Dienstag, 19.02.2019

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Verborgene Grundmauern am Martinsdenkmal entdeckt

Die Fürther Arbeitsgruppe Archäologie hat bei Untersuchungen im Rednitzgrund eine merkwürdige Struktur aufgespürt - 19.08.2009

Mit dem Magnetometer misst der Geologe Markus Tarasconi auf dem Kapellenanger lokal begrenzte Abweichungen des natürlichen Erdmagnetfeldes. Gesucht: die Reste der Martinskapelle als Fürther Urkirche. Im Hintergrund die Altstadtkirche St. Michael. © Werner


Ob es sich um die im Boden verborgenen Reste der Martinskapelle handelt, die der Legende nach Karl der Große auf seiner historischen Schiffsreise auf der Rednitz vom Karlsgraben bei Treuchtlingen nach Würzburg gestiftet hatte, oder gar um ein zum sagenhaften Königshof gehörendes Gebäude, steht allerdings noch nicht fest.

Bereits der frühere Altstadtvereinschef und jetzige Stadtheimatpfleger Alexander Mayer hatte aufgrund von Satellitenbildern vor Jahren die Vermutung geäußert, dass die aus großer Höhe erkennbaren Bodenstrukturen auf frühe Besiedlung hindeuten können. Jetzt orientiert sich die von Mayers Nachfolger Thomas Werner geleitete Arbeitsgruppe am Erdmagnetfeld. Eingriffe des Menschen führen immer zu Veränderungen der gleichförmigen Magnetstruktur. Rechteckige Strukturen wiederum sind Indizien für ehemalige Gebäude.

15 Meter westlich des 1983 vom Lions Club Fürth wieder hergerichteten Martinsdenkmals zeigte sich bei der geophysikalischen Untersuchung eine 18 mal acht Meter lange Grundstruktur, die nur in einem Bereich stark gestört ist.

Auffällige Übereinstimmung

Die Länge deckt sich in etwa mit dem Ergebnis einer 1843 von der Stadt angestellten Untersuchung, bei der an dieser Stelle ein 55 Fuß langes Gebäude geortet worden war. Aufschlussreich könnte eine Ausgrabung sein: Würden dabei Sandsteine mit Zangenlöchern zu Tage gefördert, ließe sich das als Hinweis auf die Martinskapelle deuten, wie sie der Kupferstecher Johann Alexander Boehner im Bild überliefert hat. Allerdings zieht Thomas Werner auch eine Mühle an einem ehemaligen Seitenarm der Rednitz in Erwägung.

Einziges Problem ist der hohe Grundwasserspiegel. Werner: «Nach 50 Zentimetern landen wir im Schlamm.» Hinweise auf eine frühere Untersuchung aus dem Jahr 1788 finden sich in der Fronmüller-Chronik von 1871. Der Chronist beschreibt den Fund der Gruft des am 6. Juli 1373 verstorbenen Stadtpfarrers Ulrich Centgräf. Der Grabstein soll ins Fundament der Grundschule am Kirchenplatz eingemauert worden sein.

1789 hat der Kartograph Saueracker – vermutlich aufgrund der Untersuchung – eine Kapellenruine in seinem Stadtplan verzeichnet. Werner bezweifelt jedoch, dass es sich bei der Ruine des ehemaligen Gebäudes, von dem schon Pfarrer Carl Friedrich Lochner annahm, dass es sich um die Reste der Martinskapelle handelt, deren Abbruch er 1679 beantragte, tatsächlich um einen Sakralbau handelt. Schließlich seien die gewöhnlich in Ost-West-Richtung mit nach Osten gelegener Apsis (Altarraum) angelegt worden.

Irrtum in der Rede

Die jetzt gefunden Grundrisse weichen jedoch um 45 Grad davon ab und sind in Nordwestrichtung angelegt. «Vielleicht handelt es sich bei der auf der Fronmüllerchronik basierenden Rede von der Martinskapelle um einen Irrtum», vermutet Werner. Zwar deutet die Gruft eines Kirchenmannes auf eine Kapelle hin, doch es wurden bei historischen Grabungen auch Gebeine nicht ordentlich bestatteter Körper entdeckt.

Kapelle oder Mühle: wenn es sich um ein Gebäude aus Stein handelt, hatte es nach dem Urteil des Archäologen jedenfalls eine ganz besondere Funktion. Darauf deutet auch ein bei der geophysikalischen Untersuchung gefundener Zufahrtsweg hin. Für eine Kaiserpfalz oder einen Königshof müssten laut Werner jedoch noch mehr Gebäude errichtet worden sein. Immerhin zeigt sich bei den neuen Untersuchungen: «Da war mal was.»

Bislang wurde am Martinsdenkmal nur ein Feld von 200 Metern in ostwestlicher Richtung und 100 Metern in nordsüdlicher Richtung analysiert. Zusätzliche Aufschlüsse erhoffen sich die Archäologen von einer Ausdehnung des Untersuchungsbereichs

Präzise Ortung

Die am Martinsdenmal vorgenommene Bodenuntersuchung mit dem Magnetometer hat neben dem geringen Zeitaufwand den Vorteil, dass der Befund – anders als bei Ausgrabungen – vollständig erhalten bleibt. Durch Einmessen der festgestellten Abweichungen des Erdmagnetfeldes auf das amtliche Koodinatennetz ist zudem eine sehr präzise Ortung möglich.

Starke magnetische Strahlung im Bereich des Denkmals deutet nach Werners Vermutung auf im Boden verborgene Bombensplitter aus dem letzten Krieg oder Kronkorken von Bierflaschen durstiger Besucher hin. 

Volker Dittmar

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