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Tausend Stimmen für Julius Hirsch

Stadt benennt neue Dreifachturnhalle nach dem Meisterkapitän der SpVgg - 28.02.2014 06:00 Uhr

„Starkes Zeichen“: Die neue Dreifachturnhalle soll „Julius-Hirsch-Sportzentrum“ heißen. Auf der Baustelle übergab Thomas Kraus (Mitte) Sportreferent Braun und OB Jung eine Liste mit den Namen von 1102 Unterstützern.

„Starkes Zeichen“: Die neue Dreifachturnhalle soll „Julius-Hirsch-Sportzentrum“ heißen. Auf der Baustelle übergab Thomas Kraus (Mitte) Sportreferent Braun und OB Jung eine Liste mit den Namen von 1102 Unterstützern. © Pfrogner


Die Entscheidung dürfte viele Menschen freuen. Das zumindest lässt eine lange Unterschriftenliste vermuten, die SpVgg-Fan Thomas Kraus vorab Oberbürgermeister Thomas Jung und Sportreferent Markus Braun überreichte. 1102 Personen hatten sie unterzeichnet und so zum Ausdruck gebracht, dass sie sich den Namen wünschen.

Wie berichtet, kam „Juller“ Hirsch vom Karlsruher FV zur SpVgg, die mit ihm vor genau hundert Jahren Deutscher Meister wurde. Im Ersten Weltkrieg riskierte der Nationalspieler und Olympia-Teilnehmer sein Leben in Fronteinsätzen. Im Rang eines Vizefeldwebels wurde er mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. Hirsch lief nach dem Krieg erneut für das Kleeblatt auf und ging dann zurück nach Karlsruhe. Mit dem Nationalsozialismus nahm sein Leben jene furchtbare Wendung, die sich in die Biografien so vieler Menschen jüdischer Abstammung einbrannte: Der Fußballstar wurde ausgegrenzt, entrechtet, ermordet.

Für ein „Julius-Hirsch-Sportzentrum“ in Fürth hatten sich sogar auswärtige Vereine stark gemacht, denen der Deutsche Fußball-Bund bereits den Julius-Hirsch-Preis für ihr Engagement gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus verliehen hat. Der einstige SpVgg-Kapitän „verkörpert mit seiner Leidensgeschichte die brutale Unterdrückung und Vernichtung der deutschen Juden im Nationalsozialismus“, hieß es in einer Mail des Freundeskreises Eichenkreuz Nürnberg und des Gräfenberger Sportbündnisses an OB Jung. Verbunden war der Hinweis auch angesichts aktueller neonazistischer Umtriebe mit dem Appell, „in einer Stadt mit reicher jüdischer Tradition ein starkes Zeichen zu setzen“.

Bei den Stadträten stieß der tausendfache Wunsch auf Gegenliebe. Dass es überhaupt zu einem Wortwechsel kam, war einem Gegenvorschlag geschuldet. Die Freien Wähler wollten die Halle nach Ex-US-Außenminister Henry Kissinger benennen, großer jüdischer Sohn der Stadt und Kleeblattfan. Doch Kissinger ist Ehrenbürger Fürths, die Stadt hat ihm einen Platz gewidmet, und als Sportler hat er sich keinen Namen gemacht. Die Vertreterin der Freien Wähler räumte ein, mit Hirsch habe man einen „sehr kompetenten Menschen“ gefunden, und zog ihren Antrag zurück.

Unklar ist, ob es bei zwölf Millionen Euro Baukosten für die Halle bleibt. Steigende Materialpreise haben laut Baureferent Joachim Krauße zur Folge, dass das Membrandach samt Stahlkonstruktion 440000 Euro teurer wird. Wegen Einsparungen an anderer Stelle befinde man sich, so Jung, aber noch bei „plus minus Null“.

 

Birgit Heidingsfelder

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