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Luftschloss-Bauer in St. Michael

Hingucker und -hörer in Fürths Altstadt: Johannes Brinkmanns und Sascha Bancks Installation - 08.02.2016 16:45 Uhr

Auf sieben Tülltüchern in luftiger Höhe kann der Besucher in St. Michael erleben, was Sascha Banck (re.) zu den Klängen von Johannes Brinkmann und zum „Turmbau zu Babel“-Thema eingefallen ist. © Fotos: Edgar Pfrogner


Es ist überall. Das Kirchenschiff wird durchflutet von Klängen und Zeichen. Schwebende Bilder leuchten auf. Filigrane Linien erscheinen, ziehen eine Spur, vereinigen sich mit einem anschwellenden Ton und erlöschen an einem unfassbaren Ort.

Die Raumskulptur, die Sascha Banck und Johannes Brinkmann erschaffen haben, packt ihre Betrachter mit einer Absolutheit, die ebenso ergreifend wie unfassbar ist. Was sind das für Geräusche? Wie entstanden die bloß? Und woher kommen sie? So heißen Fragen, die sich nicht vorschnell beantworten lassen. Das gleiche Mysterium haftet der Malerei an, die durch den Raum flutet, um sich dann im Chor zu entfalten.

Die mythische Geschichte vom Turm, dessen Spitze den Himmel berühren sollte, wurde den beiden Künstlern als Motiv vorgegeben. Ausschlaggebend dafür war das Themenjahr der Reformationsdekade, das unter dem Motto „Reformation und die Eine Welt“ steht. Eine Welt, so erzählen die wenigen Zeilen im Alten Testament, gab es nach dem anmaßenden Bauprojekt nicht mehr: Gott verwirrte die Sprache der Menschen, sie verstanden einander nicht mehr. Die Idee der Einigkeit wurde für immer zur Utopie.

Die Installation der beiden Künstler nimmt dieses Moment der Unmöglichkeit auf. In einer Endlosschleife setzt sich da etwas zusammen – ein Turm, ein Luftschloss? – löst sich unversehens auf und fügt sich aufs Neue zusammen.

Digitale Live-Malerei

Sascha Banck, Kulturförderpreisträgerin der Stadt Fürth 2008 und Künstlerin des Monats Oktober 2015 der Metropolregion, hat die Bilder geschaffen, die nun aufleuchten. Entstanden sind sie in digitaler Live-Malerei zu der Musik von Johannes Brinkmann. Der Komponist, Cembalist und Organist arbeitet als Kirchenmusiker an der Erlöserkirche in Dambach, die er vor zwei Jahren bereits mit einem anderen Projekt in einen Installationsraum verwandelte.

In St. Michael ist nun ein Cembalo zu hören, dessen vertrautes Klangbild mit unterschiedlichen Mitteln verfremdet wurde. Brinkmann legte Perlenschnüre, Metallketten und Rohre auf die Saiten oder schlug sie mit Holzstab und Paukenschlegel an. Die vollendete Komposition wurde für Sascha Banck dann zur Grundlage ihrer überlegten Gestaltung. Klänge und musikalische Ereignisse haben nun in weißen Linien und farbigen Akzenten einen bildhaften Ausdruck gefunden, der sehr poetisch und inspirierend ist.

Projiziert wird Bancks Werk auf sieben 5,50 mal 3 Meter große Tülltücher, die in luftiger Höhe befestigt sind. Das Material ist gerade so fest gewebt, dass auf jedem einzelnen Tuch ein Abbild der Projektion zu erkennen ist und dennoch die volle Lichtstärke bis zum Altarraum durchkommt. Drei Lautsprecher übertragen Brinkmanns Arbeit und sind so positioniert, dass sich beim Gang durch die Kirche das Klangbild fortlaufend verändert.

Die Installation wurde gestern im Gottesdienst eröffnet. Liturgie und Predigt beschäftigten sich mit dem Werk und dem gesetzten Thema. Bis zum Abschlussgottesdienst am 21. Februar um 10 Uhr ist „Luftschloss: Variable Utopie“ täglich bis jeweils 20 Uhr in St. Michael (Kirchenplatz 7) zu erleben. Am kommenden Sonntag gibt es um 19 Uhr ein Künstlergespräch mit Sascha Banck und Johannes Brinkmann. 

SABINE REMPE

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