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Kolossale Klanggewitter rocken die Koffer

„Dr. Woo’s Rock’n’Roll Circus“ holt in Fürth mit Brachialgewalt zum Rundumschlag aus - 16.04.2013 19:00 Uhr

Sänger Peter Hader heizt dem Rockzirkus mächtig ein. © Scherer


Richard Wagner hat es vorgemacht. Seine Opern bestehen nicht wie vordem aus Arien, Rezitativen und Duetten mit musikalischen Pausen und Sprecheinlagen, sondern aus einer endlosen Melodie, die diverse Themen und Motive aufgreift, miteinander kombiniert, und umspielt.

Warum also soll ein Rock’n’Roller sich mit fünf oder meinetwegen auch zehn Minuten pro Song begnügen? „Was der Richie kann, können wir auch“, dachten sich die sechs Mannen von „Dr. Woo’s Rock’n’Roll Circus“ — und bosselten mehrere Kronjuwelen und auch ein paar weniger bekannte Songs des Hardrock zu 50-Minuten-Kolossalstücken zusammen. Das nennen sie dann „Bastardrock“.

Volle Dröhnung

Für die Einstimmung sorgten die fünf Herren von „Double Trouble“ mit ihrem Southern Rock Marke „Allman Brothers“. Mit herrlich verschwitzten Klassikern wie „Stormy Monday“, „Wild Horses“ von den Rolling Stones und sogar David Bowies „Heroes“ waren die Gehörgänge gut gepflastert für die zwei Kettenfahrzeuge, die Dr. Woo nun losließ.

Die beiden 50-Minuten-Rockbastarde sind nun aber kein Potpourri willkürlich zusammengeschusterter Melodien. Vielmehr leitet das Ende des einen Songs organisch in den Anfang des nächsten hinüber. Allerdings unterwerfen die Gitarristen Fabian Reif und Steff Lehner, Bassist Jürgen Ebert und Drummer Uwe Kress jeden Song derselben Radikalkur: Dampframmenbeat und Elektroschock, hin und wieder ein Röcheln der Orgel (Uli Markus), dazu die gellenden Schreie Peter Haders, der sein Kinderzimmer mit Postern von Ian Gillan zugekleistert haben muss. Da gestaltet sich selbst eine Soulnummer wie „Papa was a rolling stone“ zur Hardrock-Ohrenbeichte.

Klar, dass Dr. Woo vorwiegend Songs aus dem Shouterbereich auswählt. Vor allem der zweite Teil führt durch das Pandämonium des Gruselkabinetts: Von AC/DC geht es nahtlos zu Deep Purples „Burn“; eine erholsame Abschweifung mit der „Jessica“ der „Allman Brothers“ wird gnadenlos mit dem Richie-Blackmore-Nachbrenner abgefackelt, Michael Jackson kloppt sich mit Pete Townshend, und selbst Paul McCartneys „Live and let die“ rotzt dermaßen brutal daher, wie es Paulchen in seiner ganzen Karriere nie fertig gebracht hat. Entsprechend gehen die Saitenraufer effektvoll in die Knie, schütteln ihre Lockenpracht und führen sich auf wie in den wilden Siebzigern.

Jetzt fehlt eigentlich nur noch eines in der Runde, und da kommt die Band auch schon eingeschwebt: Led Zeppelin und „Whole lotta Love“, bleischwer und so schweinegeil dargeboten, dass jeder Hörer im Geiste die Noppen an der Außenwand des Luftschiffs mitzählt.

Fürs Finale sorgt dann der Schluss von Queens „Bohemian Rhapsody“. Ein würdiges Ende, ist die Rhapsody selbst ja eine wildburleske Mischung unterschiedlichster Stile.

  

Reinhard Kalb

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