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Sehnsucht nach Ruhe: Yoga boomt auch in Fürth

Rund ein Dutzend Schulen buhlen in der Kleeblattstadt um Teilnehmer - 13.06.2016 06:00 Uhr

Die Asanas genannten Körperstellungen sind nur ein Teil des Yogas. Mindestens genauso wichtig sind Atem, Entspannung und Meditation. Im Zusammenhang mit Yoga werden nach Schätzungen weltweit 42 Milliarden Euro erlöst. © Foto: oh


Wer den hellen, langgestreckten Übungsraum von „Rainbowyoga“ an der Stadtgrenze betritt, erfährt ein Gefühl von Ruhe und Geborgenheit. Es gibt kaum Mobiliar – nur ein niedriges dunkles Tischchen mit Bodenkissen außen herum. Hier können die Teilnehmer vor der Stunde noch ein Gläschen Tee trinken. „Dafür ist auch Extra-Zeit eingeplant“, sagt Yogalehrerin Julia Schleußinger. Zu spät kommen geht gar nicht. „Denn sonst entsteht Unruhe“, erklärt die 29-Jährige. Überhaupt sei der Alltag der meisten Menschen heute viel zu hastig, viele kämen kaum mehr zu Ruhe.

Bei ihren Teilnehmern sehe sie immer wieder, dass das die Menschen krank mache – physisch und psychisch. In ihren 90-minütigen Kurseinheiten will Schleußinger deshalb das Tempo herausnehmen und den Übenden zeigen, „dass man es durch eine regelmäßige Yoga-Praxis schafft, seine eigenen Ziele und Wünsche zu erreichen – egal, in welchem Bereich.“ Das hat auch Stefanie Fischer Fernández festgestellt, die die Yoga-Übungen eigens an die Bedürfnisse von Kletterern angepasst hat. Unter anderem könnten so Muskeln aktiviert werden, die beim Klettern zu kurz kommen und die Beweglichkeit verbessert werden, erklärt die Fürtherin.

Wichtig ist Fischer Fernández außerdem der integrierende Aspekt des Yogas, den Julia Schleußinger im Namen ihrer Schule aufgegriffen hat: „Wie der Regenbogen Himmel und Erde verbindet, sagt auch die Yoga-Philosophie, dass alles miteinander verwoben ist.“

Kaum Zahlen

Manche Yoga-Lehrer seien so spirituell oder religiös geprägt, dass sie den Kosmos, in dem sie sich bewegen, ungern als einen Markt begriffen, sagt Jonas Villwock von fitogram, der die Studie „Yoga-Markt Deutschland 2016“ erstellt hat. Zahlen zu den Erlösen der Branche seien deshalb kaum erhältlich. Das Interesse an Yoga wächst seit Jahrzehnten. Rund 6000 Yoga-Schulen und -studios gibt es in Deutschland, hat Villwock ermittelt. Innerhalb der vergangenen fünf Jahre habe die Nachfrage noch einmal stark zugenommen. 52 Prozent der von ihm und seinem Team untersuchten Yoga-Kursanbieter sind Yoga-Schulen, 37 Prozent Fitnessstudios. Etwas mehr als zwei Drittel aller Fitnessstudios mit Kursprogramm haben demnach Yoga im Angebot.

Julia Schleußinger hat sich mit einem Yoga-Studio ein zweites Standbein geschaffen. © Foto: oh


Auf mindestens 42 Milliarden Euro schätzen Experten den weltweiten Umsatz, der im Zusammenhang mit Yoga erzielt wird. Vier Milliarden davon dürften auf Deutschland entfallen, weiß Villwock. Knapp die Hälfte der Yoga-Angebote in Deutschland folgen laut der Studie der Hatha-Tradition – so auch das Studio von Julia Schleußinger. „Ich habe vieles ausprobiert, bin aber immer wieder zu diesem ruhigen, ursprünglichen Stil zurückgekehrt“, berichtet die Zahnarzthelferin, die seit zehn Jahren Yoga praktiziert und sich aktuell zur Yoga-Therapeutin weiterbildet. Ihrer Meinung eignet sich Hatha-Yoga auch am besten, um den Trend einmal selbst auszuprobieren.

Laut einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) haben das 9,6 Millionen Deutsche schon einmal getan. 2,6 Millionen praktizierten Yoga – darunter sind 300 000 Männer. Insbesondere Menschen mittleren Alters (25-49 Jahre), die entweder Singles seien oder in Partnerschaften ohne Kinder zusammenlebten, betrieben Yoga, heißt es in der Studie weiter. Beliebt sei Yoga vor allem in Großstädten und bei Menschen mit höherer Schulbildung, bei Beamten und Freiberuflern bzw. Selbstständigen.

Flexible Terminwahl

„Yoga ist bei uns eine gute Konstante, die weiter wächst“, bestätigt Sebastian Bittner, der Fachbereichsleiter Gesundheit an der Volkshochschule (VHS) Fürth. Zirka 50 Veranstaltungen wie „Aktiv entspannen mit Iyengar Yoga“, „Yoga leicht und beschwingt für Mollige“ oder „Yoga im Alltagswahnsinn“ stehen im aktuellen Programm der Einrichtung. „Am Haus des Yoga wird ständig gebaut“, zitiert Bittner einen seiner Kursleiter. Im Trend sei beispielsweise „Faszien-Yoga“ – „auch wenn Faszien schon immer ein Thema des Yogas sind“. Sehr gut liefen ferner beispielsweise spezielle Angebote für Senioren.

Als einen Nachteil der VHS im Wettbewerb um Yoga-Übende sieht Bittner die geringe Flexibilität bei den Teilnahmemöglichkeiten: Während viele Studios mit Zehnerkarten lockten, die für einen bestimmten Zeitraum gelten, könnten an der Volkshochschule nur komplette Angebote zu fixen Terminen gebucht werden.

Unter diesem Link kann übrigens jeder die Studie kostenlos herunterladen: https://www.fitogram.de/downloads/64 

ASTRID LÖFFLER

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