Montag, 10.12.2018

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Pippa Porrees Zeitreise ins Jahr 1007

„Das geheimnisvolle Nürnberg–Fürth Buch“ macht neugierig auf Stadtgeschichte(n) - 07.11.2012 13:00 Uhr

Fürth-Nürnberger Doppelpass: Illustratorin Mel Bartholomä-Mühle (li.) und Autorin Michelle Schrenk mit ihrem Buch, das jungen Lesern die Historie der Nachbarstädte auf märchenhaft-fantasievolle Weise nahebringen soll. © Hans Winckler


In der Geisterliga ist nichts unmöglich. Zwei Heroen der fränkischen Fußballerzunft streifen das gleiche Trikot über. Da staunt der Clubfan, der Kleeblatt-Anbeter wundert sich. Ja, hier, zwischen diesen zwei Buchdeckeln, kicken wirklich Ertl Erhard und Max Morlock miteinander; einer der Teamkameraden ist der Dürerhase, Pinselkönig Albrecht D. höchstselbst macht den Stadionsprecher. Geht’s noch abgedrehter?

Durchaus, denn „Das geheimnisvolle Nürnberg-Fürth Buch“ hat noch 48 weitere Seiten und Michelle Schrenk jene Art von schriftstellerischer Fantasie, die man getrost als blühend bezeichnen darf. „Ich will Kindern eine Freude machen und sie mit den Mitteln des Märchens in die Geschichte beider Städte einführen“, sagt die gelernte Kommunikationsfachfrau.

Wie das geht, scheint Schrenk zu wissen, bereits „Das geheimnisvolle Nürnberg Buch“, das im Vorjahr erschien, geriet mit knapp 4000 Exemplaren zu einem respektablen Erfolg. Acht Nürnberger Schulen, merkt Verleger Konrad Kaeser an, benutzten den bunten Band im Heimat- und Sachkundeunterricht der dritten und vierten Klassen. Das weckte Lust aufs Weitermachen. Ein Jahr lang steckten die Nürnbergerin Schrenk und ihre Fürther Freundin, die freischaffende Grafikerin Mel Bartolomä-Mühle, die Köpfe zusammen; herausgekommen ist dank zahlreicher Sponsoren aus der Wirtschaft dies- und jenseits der Stadtgrenze, ein liebevoll illustriertes, optisch sehr lebhaftes Schmöker- und Sachbuch mit üppiger Fantasy-Beilage. Verleger Kaeser: „Wir wollen den Kindern nichts Fertiges vorlegen, sondern sie animieren, sich selber ein Bild von beiden Städten zu machen.“ 

Magische Stadtführer

Als „magische Stadtführer“, so die Autorin, sind auf Nürnberger Seite unter anderem Spinne Cordula und Pegnitzpiratin Baula im Einsatz, während in Fürth Kleeblattfee Pippa Porree über König Heinrichs Schenkungsurkunde von 1007 berichtet und Stadtzauberer Verdus Grünkohl von Zwiebelrübe vom Grünen Markt und der Gustavstraße erzählt. Auch die Rivalität beider Städte kehren Schrenk und Bartholomä-Mühle keinesfalls unter den Teppich, denn „das ist für Kinder doch superspannend“. Grundschüler, die unlangweilige Geschichten lesen, aber auch wissen wollen, wie lang Ludwig Erhards Lieblingszigarre ist, werden hier fündig. Sehr löblich: Auch NS-Zeit und Judenverfolgung, werden — ganz ohne Fantasy-Kontext — angemessen und verständlich erwähnt.

„Das geheimnisvolle Nürnberg-Fürth Buch“ ist zum Preis von 17,95 Euro ab sofort in Fürth in der FN-Geschäftsstelle (Breitscheid-Straße 19) zu kriegen. 

MATTHIAS BOLL

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