Montag, 17.12.2018

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Starkes Damen-Doppel

Jazz und Soul: Anette Askvik und Dorothea Tausch - 12.04.2010

Die Sängerin und E-Bassistin Dorothea Tausch mit ihrer Band »D’Oro». © Joachim Sobczyk


blond und elfengleich die eine, kraushaarig und rundlich die andere - zunächst im BiKuL ihre kurze Nürnberg-Fürth-Tournee eröffneten, verdankt sich allerdings dem Zufall. Kennen gelernt haben sie sich in Coesfeld auf einem Gesangs-Seminar mit dem New Yorker Neil Semer. Nach einem weiteren Zufallstreffen wollten die beiden Sängerinnen dann auch gemeinsam das Publikum erobern.

Im BiKuL machte die 26-jährige Norwegerin beim von »FÜ-Jazz Spezial» organisierten »Vocal Jazz Double Feature» zunächst den Anfang im Duo mit ihrer Pianistin und Gitarristin Julie Falkevik. Anette Askviks helle Stimme wirkt filigran und leichtgängig: Der erste Song erzählt vom Erwachsenwerden, vom Traum zu fliegen und von der plötzlich einsetzenden Angst davor, in einen Abgrund zu stürzen. Die Wirkung entfaltet sich mit der notwendigen Beiläufigkeit und zunehmender Tiefenschärfe, freigesetzt von einer Mädchenstimme, die ohne jedes Kalkül direkt aus der Herzkammer heraus ertönen will.

Ihr musikalischer Bannkreis liegt zwar im Neo-Folk mit Jazzeinflüssen und die Fixsterne der jungen Sängerin heißen beispielsweise Björk, Joni Mitchell oder Hanne Hukkelberg. Doch ihre gelungensten Lieder an diesem Abend sind eigenwillige, stilistisch noch nicht von der Musikindustrie beschwerte, kleine Pop-Kunstwerke wie der »Bird Song» oder der fast schon mitsingverdächtige Titel mit dem soghaften Refrain »What happened to Liberty».

Andere Akkordfolgen und Melodielinien wurzeln ganz und gar in gediegenen Jazz-Standards. Diese unverschraubte Mischung aus traditionellen Folk- und Jazzanleihen mit Avantgarde-Pop ist spannend - und wirkt im mutwilligen Kontrast zum vom Soulfunk der 1980er kräftig angeschobenen Sextett der Nürnberger Sängerin und E-Bassistin Dorothea Tausch.

Originelle Selbstdarstellung

Deren Stärke liegt klar in ihrer originellen Selbstdarstellung, die dem stets aus eigenen Erfahrungen destillierten Songmaterial auch rhythmisch Beine macht. »Man schreibt oft die meisten Lieder über Männer», bekennt Dorothea Tausch in doppeldeutiger Naivität, »denn die sind halt meistens die schönsten.» Ob versonnene Balladen mit knackigem Groove-Kern wie »Two Endings», der im Prog-Rock-Umfeld entstandene, rückübersetzte Titel »Nobody’s Slave» oder auch der in der WG-Küche aus Tischgesprächen zusammengeköchelte Imperativ »Change your Pants»: Dorothea Tausch nimmt kein Blatt vor den Mund und arbeitet mit ihrer mit Klavier, Posaune und Violine, Perkussion und Schlagzeug besetzten Band immer auch für das Stimmungsbarometer.

Den norwegisch-deutschen Sängerinnen-Doppelpack kann man übrigens die nächsten Tage noch mehrfach hören: Am morgigen Dienstag, 13. April, im Nürnberger MUZ-Club ab 20 Uhr oder in der Grünen Halle am nächsten Donnerstag, 15. April, um 18 Uhr. ANJA BARCKHAUSEN 

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