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Schnabuliermarkt-Gegner in Fürth sammeln sich

Das neue „Bündnis für Innenstadtgrün“ will die Adenaueranlage als Ruheoase erhalten - 11.07.2014 06:00 Uhr

Mit dem Klapphocker ins Grüne: In etwas mehr als einer Woche wollen die Bündnismitglieder die Adenaueranlage „Be-Sitzen“. © THOMAS SCHERER


Klapphocker haben sie zum Pressetermin in die Grünanlage mitgebracht, sogar eine Holzbank. Die Sitzgelegenheiten sind ein Vorgeschmack auf eine kommende Aktion des „Bündnis für Innenstadtgrün“.

Unter diesem Namen haben sich die Gegner jenes Konzepts versammelt, das einen „Schnabuliermarkt“ – einen Markt mit saisonalem und regionalem Angebot sowie Gastronomie – in der Adenaueranlage vorsieht. Da wären der Bund Naturschutz, das Sozialforum, der Seniorenrat und der Verein „Wir sind Fürth“ (WsF), darunter sind aber auch Einzelpersonen wie der frühere CSU-Stadtrat Herbert Schlicht. Gegen einen solchen Markt habe niemand etwas einzuwenden, betonen sie, wohl aber gegen den Standort. „Wir wollen keinen bebauten Adenauerplatz, sondern eine Grünanlage“, gibt sich BN-Chef Reinhold Scheuerlein kämpferisch.

Er und seine Mitstreiter wehren sich dagegen, dass der kleine Park zwischen Freiheit und Moststraße möglicherweise „zweckentfremdet“ werde. Zum wiederholten Mal argumentiert Scheuerlein damit, dass die stattlichen Bäume die Umsetzung der Pläne nicht überleben würden. „Der Wurzelbereich“, sagt Scheuerlein, „wird dadurch massiv belastet.“

Kein Platz für Kommerz?

Stephan Stadlbauer vom Sozialforum und Ulrich Schuberth vom Seniorenrat heben den großen Wert hervor, den die Anlage als Ruheort für die Menschen habe. Diese „Grüne Mitte“ dürfe nicht dem Kommerz unterworfen werden, so Stadlbauer. Kamran Salimi (WsF) bringt noch ein weiteres Argument ins Spiel: den Denkmalschutz. Die Grünanlage, sagt er, sei eines der letzten Zeitzeugnisse der Ludwigsbahn. Damals, so Salimi, war sie so etwas wie der Eingangsbereich für den längst abgerissenen alten Bahnhof, der nebenan auf der heutigen Freiheit stand.

Das ehemalige Gleisbett der Ludwigsbahn, den Grünstreifen zwischen Hornschuchpromenade und Königswarterstraße, hat das Bündnis ebenfalls im Blick. Als verlottert und heruntergekommen werten ihn die beiden Anwohner Elisabeth Imholz und Ernst-Ludwig Vogel. Mitschuld trage die Stadt, weil sie einen Teil des Areals Jahr für Jahr den Kirchweih-Schaustellern als Stellplatz überlässt. Schon vor vielen Jahren habe es einen Versuch gegeben, das Blatt zu wenden. Inzwischen habe das Grünflächenamt, so Vogel, aber vor der „mächtigen Schausteller-Lobby im Stadtrat“ kapituliert.

Vogel empört sich besonders darüber, dass das Schnabuliermarkt-Konzept dieses Grün als Parkstreifen für Autos vorsieht – mit der Begründung, es sei ungepflegt und nutzlos. Hier werden falsche Schlüsse gezogen, betont Vogel, und Reinhold Scheuerlein pflichtet bei: Das städtische Grün müsse geschützt werden, indem man es aufwertet.

In den nächsten Wochen konzentriert sich das neue Bündnis aber zunächst auf die Adenaueranlage. Mit einer Unterschriftensammlung will man die Stadt dazu bringen, sie ohne Abstriche zu erhalten und für den Markt einen anderen Standort zu finden. Am Freitag, 18. Juli, sind alle Fürther aufgerufen, dieses Anliegen zu unterstützen. Unter dem Motto „Adenaueranlage Be-Sitzen“ sollen sie um 17 Uhr Hocker, Liegestühle oder Picknickdecken mitbringen, um deutlich zu machen, welchen Stellenwert das Areal für die Menschen habe. 

Johannes Alles

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