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Wanderreporterin besucht Veitsbronner Notbunker

Schutzraum aus Lehm - Platz für bis zu 20 Personen - 28.08.2017 21:11 Uhr

Alfred Strunz vom Geschichts- und Heimatverein Veitsbronn zeigte Wanderreporterin Viola Bernlocher den historischen Bunker. © Viola Bernlocher


Ein kratziges Rauschen dröhnt vom Himmel über Veitsbronn, das Flugzeug schwingt sich langsam weiter empor, steigt über die flauschigen Wattewolken. Veitsbronn (Landkreis Fürth) liegt in der Ein- und Ausflugschneise des Nürnberger Flughafens.

Auch wenn der Flughafen früher anderswo war, war das schon immer so. Besonders im Zweiten Weltkrieg war Veitsbronn zwar kein Ziel für die Bomber, die ihre todbringende Fracht über Nürnberg abluden, aber doch genau in dieser Ein- und Ausflugschneise. 

+++ Live-Blog zum Nachlesen: So war Violas erster Tag als Wanderreporterin +++

Was an Bomben noch im Bauch der Flieger schlummerte, wurde so ab und an auch über und um die Stadt im Zenngrund abgeladen. Ein ganzer Straßenzug fiel in Veitsbronn den Bomben zum Opfer, bis zu 200-mal heulte die Alarmsirene durch den Ort. 

Ein weitaus markanteres Relikt dieses Kriegsgeschehens findet sich aber heute noch am Tuchenbacher Ortsausgang. Damals, 1942, gruben Familien sich eigene primitive Erdbunker, um bei Fliegeralarm zumindest halbwegs vor den Splittern der Bomben geschützt zu sein. 

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Mehrere Wochen wühlten sie sich in den dicken, von Wurzeln durchzogenen Lehmboden. Oft taten sich mehrere Familien zusammen, denn bis zu 20 Personen fanden darin Platz. 

Sieben solcher Bunker sind in Veitsbronn noch bekannt; die meisten wurden nach dem Krieg zugeschüttet, einen einzigen aber hat der Geschichts- und Heimatverein um Alfred Strunz wieder freigelegt. Ein Gitter schützt den Eingang heute vor unbefugtem Betreten, denn den heutigen Sicherheitsvorschriften genügt das Behelfsbauwerk freilich längst nicht mehr. 

Strunz kennt die Bunker noch aus seiner Kindheit und Jugend: "Als Kinder haben wir da natürlich drin gespielt", erzählt der 59-Jährige. Mit Geldern der Leader-Förderung der Europäischen Union haben Verein und Gemeinde in den vergangenen Jahren einen Eingang aus Beton vorgebaut, der einen Blick ins Innere erlaubt. 

Eine Hinweistafel berichtet von dieser dunklen Zeit, als die Bunker in Betrieb waren. Auch heute noch leben Zeitzeugen, die in den Bunkern ausharren mussten, oder sogar am Bau beteiligt waren. Die stehen dem Projekt von Strunz wohlwollend gegenüber, schließlich sorgt er so dafür, dass dieses traurige Kapitel Veitsbronner Geschichte nicht im Dunkel der Geschichte verschwindet.  

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