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Versteckten Strahlenquellen auf der Spur

Die Fürtherin Helga Krause sieht in der Zunahme der Mobilfunkantennen eine Gefahr für Menschen - 09.04.2013 11:00 Uhr

In der Fürther Innenstadt gibt es schon genügend Funkmasten. Hier misst Helga Krause (BN) Mobilfunkstrahlen. Im Hintergrund sind als Schornsteine getarnte Mobilfunkantennen auf dem Dach des Altbaus Mathildenstraße 8 zu sehen. © Hans-Joachim Winckler


„Manchmal bekommt das dicke Fell schon die Motten“, beschreibt die 66-Jährige ihre Stimmungslage, wenn sie sich an eine Veranstaltung mit Fürther Realschülern erinnert. Von ihnen wollte sie wissen, was sie tun würden, wenn sie erkennen müssten, dass Mobilfunk krank macht. Krause: „60 Prozent sagten mir, sie hielten an ihren Gewohnheiten fest, denn sie könnten ohne ihr Handy schon nicht mehr leben.“

13 Jahre schon setzt sich die Fürtherin, die seit 1982 im Bund Naturschutz aktiv ist, mit der Strahlenproblematik auseinander. Ein hochempfindliches Messgerät, das eine auf Elektrosmog-Analyse spezialisierte Langenzenner Firma zur Verfügung gestellt hat, ermöglicht ihr das Orten und Klassifizieren unterschiedlichster Strahlenquellen. Und die haben sich nach ihren Erkenntnissen stark vermehrt: Waren es im Stadtgebiet vor zehn Jahren noch 40 Antennenstandorte, seien es jetzt bereits 70, wobei viele, wie die auf den Dächern des Wöhrl-Kaufhauses, des Sparkassen-Hochhauses und des Wohnheims am Klinikum, mehrfach genutzt würden.

Für sehr bedenklich hält es Krause, dass die Frage nach der Strahlenbelastung bei neuen Wohnprojekten, etwa bei der historischen Central-Garage in der Mathildenstraße oder beim Block mit 251 Wohnungen an der Waldstraße, nicht mehr gestellt wird. Dabei befinden sich in unmittelbarer Nähe beider Adressen Antennen – versteckt in Schornstein-Attrappen. Doch Krauses Messgerät kann die perfekte Tarnung nicht täuschen.

Elf Standorte von 19 „Mimikry-Schornsteinen“ hat sie ausgemacht: Drei stehen in der Badstraße 18, zwei in der Erlanger Straße 69, zwei in der Flößaustraße 165, zwei samt Versorgungseinheit in der Hirschenstraße 3, einer in der Karlstraße 14, einer in der Königstraße 85, zwei auf dem Bunker Kronacher Straße 22, zwei in der Mathildenstraße 8, einer am Obstmarkt 1, einer in der Simonstraße 62 und zwei in der Waldstraße 49.

Hinzu kommen zahlreiche ungetarnte Standorte – manche als regelrechte Antennenwälder ausgeprägt. In der Frage, was als sensibler Standort eingestuft werden soll, gehen die Meinungen weit auseinander. So hält Krause im Gegensatz zum Ordnungsamt etwa das Wohnheim am Klinikum – auch im Hinblick auf die nahe Kinderklinik – für problematisch. Der runde Tisch, an dem Vertreter der Mobilfunkanbieter, Stadt und Kritiker früher über sensible Standorte diskutierten, ist seit Jahren verwaist.

Eine der stärksten Strahlenquellen hat die Fachfrau auf dem Lagerhaus am Burgfarrnbacher Bahnhof ausgemacht. Krause: „Sie ist so stark, dass ich einen Dämpfer am Messgerät anbringen muss, um überhaupt einen Wert ermitteln zu können.“ Weil sie den Sicherheitsabstand zu benachbarten Wohngebäuden nicht gewahrt sieht, hat sich Krause bereits an die Bundesnetzagentur gewandt. Eine Antwort steht noch aus.

Zudem geht der technische Fortschritt mit immer neuen Funkfrequenzen einher. Gerade wird am umstrittenen Behördenfunk Tetra gebastelt. Antennen sind bereits auf der Alten Veste und in der Polizeiinspektion an der Kapellenstraße installiert. Probleme bereitet auch der Internet-

Beschleuniger LTE, da er Mikrofonanlagen bei öffentlichen Veranstaltungen stören kann. Unter dem Titel „Was funkt denn da?“ bietet Helga Krause am 12. Juli und am 14. September Stadtführungen an, bei denen sie die verschiedenen Funkanwendungen an Ort und Stelle erklären will.

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VON VOLKER DITTMAR

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