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Standfestes Fischerhaus glänzt wie neu

Zwei Brüder haben das Anwesen Untere Fischerstraße 6 saniert — Mietwohnungen gingen rasch weg - 19.03.2013 22:00 Uhr

„Unser Vater wäre stolz“: Gerhard (links) und Jan Böhner vor ihrem frisch sanierten Haus mit der Inschrift „Schmidtkunst Fischerei“. © Anestis Aslanidis


„Schmidtkunst Fischerei 1908“ steht in goldenen Buchstaben über dem Portal. Von Ranken und Fischen umrahmt, schmückt die Schrift ein gründlich erneuertes Haus, das nun sechs moderne Wohnungen mit jeweils 60 und eine mit 70 Quadratmetern Fläche bietet. Bis auf eine sind alle vermietet.

„Das Interesse war groß, die Ausstattung und die Innenstadtlage haben überzeugt“, sagt Jan Böhner. Mit seinem Bruder hatte er das Haus vom Vater geerbt, der es unbedingt weiter im Besitz der Familie wissen wollte – ein Wunsch, den beide als Verpflichtung sahen. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis, unser Vater wäre gewiss stolz“, ist sich Jan Böhner sicher.

Aufgrund der räumlichen Nähe war der 42-jährige Ingenieur aus Ingolstadt häufiger in Fürth als sein Bruder, der im Bremerhaven als Schiffslotse arbeitet. Ihnen stand mit dem Architekten Hermann Keim ein Fachmann zur Seite, dem sie für seine einfühlsame Arbeit dankten. Historisch wertvolle Elemente wie Stuckleisten und Verzierungen an den Decken, Türen, Holzböden sowie florale Elemente am Treppengeländer konnten erhalten werden.

Unliebsame Überraschungen 

Allerdings gab es während der Bauzeit auch unliebsame Überraschungen: So wurde Hausschwamm entdeckt, dem eine Decke zum Opfer fiel. Auch eine Wand, die eigentlich stehenbleiben sollte, wurde abgerissen. „Doch auch dafür haben wir gemeinsam Lösungen gefunden“, sagt Gerhard Böhner. Den Terminplan habe man zwar nicht hundertprozentig erfüllen, dafür aber den Kostenrahmen einhalten können. Gut eine halbe Million Euro hat die Eigentümerfamilie in die Sanierung des Fischerhauses investiert.

Für den Erhalt historischer Details und den Mut, ein Projekt wie dieses anzupacken, sprach Stadtbaurat Joachim Krauße den Eigentümern und dem Architekturbüro Keim seine Anerkennung aus. „Es ist schon erstaunlich, was man mit Gebäuden tun kann, die für Laien aussehen, als wären sie abbruchreif“, sagte er. Es sei viel Erfahrung und Feingefühl nötig, wenn man mit einer solchen Bausubstanz zu tun habe. „Man sieht hier, dass es sich lohnen kann, auch bei schwierigsten Bedingungen derartige Projekte anzugehen“, kommentierte Krauße das Ergebnis. Das Interesse der Mieter zeige, dass besonderer Wohnraum in Fürth auch Kundschaft finde.

Bei einem versonnenen Blick aus dem Fenster erfreute sich der Baureferent nicht nur an einem Storchenpaar, sondern auch an den Dächern der Stadt: „Ich sehe bereits mehr sanierte als unsanierte Dächer“, so sein Fazit. Dennoch wäre es ihm lieb, deutlich mehr Mittel zur Verfügung zu haben, um sanierungswillige Eigentümer wie die Brüder Böhner zu unterstützen.

Einst unmittelbar am Fluss

Nur durch einen Zuschuss von 113000 Euro aus Mitteln der Städtebauförderung hatten die überhaupt mit den Arbeiten am Haus beginnen können, das ursprünglich an der Flussaue der Pegnitz stand. Der breiige Boden hätte das dreistöckige Gebäude auf Dauer nicht getragen, erste Risse zeigten sich an den Wänden. An den Kosten für eine neues Fundament wäre das Sanierungsprojekt Fischerhaus beinahe gescheitert. Mit den Mitteln für die notwendige „Gründungssanierung“ war es möglich, fast 30 Stützpfeiler, auf denen die Gebäudelast nun ruht, bis zu sieben Meter tief in den Boden zu pressen.

Ganz abgeschlossen sind die Arbeiten am und im Haus noch nicht. Der Flur bekommt noch seinen Anstrich und der Hof muss neu gestaltet werden. Hier steht noch ein kleines Gebäude, über dessen Sanierungs- und Nutzwert sich die Eigentümer noch nicht ganz im Klaren sind. Doch nach allem, was bereits geschafft ist, sind die Brüder optimistisch, auch dafür eine Lösung zu finden. 

VON ANTJE SEILKOPF

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