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Menschen unterwegs

Eine Flüchtlingen gewidmete Ausstellung in Fürth - 27.01.2015 10:00 Uhr

Schwer tragen die Frauenskulpturen von Stefan Atzl (rechts), während die Gemälde von Georges Ouanounou in der Galerie in der Promenade die Bewegung ausdrücken. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Vor lauter Menschen ist von den Kunstwerken kaum etwas zu sehen in dem einzigen Ausstellungsraum der Galerie in der Promenade. Seit zwei Jahren stellt Christian Fritsche in der privaten Galerie in der Horschuchpromenade 17 aus, vier, fünf Projekte im Jahr. An diesem Abend drängen sich die Gäste, um die Werke des 1961 geborenen Österreichers Stefan Atzl und des Pariser Künstlers Georges Ouanounou zu sehen. Deutsch-französische Künstlerbegegnung ist ein Schwerpunkt der Galerie, doch in diesem Fall ergeben sich noch andere kulturelle Bezugspunkte, wurden doch beide Männer in afrikanischen Ländern geboren.

In der Ausstellung „Wechselwege“ begegnen sich ihre Aussagen über den Menschen, der bei beiden auf ganz unterschiedliche Arten im Mittelpunkt steht. Atzls kleine, auf Holzstelen gesetzte Bronzen sind fast alle beschwert, tragen auf Köpfen, Schultern, Rücken Gegenstände, Menschen, Tiere, Verwurzelungen. Ein Hauch Afrika ist erkennbar in der Gestaltung der Frauen, ihren Gesichtszügen, ihren nackten, oft üppigen Formen, aber es geht bei Atzl nicht um Exotik, sondern um ganz andere Fragen. In einer Installation aus Wort und Musik werden in der Vernissage Artikel der Menschenrechte kontrastiert mit Statistiken über Flüchtlingszahlen – eine Deutung der Werke Atzls und Ouanounous, die oft nahe liegt, wenn sich auch durchaus andere Fragen und Deutungsansätze anbieten. „Wer ist das? Opfer oder Täter?“, heißt es auf einem von Atzls mit den Statuen korrespondierenden Bildern, eine Frage, die sich durch seine Exponate zieht.

Die Tragenden Menschen – sind sie Opfer, beschwert und belastet? Oder vielleicht Täter, sind doch ihre Lasten oft selbst mit Stricken gebunden? Georges Ouanoumou malt den Menschen. Einige seiner Bilder, in denen Landschaften zu sehen sind, haben etwas Monumentales, Episches, Biblisches fast: ein riesiges, viel zu hoch gesetztes Fenster, ein eckiges, die Landschaft beherrschendes Tor und davor Steintafeln mit Texten, während auf der anderen Seite des Flusses Menschen – in seiner Darstellung immer als solche erkennbar, aber nie klar zu sehen, immer stilisiert – sich drängen. Deutet sich in diesen Bildern eine Geschichte an, die sich nie ganz fassen lässt, eine Ernsthaftigkeit und Wucht, gibt es auch Werke, die völlig anders wirken. Auf dem blauen Grund eines großformatigen Ölbilds sind Hunderte von Menschen zu sehen, umgeben von einem goldenen Rahmen, im Flug, im Sprung; sie wirken wie ein Schwarm kleiner Fliegen, die in der Luft schweben und sinken, getragen, schwerelos, richtungslos, seltsam unbekümmert. Die Prozession der Bronzestatuen Atzls ist so aufgestellt, dass sie genau auf das Bild zustreben, eine eigentümliche Verbindung der tragenden, wandernden Gestalten mit der Wolke aus winzigen Menschen, denen die Erdenschwere völlig abhanden gekommen scheint.

„Wechselwege“, Arbeiten von Stefan Atzl und Georges Ouanounou, zu sehen in der Galerie in der Promenade, Hornschuchpromenade 17, bis zum 11. April 2015. 

Sigrun Arenz

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