Montag, 17.12.2018

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Wasserschloss ist aufgetaucht

Reste eines bedeutenden Baudenkmals bei Bauarbeiten in Bislohe entdeckt - 08.09.2012 16:00 Uhr

Eine kleine Sensation ist das Entdecken der Überreste der historischen Wasserburg von Bislohe. Die freigelegten Grundmauern (mit dem erhaltenen Teil des Herrensitzes dahinter) bestätigen Rekonstruktionsskizzen aus den 1960er Jahren. © Mayer


Ganz überraschend ist der Fund zwar nicht, da der Historiker Helmut Mahr bereits 1963 den ehemaligen Bisloher Herrensitz in den Fürther Heimatblättern ausführlich beschrieben hatte. Allerdings konnte er damals anhand des erhaltenen Gebäudes in der Bisloher Hauptstraße 6 nur ahnen, was sich daneben noch alles im Boden befindet. Als Sensation wertet es Stadtheimatpfleger Alexander Mayer deshalb, dass sich Mahrs Annahmen, die auch in Skizzen ihren Niederschlag gefunden haben, nun bis ins Detail bestätigten.

Auf dem Bauglände nimmt Stadtheimatpfleger Alexander Mayer (rechts) den Sockel einer Steinsäule unter die Lupe. © De Geare


Wasserschlösser oder Weiherhäuser waren früher keine Seltenheit. In großer Zahl umgaben sie als vorgeschobene Festungen Nürnberg. Erhalten ist im Fürther Raum keines mehr. Das alte Burgfarrnbacher Wasserschloss musste dem klassizistischem Neubau weichen. Das Vacher Schlösschen ist wie auch das in Steinach ebenfalls nicht mehr in seiner Ursprungsgestalt erhalten.

Umso eindrucksvoller, dass bei den Vorbereitungen für den Neubau neben dem erhaltenen Teil des Bisloher Herrensitzes und neben den Grundmauern des Turmes auch die Einfassungen des Wassergrabens freigelegt werden konnten. Die Kosten für die vom Landesamt für Denkmalpflege begleitete Ausgrabung in Höhe von 8000 Euro musste der Bauherr tragen. Ob es einen Zuschuss gibt, steht laut Mayer noch nicht fest. Der Heimatpfleger bedauert, dass keine Zeit mehr blieb, um die Fürther Archäologen zum Zug kommen zu lassen. Am Dienstag erst war Mayer vom Fund informiert worden und gestern Mittag war das Areal bereits wieder zugeschüttet. Im Boden wird der Fund allerdings weiter schlummern - und vielleicht in ferner Zukunft einmal genauer unter die Lupe genommen werden können.

Die exponierte Lage wurde dem 1503 erstmals erwähnten „Sitzlein“ von Bislohe rasch zum Verhängnis. Immer wieder wurde es zerstört: 1552 bereits im Markgräflichen Krieg, 1632 dann im Dreißigjährigen Krieg. Der Nürnberger Bürger Sebolt Bühler wie die Familie Schwab hatten als Besitzer wohl keine rechte Freude an dem Rittersitz. Zuletzt 1784 rekonstruiert, diente es um 1800 im Kampf der Reichsarmeen mit französischen Truppen als Militärquartier und Aussichtspunkt. Als die Soldaten endlich abzogen, war der Zustand des Gebäudes so desolat, dass es die Patrizierfamilie von Haller als damaliger Besitzer stückweise verkaufte. Im ehemaligen Schloss wurde eine Gastwirtschaft eingerichtet, die 1909 abbrannte. Brandspuren fanden sich auch an den jetzt ausgegrabenen Grundmauern aus Sandstein.

  

Volker Dittmar

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