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Minister meint: Gute Ernährung muss auf den Stundenplan

Christian Schmidt besucht seine Heimatstadt Fürth und macht einen Vorschlag - 03.08.2016 06:00 Uhr

„Wir brauchen keine Beipackzettel“: Landwirtschaftsminister Christian Schmidt, hier in einem Supermarkt während einer Moskau-Reise. © Foto: dpa


Der Mensch muss ständig Entscheidungen treffen. Wenn es um Ernährung geht, sogar 200 am Tag, ließ Bundesminister Christian Schmidt seine Zuhörer im Marstall von Schloss Burgfarrnbach wissen, wo er auf Einladung der Frauenunion sowie des Trägervereins des Museums, Frauen in der einen Welt, sprach.

Dass diese Entscheidungen nicht immer die besten sind, zeige sich, wenn es zu Übergewicht und anderen Folgen von Fehlernährung kommt. Menschen vorzuschreiben, was sie zu essen haben, widerstrebe wiederum dem Freiheitsempfinden, so Schmidt. Deshalb ist er für klare Produktinformationen bei Lebensmitteln: „Man muss wissen, was drin ist. Das Ziel ist es, eine Mitdenkhaltung zu fördern – nicht zu erziehen.“

Gesunde Ernährung sei nur dann möglich, meint Schmidt, wenn man Entscheidungen auf der Grundlage von Informationen treffen kann. Wie aber bringt man sie an den Kunden? Verschiedene Ansätze werden kontrovers diskutiert. Eine Ampel-Kennzeichnung hält Schmidt für fragwürdig, da man nicht immer eindeutig sagen könne, was „gesund“ bedeutet. Auch würden damit Verbraucher zur Denkfaulheit verleitet werden.

Einfach sämtliche Inhaltsstoffe inklusive Allergenhinweise, Informationen zum Einsatz von Gentechnik oder Tierhaltungsbedingungen aufzulisten, bringe jedoch ein neues Problem mit sich. „Wir brauchen keine Beipackzettel bei Lebensmitteln, aber Grundinformationen.“ Um diese Informationen zu interpretieren, sei Bildung notwendig. Der Minister setzt sich deshalb für die Einführung des Schulfachs Ernährungsbildung ein.

Kritisch sieht er das Mindesthaltbarkeitsdatum. Denn das legt der Hersteller fest. Dass dieser einen zeitlichen Puffer vor der tatsächlichen Ungenießbarkeit ansetzt, um sich abzusichern, sei zwar verständlich. „Aber vielleicht geht es den Unternehmen auch um einen größeren Umschlag im Regal“, sagte Schmidt. Die Folge jedenfalls ist: Pro Jahr werfen Deutsche 82 Kilogramm beste Lebensmittel weg. Deshalb setzt sich Schmidt für die Einführung eines Verfallsdatums zusätzlich zum Mindesthaltbarkeitsdatum ein. Sein Ministerium entwickelt außerdem ein Tierschutzlabel, das über Haltungsbedingungen Auskunft geben soll. Eine staatliche Kennzeichnung sei notwendig, um unterschiedlichen privaten Labels vorzubeugen, die Schmidt zufolge mehr verwirren als aufklären.

„Landwirtschaft war brutal“

Was die Produktion von Lebensmitteln für eine Weltbevölkerung von sieben Milliarden Menschen angeht, warnte er vor einem romantisierenden Blick auf vergangene Zeiten. Die Forderung, man müsse zurück zu kleinen Betrieben, sei naiv. „Landwirtschaft war damals alles andere als idyllisch, eher brutal. Ohne die industrielle Produktion geht es heute nicht mehr“, meint Schmidt, der aus einer Bäckerfamilie stammt. Allein Großkonzerne für Ernährungskrisen in der Welt verantwortlich zu machen, sei wohlfeil. Probleme in der Organisationsstruktur würden zum Beispiel in Afrika zu hohen Verlusten nach der Ernte führen, etwa wenn es an Straßen oder Lagerkapazitäten mangelt.

Bei seiner Politik orientiere er sich am deutschen Bier, erklärte Schmidt: Das Reinheitsgebot, das heuer 500-jähriges Jubiläum feiert, wurde eingeführt, „weil so viel gepanscht wurde, dass die Leute gestorben sind“. Gesundheitsgefährdung zu verhindern, müsse eine Aufgabe der Ernährungspolitik bleiben.

Die Ausstellung „ausgekocht“, die Kochen und Essen im Spannungsfeld neuer Lebensentwürfe von Frauen und globaler Ernährungswirtschaft betrachtet, läuft noch bis 31. Oktober. 

Felix Balandat E-Mail

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