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Retzelfembach schaut durch Bullaugen

Waagenmuseum bietet Einblicke rund um die Uhr - 06.10.2017 13:00 Uhr

Abgewogen wurde hier noch vor einem Jahrzehnt — jetzt ist das Waaghäuschen in Retzelfembach ein Museum mit Waagen aus aller Welt. © Foto: Nina Daebel


"Die Ausstellung ist immer geöffnet", sagte Alfred Strunz, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins. Möglich machen das zwei Bullaugen, die auf verschiedenen Höhen in die Eingangstür eingebaut worden sind. Sogar nachts ist ein Blick ins Innere möglich. Denn sobald es dunkel wird, schaltet sich das Licht im ehemaligen Waaghaus ein.

In dem wurden bis vor rund zehn Jahren noch Tiere auf der dort installierten Viehwaage gewogen. Konrad Heubeck war der letzte noch aktive Waagmeister von Retzelfembach. Irgendwann schloss er das Waaghaus ab, weil niemand mehr seine Dienste benötigte.

Bei der Ausstellungseröffnung war er vor Ort und erzählte von der Vergangenheit. Dass die Viehwaage nicht auf dem Schrott gelandet ist, sondern außer ihr jetzt noch rund hundert andere Waagen aus der ganzen Welt zu sehen sind, ist dem Engagement der Mitglieder des Veitsbronner Heimat- und Geschichtsvereins zu verdanken.

Der Vorsitzende Strunz kann sich gut an die erste Begehung des Raumes erinnern. "Es hing noch der Geruch nach Tieren drin", sagte er. Dass die Viehwaage erhalten wurde, freut ihn sehr. Genauso wie die gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde, die das ehemalige Waaghaus für die Ausstellung mietfrei zur Verfügung gestellt hat.

Außerdem wurde das Projekt von der Lokalen Aktionsgruppe Leader im Landkreis Fürth unterstützt. So flossen dringend benötigte Gelder über den Fördertopf "Unterstützung Bürgerengagement". Auch für den vor kurzem als Mahnmal eröffneten Erdbunker in Veitsbronn war der Heimat- und Geschichtsverein über Leader unterstützt worden.

Noch ein Projekt?

"Kompliment an den Verein, dass er so fidel ist. Sie dürfen weitermachen, es gibt noch Gelder", sagte Landrat Matthias Dießl während seiner Ansprache und empfahl, auch über Projekte nachzudenken, die möglicherweise gemeinsam mit Institutionen aus anderen Leader-Regionen umgesetzt werden könnten. Denn dafür würden ihm zufolge noch vollere Geldtöpfe zur Verfügung stehen.

Dass die Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins für die Ausstellung ihr "ganzes Herzblut und Engagement in die Waagschale" geworfen hätten, das betonte Bürgermeister Marco Kistner in seiner Ansprache ausdrücklich. Anschließend ließ er sich gemeinsam mit dem Landrat von Strunz durch die kleine Ausstellung führen. In der stehen Eierwaagen neben Tafel-, Analyse-, Neigungs-, Dezimal- und Personenwaagen. "Vieles im Leben hat mit Waagen zu tun — bei der Post wird gewogen, beim Arzt, im Supermarkt", sagte der Vorsitzende, der gemeinsam mit seinen Mitstreitern viel Wissenswertes zum Thema zusammengetragen und schriftlich zum Nachlesen in die Ausstellung integriert hat.

Bei den Bürgern in Retzelfembach ist das Projekt Strunz zufolge gut angekommen. Er ist zuversichtlich, dass viele Besucher vor den Gucklöchern verweilen werden. Denn die Lage des Waaghauses ist strategisch gut: direkt neben einem Bushäuschen, an der Durchgangsstraße und an einem beliebten Radweg.

Ob es schon ein neues Projekt gibt, das der Heimat- und Geschichtsverein künftig umsetzen will? Strunz schüttelt den Kopf. Zwei große Projekte innerhalb eines Jahres zu eröffnen, sei erst einmal genug. Doch dann sagt er diesen Satz, den er bislang immer gesagt hat, bevor etwas Neues ins Rollen kam: "Ich traue mich ja gar nicht, das zu sagen . . ." Er tut es dann trotzdem und sinniert laut über den Bau eines mobilen Brotbackofens, in Kooperation mit anderen Heimatvereinen des Landkreises. Das wär‘s — und: "Leader-Gelder gibt’s ja noch." 

NINA DAEBEL

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