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Malerische Plädoyers gegen Not, Krieg und Elend

Dunkle Wolken im sommerlichen Stadtpark: Der Blaue Reformkiosk zeigt aufwühlende Arbeiten von Sybille Fenzel - 08.08.2017 06:00 Uhr

Ausschnitt aus Sybille Fenzels „Welt in Aufruhr“. © Repro: FN


Sowohl die Container-Box als auch die Arbeiten von Sybille Fenzel ecken an. Das wollen und sollen sie auch, ganz im Sinne Martin Luthers und des Reformations-Jubiläumsjahres, aus dessen Anlass der bis Jahresende bespielte Kiosk entstand. Um gefällige, dekorative Kunst geht es hier nämlich nicht. Fenzel, die aus Augsburg stammt und an der Steiner Faber-Castell-Akademie Bildende Kunst studierte, befasst sich in ihren Gedichten und Kunstwerken mit Themen wie Stille, Frieden, Krieg und Gewalt. Ihre haptisch reizvollen Materialmix-Arbeiten entziehen sich einer rationellen Analyse. Lieber bewahren sie ihr Geheimnis und scheinen zwischen Auflösung, Wiedergeburt und Neuerschaffung zu oszillieren. Um Wandel und Umbruch geht es, denn die Künstlergruppe "StilleStoerung" hat sich ein Luther-Zitat zur Grundlage ihrer Arbeiten gemacht: "Aus einem leeren Beutel Geld zählen, aus den Wolken Brot backen, das ist unseres Herrgotts Kunst allein".

Bei Fenzel rief das spontan Assoziationen von dunklen Wolken hervor. Und die brachte sie dann in Schwarz-Grau auf die Leinwand. Ihr Gemälde "Welt in Aufruhr", das aus vielen Pigmentschichten besteht und in einem jahrelangen Prozess richtiggehend gewachsen ist, zeigt eine konfuse Welt und fordert zugleich auf, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. "Mir geht es darum, auch an die Menschen zu denken, die in Not und Krieg leben und sie nicht darüber zu vergessen, dass es uns hier ganz gut geht", betont Fenzel. "Darum will ich mit den Besuchern ins Gespräch kommen".

Symboträchtige Asche

Die Skulptur in der Mitte besteht aus Holzasche, die sie aus ihrem Kamin entnommen hat, und aus Ruß, der leicht glänzt. Der Satz, den die Künstlerin daneben gestellt hat, lautet "Am Schluss sind alle gleich" – als Erinnerung daran, dass der Tod keine gesellschaftlichen Unterschiede kennt und der Mensch nichts mitnehmen kann. So fungieren Fenzels einzelne Teile als Türsteher, als Übergang zwischen Innen- und Außenwelt. Die Verbindung bildet die politische Friedensbotschaft.

Dazu passend wurde am Sonntag im Stadtpark des Hiroshima-Jahrestages gedacht und eine Welt ohne Atomwaffen gefordert (Seite 30). Auch das Künstlerpaar Kato, das die Gedenkfeier alljährlich organisiert, schaute im Reformkiosk vorbei. Wem Fenzels Pavillon düster erscheint, der sollte sich einmal mit dem Flüchtling aus dem Irak unterhalten, der ihn besucht und ganz bewegt ist. Der Mann hat sein Land, seine Stadt, seine Kriegserlebnisse sofort in den Werken gespiegelt gefunden. Die dunklen Wolken entsprechen seinem Lebensweg. Eine einfühlsame, vielschichtige Schau.

Z"StilleStoerung im Blauen Reformkiosk": neben der Auferstehungskirche im Stadtpark. Freitags 15-17 Uhr, samstags 13-16 Uhr, sonntags 11-16 Uhr. Sybille Fenzels Arbeiten sind zu sehen bis 13. August. Es folgen Werke von Doris Henle (bis 27. August), Ruth Bergmann (bis 17. September) und Petra Annemarie Schleifenheimer (bis 3. Oktober).  

CLAUDIA SCHULLER

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