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Sie ruh’n wie in der Mutter Haus

Fürther Kirchenmusiktage: Dank- und Klage-Gesänge in St. Michael - 22.11.2016 15:05 Uhr

Magisch: Altistin Solgerd Isalv meisterte souverän die Schwierigkeiten in Liedern von Gustav Mahler und Leonard Bernstein. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Kirchenmusikdirektorin Ingeborg Schilffahrt präsentierte mit ihrer Fränkischen Kantorei einen Chor, der in den höchst verschiedenen Genres gleichermaßen überzeugte. Im romantischen „Schicksalslied“ von Johannes Brahms auf Verse Friedrich Hölderlins überzeugen exzellente Homogenität und Wohlklang. Jedes Crescendo und Decrescendo erfolgt wie aus einem Guss, von Schilffahrt mit forschem Dirigat inspiriert, schöne Spannungsbögen, prächtige Männerstimmen.

Völlig andere Herausforderungen warten in Leonard Bernsteins „Chichester Psalms“. Jazzige Rhythmen, ständige Taktwechsel, hebräische Originalsprache: Chor und Orchester bleiben beim Meistern auch dieser Schwierigkeitsgrade eine Einheit. Auffallend das auf der Harfe einfühlsam begleitete Altsolo im Psalm 23 „Der Herr ist mein Hirte“ und das Chorsolistenquartett im Psalm 131 „Herr, mein Herz ist nicht hoffärtig“.

Den ersten Teil des Abends bestritt Altistin Solgerd Isalv vom Staatstheater Nürnberg, nach 2015 war sie zum zweiten Mal bei den Kirchenmusiktagen zu Gast — und sorgte abermals für enormes Aufsehen. Brahms’ Alt-Rhapsody gestaltet die Norwegerin mit einer in allen Registern sauberen Stimme ohne störendes Vibrato, die Lautstärke fein nuancierend, dem Orchesterklang jederzeit ebenbürtig. Den dankbaren Chorpart bewältigten die Herren der Kantorei mit ausdrucksvoller Dynamik.

Gustav Mahlers „Kindertotenlieder“ nach Texten Friedrich Rückerts atmen tiefe Melancholie, leise aufkeimende Hoffnung wird immer wieder zunichte gemacht – doch was für eine ergreifende Wiedergabe erlebten nun die Zuhörer in St. Michael. Im letzten Lied „In diesem Wetter, in diesem Braus“ stirbt in fürchterlicher Wucht die Hoffnung endgültig, „sie ruh’n wie in der Mutter Haus“.

Eine ähnliche Grundstimmung verbreiten die biblischen „Jeremiah“Klagelieder von Leonard Bernstein. Das nun mit Blechbläsern verstärkte Orchester verleiht den Liedern dramatischen Applomb im Aufschrei „Wie liegt die Stadt so verlassen“. Auch hier ist Solgerd Isalv eine faszinierende Interpretin, die die enormen stimmlichen Anforderungen souverän meistert. Überragend die Impulsivität und Souveränität, mit der Ingeborg Schilffarth Solistin, Chor und Orchester zu einer Einheit formt.

Begeisterter Beifall für ein Kirchenkonzert, das nicht nur in Fürth Maßstäbe setzte.  

GÜNTER GREB

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