Rauf aufs Rad: Wie fahrradfreundlich ist Fürth und Umgebung?

26.2.2019, 11:00 Uhr
Rauf aufs Rad: Wie fahrradfreundlich ist Fürth und Umgebung?

© Foto: Hans-Joachim Winckler

Fürth wurde am 10. Juli 2017 in die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen (AGFK) aufgenommen. Die Ehre war mit Auflagen verbunden, denn bis zur Zertifizierung als fahrradfreundliche Stadt im Jahr 2021 sind noch "Hausaufgaben" zu machen. Fürth ist dran.

So hat der Bauausschuss kürzlich den geforderten Grundsatzbeschluss zur Förderung des Radverkehrs abgesegnet. Das Bekenntnis: Man möchte den Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehr "in den nächsten Jahren deutlich" steigern. Details werden im Verkehrsentwicklungsplan ausgearbeitet.

Nach dem Willen der AGFK muss, so Fürths Fahrradbeauftragte Susanne Plack, ein Jahresbudget von acht Euro pro Einwohner für die Radverkehrsinfrastruktur zur Verfügung stehen. Aktuell seien es 130.000 Euro, ein Euro pro Einwohner. Doch trüge der Schein. Weil manches intern anders verrechnet wird, berücksichtigt der Betrag laut Plack einige Investitionen nicht – etwa den millionenschweren Bau der Regnitztalquerung zwischen Eigenem Heim und Ronhof.

Die Stadt soll eine Fahrradabstellsatzung erlassen. Jetzt sind, abhängig von Wohnungsgrößen, Radstellplätze bei Neubauten in der Innenstadt vorgeschrieben, dies soll auf alle Gebäude im Stadtgebiet ausgeweitet werden. Ein Punkt, den man sich noch vorknöpfen will. Die Fahrradbeauftragte ist zuversichtlich, dass es mit der Zertifizierung 2021 klappt.

Denn mit der von OB Thomas Jung angekündigten Verkehrswende ist Fürth nach Placks Überzeugung "auf einem guten Weg": Auf dem Programm stehen eine Radverkehrsachse vom Hauptbahnhof zur Billinganlage, weitere Radwege und Schutzstreifen, jährlich drei bis sechs neue Fahrradstraßen und die Navi-App "Bike Citizens", die die Stadt für 15.000 Euro erwerben und zunächst 500 Bürgern samt Lenkradhalterung fürs Handy kostenlos anbieten will. 

Ist Zirndorf schon sehr radlerfreundlich?

Zirndorf hat mit Ralf Klein, Chef der Servicebetriebe Bauhof und Stadtgärtnerei, ebenfalls einen Fahrradbeauftragten bestellt. Er stuft die Bibertstadt bereits als sehr radlerfreundlich ein, was er speziell auf Tempo 20 in der Kernstadt zurückführt: "Da können die Radler bequem mitschwimmen, darum beneiden uns viele."

Eine eigene AGFK-Mitgliedschaft strebt Zirndorf nicht an. "Uns reicht die Zertifizierung über den Landkreis." Als sie anstand, sei Zirndorf ein Schwerpunkt bei der Bewertung gewesen. Als äußerst positiv verbucht Klein auch den mittlerweile von Leichendorf bis hinter Großhabersdorf hinaus geteerten Biberttal-Radweg.

"Wir haben in der Vergangenheit relativ viel für den Radverkehr gemacht": Klein führt aufgehobene Sperrungen, Zusatzmarkierungen auf dem Asphalt oder neue Beschilderungen an. Mehrere Radschutzstreifen, zuletzt in der Schwabacher Straße, grenzen auf der Fahrbahn seitlich Vorrangbahnen für Radler ab. Hoffnung gebe es auch für die seit Jahren gewünschte Abstellanlage am Bahnhof: Entweder auf dem Gelände des Baumarkts, der wegzieht, oder über das Förderprogramm der Bike+Ride-Offensive von Bahn und Bund hofft Klein auf eine Lösung "allerspätestens im nächsten Jahr".

"Wir lagen gut im Schnitt"

Kritischer sieht Wolfram Schaa, Stadtrat der Grünen und engagierter Streiter für die Interessen der Radler, die Situation in der Bibertstadt. Diverse Anstrengungen, etwas voranzubringen, seien "nicht so von Erfolg gekrönt gewesen". Ein Antrag seiner Fraktion, dem Beispiel Cadolzburgs und Roßtals folgend einen runden Tisch zum Thema Radfahren einzurichten, habe der Verkehrsausschuss erst unlängst abgelehnt. Allerdings vermerkt Schaa positiv: Die Stadt habe beim Fahrrad-Klima-Test 2016, den der ADFC alle zwei Jahre bundesweit durchführt, "von einer schlechten Note zumindest auf die 3,9 aufgeholt". Noch positiver sieht das Ralf Klein: "Da haben wir den dritten Platz bei den Aufholern gemacht, die Note zuvor lag bei 4,6."

Von einem mangelhaften Platz auf einen ausreichenden? Klein bewertet das anders: "Wir lagen gut im Schnitt, die anderen Kommunen waren auch nicht besser." Luft nach oben gebe es immer, dass man "immer auf der Suche nach Verbesserungen" sei, sagt Klein. Er hat die Erfahrung gemacht, dass dabei die Vorstandschaft von Landrat Matthias Dießl in der AGFK von Vorteil ist. "So bekommen wir immer wieder neue Impulse."

Roßtal arbeitet an einem Radwegekonzept

Noch hat Roßtal keinen Antrag gestellt, in die AGFK aufgenommen zu werden, doch die ersten Schritte, um mehr Menschen aufs Rad zu locken, sind getan. Es gibt in der Marktgemeinde einen Ansprechpartner für alle Fragen rund ums Radeln: Hartmut Igel, Marktgemeinderat der Freien Wähler und selbst passionierter Radfahrer. Aktuell wird in der Kommune an einem Radwegekonzept gearbeitet, dafür erfasste das Institut für innovative Städte (INS) zunächst den Ist-Zustand. Derzeit werden die Daten für den Ort ausgewertet, sie sollen Ende März vorliegen. Nun sind die Bürger gefragt: Wo gibt es Lücken im Wegenetz, wo fehlt die Beschilderung, wo könnten zusätzliche Abstellanlagen installiert werden?

All diese Themen können sie im Internet (www.radverkehr.rosstal.de) bis Ende März ansprechen. Auf einer Karte kann sogar ein wünschenswerter neuer Radweg eingezeichnet werden. Die Anregungen sollen in das Konzept eingearbeitet werden. „Vielleicht gibt es auch einige kleinere Maßnahmen, die der Bauhof aus eigener Kraft stemmen kann“, hofft Igel. Ob das bereits ausreicht, um von der AGFK als fahrradfreundlich zertifiziert zu werden, ist ungewiss, denn die Arbeitsgemeinschaft schaut genau hin. Allerdings will sie auch keine zu hohen Ansprüche stellen, denn alle Kommunen sollen ermutigt werden, den Anteil der Radfahrer am Verkehrsaufkommen zu erhöhen.

Bürgermeister Johann Völkl kann sich vorstellen, dass sich Roßtal mittelfristig mit seinem Konzept bei der AGFK bewirbt. Wenn die Pläne für das radfreundliche Roßtal vorliegen, wird im Marktgemeinderat besprochen, ob eine Mitarbeit angestrebt werden soll. 

 

 

 

 

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