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Stadt steht vor dem Kauf des Park-Hotels

Betrieb endet am 30. September — Kommune plant stattdessen einen neuen Einkaufsschwerpunkt - 17.09.2010 13:00 Uhr

Die gelbe Fassade des Park-Hotels prägt das Stadtbild am Rande der Freiheit. Ob das Gebäude in dieser oder ähnlicher Form erhalten bleibt, müssen die weiteren Planungen zeigen. © Mark Johnston


Wie berichtet, war die Kommune seit längerem brennend am Kauf des markanten Gebäudes gegenüber der Fürther Freiheit interessiert. Nun aber sind die Verhandlungen mit dem Eigentümer, einem geschlossenen Immobilienfonds, nach FN-Informationen zu einem gütlichen Ende gelangt. In der übernächsten Woche soll der Stadtrat das Immobiliengeschäft absegnen.

Über den Kaufpreis schwieg sich Oberbürgermeister Thomas Jung gestern auf Anfrage aus, doch Eingeweihte gehen von zwei bis drei Millionen Euro aus. Eine stolze Summe für die Stadtkasse — und doch geradezu ein Schnäppchen im Vergleich zu der Summe, die Sonae Sierra den bereits vor zwei Jahren verkaufsbereiten Besitzern hinblättern wollte.

Der portugiesische Konzern hatte dem Vernehmen nach damals zwischen vier und fünf Millionen Euro geboten, um sein Konzept für ein modernes Einkaufszentrum unter dem Namen „Neue Mitte“ zu realisieren. Pläne, die bekanntlich im letzten Moment scheiterten.

Dort, wo Sonae Sierra aufhören musste, setzt die Stadtspitze nun wieder an. Der Kommune gehört bereits seit 2007 das ans Hotel angrenzende, ehemalige Modehaus Fiedler, im Juli dieses Jahres konnte sie das gegenüberliegende Wölfel-Areal, mit seinen verschachtelten Hinterhöfen rund 4000 Quadratmeter umfassend, dazukaufen.

Damit hat sich die Stadt nun einen Großteil jener Areale im Zentrum einverleibt, auf denen auch die Portugiesen große Pläne schmiedeten, und wagt sich auf Neuland: Erstmals verfüge man über derart ausgedehnte Flächen in prominentester Innenstadtlage, sagt Jung. Sie bieten die einmalige Chance, den Bereich nach eigenen Vorstellungen zu entwickeln, um der Einkaufslandschaft endlich die erhofften Impulse geben zu können. Sie sind nötiger denn je, weil sich eine rasche Wiederbelebung des schwächelnden City-Centers nicht abzeichnet und nächste Woche nun auch noch das Marktkauf-Warenhaus schließt.

Bundesweite Suche

Im Oktober will die Kommune deshalb den Hotel-Kaufvertrag unter Dach und Fach bringen, danach werde man bundesweit auf die Suche nach einem Investor gehen, an den die Stadt die Liegenschaften weiterverkauft; im Frühjahr soll der Partner gefunden sein. Schon jetzt, so Jung, habe man „Interessenten, von denen wir wissen, dass sie es können“.

Anders als bei der Sonae Sierra-Kette, die von sich aus aktiv geworden war, kann die Stadt diesmal allerdings das Heft des Handelns in der Hand behalten. Will heißen: Fürth macht von Beginn an bauliche und inhaltliche Vorgaben, die der Partner zu befolgen hätte.

Fest steht für den OB bereits jetzt, dass jedwede Einbeziehung der Rudolf-Breitscheid-Straße in ein Einkaufszentrum, mit der Sonae Sierra erbitterten Widerstand provoziert hatte, tabu sein muss; zudem werde die Stadt den Branchenmix weitgehend mitbeeinflussen und vor allem Wert auf in Fürth schmerzlich vermisste Sparten wie Textil und Schuhe legen; die Gestaltung schließlich soll „architektonisch überzeugen“ und denkmalgeschützte Bausubstanz einbeziehen. 15000 Quadratmeter Einkaufsfläche schweben den städtischen Planern vor – 10000 weniger als bei Sonae Sierra. Mit dieser Größenordnung bewegt man sich in einem Bereich, dem erfahrungsgemäß auch die Kritiker von innerstädtischen Einkaufszentren zustimmen können.

Der Flächenschrumpfung wird allerdings – sicher zum Leidwesen vieler — ein Element geopfert, das Sonae Sierra für unverzichtbar hielt: Ein Kino, sagt Jung, sei nicht mehr vertretbar. Alle Kapazitäten müssten dem Einzelhandel zur Verfügung stehen, wolle man den angestrebten großen Wurf schaffen.

  

Wolfgang Händel

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