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Kontroverse Diskussion ums Fürther Kino

Kritik an Festlegung der Stadt auf einen Bauherren - 06.05.2012 13:00 Uhr

Während bereits über ein neues Fürther Lichtspielhaus nachgedacht wird, geht der Ausverkauf im alten „City“ an der Rudolf-Breitscheid-Straße weiter. Jeden Samstag von 14 bis 17 Uhr sind hier günstig Kino-Utensilien zu haben — von Sesseln über Poster bis hin zum längst ausgedienten Spielautomaten. © Hans-Joachim Winckler


Wie berichtet, wollen Oberbürgermeister und Wirtschaftsreferent zunächst dem Betreiber des inzwischen geschlossenen City-Kinocenters an der Rudolf-Breitscheid-Straße, Alfred Ach, das Angebot unterbreiten, ein modernes Lichtspielhaus auf der 4000 Quadratmeter großen Fläche neben den Bahngleisen zu schaffen. Immerhin bekundet Ach seit langem sein Interesse, mit einem Multiplex-Kino neue Wege zu beschreiten — bis dato blieb es jedoch beim Versuch.

Zuletzt hatte der gebürtige Fürther sein Augenmerk auf den Bau eines entsprechenden Komplexes in Neumarkt gerichtet, dort aber vor zwei Wochen sehr zum Ärger der Oberpfälzer einen Rückzieher gemacht. Begründung: Er sehe nun bessere Kino-Perspektiven in seiner Heimatstadt Fürth — eben auf besagtem Areal an der Gebhardtstraße.

Für ihn, so Wirtschaftsreferent Horst Müller im Gespräch mit den FN, sei es durchaus naheliegend, auf einen örtlichen Unternehmer zuzugehen, der „lange Jahre hier ein Kino betrieben hat“; noch dazu lasse Ach den Willen erkennen, das Projekt anzupacken. Erfülle er die Bedingungen der Kommune — zuvorderst die verbindliche Finanzierungsbestätigung eines Geldgebers — sollte Ach nach Müllers Dafürhalten den Zuschlag erhalten.

Anders sehen das etliche Fürther, die sich an unsere Zeitung gewandt haben oder FN-Artikel im Internet kommentierten: Ihrer Meinung nach hat Alfred Ach viel Vertrauen verspielt, weil im Lauf der Jahrzehnte zu wenig in die Modernisierung seines City-Kinocenters investiert worden sei. Der Fürther Architekt Christofer Hornstein — bekannt als Sprecher der Bürgerinitiative „Bessere Mitte“ — hält zudem für „unbegreiflich“, dass die Kommune ihre Chance nicht nutzt, das Projekt auszuschreiben. Wie schon im Fall des geplanten Einkaufsschwerpunkts könne sie dann unter den Bewerbern wählen — und natürlich, so Hornstein, könne sich Ach am Wettbewerb beteiligen.

Auch OB Thomas Jung verhehlt nicht, dass ihm bereits „Zweifel aus dem politischen Bereich“ zu Ohren gekommen sind, ob Lokalmatador Ach wohl „der richtige Partner ist“. Diese Frage, findet der Rathauschef, müsse tatsächlich „noch intensiv erörtert werden“. Das letzte Wort bleibe dem Fürther Stadtrat vorbehalten, den das Thema voraussichtlich in seiner Sitzung am 23. Mai beschäftigen wird. Schon kommenden Montag sind die Kinopläne Thema im kommunalen Wirtschaftsausschuss (15 Uhr, Rathaussaal).

Bis zur Entscheidung sei es „Aufgabe von Herrn Ach, die Zweifel zu beseitigen“, sagt Jung. Und Wirtschaftsreferent Müller will zwar weiterhin zum Fürther Kinobetreiber stehen, könnte aber nach eigenem Bekunden „auch damit leben, wenn der Stadtrat das anders sieht“.

Mit Unverständnis reagiert Alfred Ach auf die Diskussion — zumal er derzeit eine ganz andere und viel positivere Resonanz erfahre, wie er auf FN-Anfrage sagte: In etlichen Briefen hätten langjährige Besucher ihr aufrichtiges Bedauern über das Aus fürs „City“ bekundet. Auch die Kritik an zu wenig Innovationsdrang will er so nicht stehen lassen. Er habe seinem Kino Erstaufführungsstatus verschafft und sich lange bemüht, es auf dem neuesten Stand zu halten; spätestens seit der Jahrtausendwende, so Ach, fehlte ihm jedoch die Planungssicherheit, um teure Investitionen, etwa in digitale Technik, 3D und Gastronomie, zu wagen. Sein Vermieter habe langfristige Zusagen und den Verkauf von Flächen verweigert, in den vergangenen Jahren habe sich dann abgezeichnet, was mittlerweile Fakt ist: Das Kino muss dem neuen Einkaufskomplex Platz machen.
  

WOLFGANG HÄNDEL

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