizite blockiert, wäre die Kommune das hohe Risiko einer juristischen Schlappe eingegangen. Denn nirgends in den juristischen Vereinbarungen mit dem Bauherren war festgezurrt worden, dass er genau jene Version aus dem Jahr 2012 bauen muss.

Diesen offensichtlichen Fehler will man nun korrigieren: Um keine weiteren unangenehmen Überraschungen zu erleben, werde die aktuelle Version in einem Vertragsnachtrag „mit einem Stempel“ beigefügt, so Baureferent Krauße.

Ein weiterer gravierender Vertragsmangel soll ebenfalls beseitigt werden: Ach, der mit etlichen Verzögerungen viel Unmut ausgelöst hat, wird zum einen der Baubeginn bis zum 1. November dieses Jahres diktiert, zum anderen ein bisher nicht vorhandener, verbindlicher Fertigstellungstermin bis 31. Oktober 2015. Andernfalls ist die Vereinbarung mit ihm nichtig.

Wirtschaftsreferent Müller machte zur Sicherheit deutlich, dass man von einem „echten Baubeginn“ spreche, also ein zügiger Fortschritt erkennbar sein müsse. Nicht mehr anerkannt werde das bloße Ausheben einer Baugrube und das monatelange Herumstehen eines Baukrans, wie in der Vergangenheit.

Alfred Ach selbst ist der Meinung, man gehe jetzt „besser aufgestellt“ an das Projekt heran, nachdem zuletzt auch noch seine Finanzierung auf Messers Schneide gestanden hatte – wesentlicher Grund für das Abspecken der Planung. Man bekomme „ein effektiveres und besseres Kino“, sagt der Bauherr. Bei sechs Sälen mit rund 1100 Plätzen wird es bleiben, das einst geplante Restaurant mit Südterrasse im Obergeschoss allerdings fällt weg. Gastronomie sei dafür in einem großzügigen Foyer vorgesehen, Sitzplätze soll es vor dem Eingang geben.

Der neue Arbeitstitel fürs Kino lautet „Cine Fürth“, doch dabei muss es nicht bleiben. Ach hat angekündigt, den endgültigen Namen mit Hilfe eines Wettbewerbs unter den künftigen Besuchern zu ermitteln. 

Wolfgang Händel

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