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Wahl: Fürther Politiker zwischen Freudentaumel und Entsetzen

Die Grünen feiern, die CSU hadert und die SPD zeigt sich einfach nur entsetzt - 14.10.2018 22:26 Uhr

Jubel bei den Fürther Grünen, die sich im Babylon zum Feiern versammelt haben. Kandidatin Barabara Fuchs brach bei der hohen Prognose in freudigen Applaus aus. © Thomas Scherer


Die CSU hat im Stimmkreis Fürth-Stadt mit 35,5 Prozent ihre absolute Mehrheit verloren, die Grünen werden zweitstärkste Partei im Landtag. Die SPD stürzte auf ein Rekordtief von 13,5 Prozent. Die AfD erreichten 10,2 Prozent, Umfragen hatten ihnen zunächst ein deutlich besseres Ergebnis zugesichert. 

Die genauen Ergebnisse für die Kandidaten für den Stimmkreis Fürth-Stadt finden Sie hier.

Nach der ersten Prognose um 18 Uhr gaben Politiker aus Fürth und dem Umkreis Statements zu den Ergebnissen ihrer Partei ab: 

CSU: 35,5 Prozent (2013: 40,4)

Die Landtagsabgeordnete (MdL) Petra Guttenberger (CSU) bedankte sich zunächst bei den Wählern und Wahlkämpfern, schlug aber schnell einsichtige Töne an: „35 Prozent können einen nicht zufriedenstellen. In den nächsten Tagen müssen wir nachjustieren, was passiert ist.“ Vor allem den Streit der Großen Koalition in Berlin sah Guttenberger als Grund für die eingebüßten Stimmen. Dieser stieß auf viel Unmut bei den Wählern, davon seien laut der CSU-Politikerin die bayernspezifischen Themen der Partei überschattet worden. „Wir kamen nicht mehr an wählende Bayern heran. Wir haben jetzt viel Luft nach oben.“ 

SPD: 13,5 Prozent (2013: 27,5)

Horst Arnold, MdL und stellvertretender Vorsitzender der bayerischen SPD-Landtagsfraktion, zeigte sich regelrecht bestürzt vom Absturz seiner Partei: „Das Ergebnis der SPD ist nahezu erschütternd, damit haben wir nicht gerechnet. Jetzt gilt es, die Ursachen zu erforschen.“ Ein kleiner Trost war für Arnold das schlechte Abschneiden der CSU. Immerhin würden auch andere Parteien leiden, sagte der Parlamentarier. Horst Seehofer sagte er einen Abschied aus der Politik voraus, da die Schuldzuweisungen innerhalb der CSU in eine deutliche Richtung gingen. „Die SPD wird sich noch Zeit damit lassen, personelle Veränderungen vorzunehmen. Die Fürther SPD war ohnehin immer schon anders als der Rest in Bayern.“

Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung tat offen sein Entsetzen kund. „Das ist ein wirklich deprimierender und schlimmer Abend, den ich heute erleben muss. Ich erinnere mich an eigene Landtagswahlkämpfe, ein Direktmandat war damals kein Problem.“ Dass ein Wahlabend für seine Partei je so enden könnte, war für ihn bis zum Sonntag unvorstellbar.

Freie Wähler: 5,7 Prozent (2013: 4,7)

„Wir sind zufrieden mit dem Ergebnis“, sagte Stephan Beck, Direktkandidat der Freien Wähler aus Stein. Er hat sich angesichts der Zahlen spontan entschlossen, zur Wahlparty seiner Partei zu gehen, statt den Abend zuhause vor dem Fernseher zu verbringen. „Alles, was besser ist als die SPD, ist für uns ein riesengroßer Erfolg“, sagte er. „Ich könnte mir durchaus vorstellen, mit der CSU zusammenzugehen.“ Entscheidend sei für ihn hierbei der Wegfall der Kindergartengebühr.

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Wechselbad der Gefühle: Fürther Parteien zwischen Entsetzen und Jubel

Während die Stimmung bei den Fürther Grünen ob des guten Wahlergebnisses förmlich überschwappte, blickte man bei CSU und SPD in eher betrübte Gesichter.


Die Grünen: 20,19 Prozent (2013: 10,5)

Barbara Fuchs, Direktkandidatin der Grünen in Fürth, strahlte über das ganze Gesicht: „Heute wusste man irgendwie nicht so recht, was jetzt kommt. Ich bin stolz auf uns und unsere Arbeit hier in Fürth. Wir werden unser Wahlziel in Bayern mit Sicherheit erreichen.“ Sehr lange habe die Partei darauf hingearbeitet, erzählte Fuchs. Die Partei habe Anliegen, die absolut auf landesweiter Ebene gut aufgehoben seien. Zum Beispiel wollen sie eine „Stimme für kleinere Betriebe und Handwerksbetriebe sein“, aber auch „die Ausbildung von jungen Leuten, die Wertschätzung dualer Ausbildungen“ fördern. „Auch Ausbildungsberufe und Handwerker sollen wieder mehr in den Fokus rücken und Wertschätzung erfahren“, ergänzte Fuchs. „Eine Koalition ist dann natürlich davon abhängig, wie andere Parteien abschneiden. Wir sind bereit für Gespräche, werden von unseren Werten und Überzeugungen aber nicht abweichen. Markus Söder muss sich bewegen, sich wandeln. Für ihn existieren die Grünen und der Rest der Opposition noch nicht.“

AfD: 10,2 Prozent 

Gute Laune herrschte hingegen bei der AfD: Der Zirndorfer Claus-Georg Pleyer hat dank der bayernweit erreichten 10,6 Prozent sehr realistische Chancen, über die Liste in den Landtag einzuziehen. "Aus dem Stand zweistellig, das ist doch ein super Ergebnis", freute er sich.

FDP: 4,7 Prozent (2013: 3,5)

Der Fürther FDP-Kandidat Stephan Eichmann hatte sich ein besseres Ergebnis gewünscht: „Es wird eine Zitterpartie. In den Umfragen der vergangenen Wochen haben wir kontinuierlich verloren, die Grünen im gleichen Zeitraum zugelegt. Wir müssen analysieren, was die besser gemacht haben als wir.“ 

Die Linke: 5,9 Prozent (2013: 4,2)

Niklas Haupt, Spitzenkandidat der Linken, machte aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. „Nach den letzten Wochen war die Hoffnung groß, die Umfragen waren besser. Wir wollten Wunder schaffen und in den Landtag einziehen.“ Dass die AfD sogar zweistellige Werte erreicht hat, sah er als Ansporn. „Trotz des gesellschaftlichen Rechtsdrucks gelang es uns, die Stimmen fast zu verdoppeln.“ Obwohl die Linke nicht in den Landtag einziehen, habe sie den Mut, außerparlamentarisch wichtige Beiträge zu leisten, so Haupt. „Wir werden weiter gegen Rassismus und gegen Altersarmut kämpfen.“

Die Wahlbeteiligung lag bei rund 72,5 Prozent. (Stand: 22.24 Uhr)

  

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