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Mit vertonter Liebe zum Text

Lesen-Festival: Gesungene Gedichte von "Wortart" im Kulturforum - 26.06.2017 10:00 Uhr

Sprechgesang, fließende Melodien und polyphone Passagen: Die Vier von Wortart vereinigen Wort und Gesang zum charakteristischen Gesamtklang. © Foto: Markus Kohler


Lena Sundermeyer, Hannah Ginsburg, Erik Leuthäuser und Lars Ziegler blättern in Gedichtbänden, und "wenn man was findet, was einen anspricht, dann tut man das einfach" — die Gedichte nehmen und Musik dazu komponieren nämlich. So entstehen a capella gesungene Lieder, in denen das Wort seine Bedeutung behält und auf ganz eigene Weise neu entfaltet.

In ihrem Programm "Home, sweet home" geht es im weitesten Sinne um Heimat, die in unserer Zeit längst nicht mehr an Orten hängt: "Wir sind unterwegs zuhause" heißt es in Freeze Frame, einem Gedicht, das das Lebensgefühl einer Generation aufnimmt, die sich überall (und nirgends) daheim fühlt.

Sprechgesang, fließende Melodien, begleitende Harmonien, Scat-Gesang und polyphone Passagen — das Wortart Ensemble vereinigt verschiedene musikalische Traditionen und Richtungen zu einem charakteristischen Gesamtklang. Auch Musik wird so zur Heimat, einem Ort, an dem sich Vertrautes und Unerwartetes begegnen.

Was Heimat sonst noch ist, leuchten die Texte von Autoren verschiedener Epochen aus. Da sind die Exilgedichte eines Bertolt Brecht. "Du kehrst morgen zurück", lautet der Hintergrund und Refrain des Textes, und diese Erwartung macht es unmöglich, sich auf die temporäre neue Heimat einzulassen: Wozu noch einen Baum pflanzen oder in einer fremden Grammatik blättern?

Musikalische Schönheit

Diese Zerrissenheit kommt auch in den Texten des syrischen Dichters Adel Karasholi zum Ausdruck, der "Tanz auf dem Seil" mit der Fremde zur Rechten und zur Linken. Das klingt nach schwerer Kost, wird aber von Wortart mit so viel musikalischer Schönheit und Liebe zum Wort vermittelt, dass sich selbst in den ernsthaftesten Liedern kein Pessimismus breit macht, sondern allenfalls Nachdenklichkeit.

Und die vier Wort- und Tonkünstler belassen es nicht dabei, von Zerrissenheit und Heimatlosigkeit zu singen, sondern setzen dem immer wieder positive und manchmal auch witzige Texte entgegen. Ganz und gar bei sich zuhause ist etwa der Sprecher in einem Gedicht von Mortesa, der einem neuen Freund erklärt, dass er im August grundsätzlich nicht erreichbar sei, denn "einmal im Jahr muss man eine Pflanze sein dürfen". Eine Antwort auf die Frage nach Heimat gibt das letzte Stück, eine wunderschöne und heftig beklatschte Adaption eines Liedes von Dota Kerr. Der Refrain: "Nur dein liebes Gesicht macht mich zuhause auf der Welt." 

SIGRUN ARENZ

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