Donnerstag, 15.11.2018

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Wiedergeburt eines Fürther Bieres

Im Oktober kommt „Grüner“ zurück auf den Markt — Originalrezept diente als Vorlage - 21.09.2011 09:00 Uhr

Vorfreude auf die Grüner-Rückkehr: Peter Heßler (li.) und Helmut Ell haben ihr Scherflein dazu beigetragen. © hjw


Die Zügel fest in der Hand, lenkt der Kutscher zwei Gäule aus dem offenen Tor. Sein Wagen ächzt unter der Last der Bierfässer. Über der Einfahrt prangt in großen Lettern „Grüner Bräu“.

Das Ölgemälde, das diese Szene zeigt, hing jahrelang im alten Schalander der Tucher Bräu – bis es Brauerei-Chef Fred Höfler im Frühjahr verschenkte. Der Anlass: die Wiedereröffnung des Gelben Löwen in der Gustavstraße.

Bei den drei neuen Wirtsleuten der Fürther Traditionsgaststätte war die Freude groß, zumal zwei von ihnen in der Nähe der früheren Grüner Bräu in der Innenstadt groß geworden sind. Dem Tucher-Chef schwärmten sie von den goldenen Zeiten Fürther Braukunst vor. „Das müsstet ihr halt mal wieder auflegen“, rieben sie Höfler unter die Nase. Da viele Brauereien der Kleeblattstadt in der Patrizier Bräu aufgegangen waren und diese später in der Tucher AG, hält die Großbrauerei heute die Markenrechte an Grüner und Co.

Bei Tucher-Chef Höfler machte es klick. Hatte man nicht 2009 beim Auszug aus dem Brauereigelände an der Schwabacher Straße alte Sudbücher gefunden? Die Rezepte waren also noch da. Höfler, geboren in Fürth, begann voranzutreiben, was er eine „Reminiszenz an meine Heimatstadt“ nennt. Inzwischen steht die Wiedergeburt von Grüner kurz bevor.

Ende September will Tucher es offiziell präsentieren – im alten Keller der Grüner Bräu unter dem Klinikum. „Das Bier wird es im 30-Liter-Fass und im Kasten geben“, kündigt Höfler an. Nach der Kirchweih kann man es in Fürther Getränkemärkten und in ausgewählten Gaststätten kaufen. In welchen, das steht laut Höfler noch nicht fest.

„Bekömmlich“ ist verboten

Mit dem Bier kommt auch das alte Logo wieder. Gläser und Kästen werden im „Retro-Design“ gestaltet. Nur den Werbespruch musste Tucher verändern. „Beliebt, bekannt, bekömmlich“, hieß es, bis der Brauereibetrieb 1977 eingestellt worden ist. Noch heute steht der Spruch als großflächige Werbung auf einer Hauswand in der Ludwigstraße. Und so ließ es Tucher auch im Sommer auf 4000 Bierkästen drucken – die inzwischen allesamt vernichtet werden mussten.

Der Grund: Getränke mit einem Alkoholgehalt von mehr als 1,2 Prozent darf man heutzutage nicht mehr mit Worten wie „bekömmlich“ bewerben. Darauf gestoßen wurde Tucher vom Würzburger Ordnungsamt. Die Behörde hatte das Wort „bekömmlich“ unlängst auf dem Etikett einer anderen Biermarke der Tucher AG bemängelt. Höfler ließ 4000 Grüner-Kästen schreddern. „Bedauerlich, aber das bringt uns nicht um“, sagt er. Der neue Werbespruch lautet: beliebt, bekannt, begehrt.

Was kaum jemand weiß: Tucher vertreibt längst eine weitere Fürther Traditionsmarke. Das Humbser-Bier gibt es jedoch nicht in Gaststätten, sondern lediglich im Handel – und das für 7,99 Euro ziemlich günstig. „Wir bewerben Humbser nicht“, sagt Höfler. Ganz im Gegensatz zum neuen Grüner sei es von der Qualität her „nicht besonders exponiert“.

Und wie schmeckt Grüner? „Es ist auf jeden Fall extrem süffig“, betont Höfler. Ein helles Bier, etwas schwächer gehopft, mit einer Spur weniger Kohlensäure – so wie man vor 40 Jahren noch gebraut hat. Eben anders als heutzutage, so Höfler, wo „viele Biere austauschbar“ seien. Grüner sei anders, daher werde es wohl nicht jedem schmecken. „Ich bin aber zuversichtlich, dass es dafür einen Markt gibt.“

Peter Heßler, Wirt im Gelben Löwen, findet das neue Bier jedenfalls „ganz fantastisch“. Gemeinsam mit seinen Kompagnons Susanne Dresel und Helmut Ell durfte er es bereits verkosten – und nicht nur das. „Wir wurden zu Tucher eingeladen, wo wir fünf Varianten probieren sollten“, erzählt Heßler. Die Crew vom Gelben Löwen war sich schnell einig: Bier Nummer eins musste es sein. Tucher folgte der Empfehlung. Dass im Löwen bald Grüner-Bier fließen wird, gilt als ausgemacht.

„Es ist schon Wahnsinn, dass ein paar lokalpatriotische Enthusiasten einen Konzern zu so etwas bewegen konnten“, schwärmt Heßler, der die Verkostung bei Tucher als eine Zeitreise ins Fürth vor 40 Jahren bezeichnet. „Das war“, sagt er, „ein wirklich mystischer Moment.“

  

Johannes Alles

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