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Zeuge der Eisenbahngeschichte verschwindet

Das alte Stellwerksgebäude an der Ottostraße weicht der S-Bahn - Hoffnung für historischen Lokschuppen - 04.03.2010

Der letzte Akt: Das alte Stellwerk am früheren Bahnübergang Ottostraße wird im Zuge des S-Bahn-Baus dem Erdboden gleichgemacht. © Thomas Voigt


Das nach Angaben von Stadtheimatpfleger Alexander Mayer um 1890 errichtete Gebäude stand nicht unter Denkmalschutz. Wie eine Bahnsprecherin auf Anfrage der Fürther Nachrichten mitteilte, wurde es bereits Anfang der 70er Jahre außer Betrieb gesetzt. Seine Funktion übernahm ein neues Stellwerk am Güterbahnhof. Auch dieses hat inzwischen ausgedient, denn im September vergangenen Jahres wurde ein neues elektronisches Stellwerk in einem schmucklosen Fertigbau an der Gebhardtstraße eingeweiht.

Im historischen Backsteinbau an der Ottostraße war laut Bahn bis 2009 nur noch ein Schrankenwärter tätig. Die Medienwerkstatt Franken hatte dem letzten seiner Art in Fürth sogar einen Film gewidmet. Die elektronisch gesteuerten Schranken hatten ihren Dienst allerdings schon 2008 eingestellt, weil der Bahnübergang geschlossen wurde.

Ein Präzedenzfall

Vergeblich hatte sich lange im Vorfeld der Stadtheimatpfleger für den Erhalt des alten Stellwerks eingesetzt. Mayer hatte das Schicksal des ältesten deutschen Bahnwärterhäuschens an der Stadtgrenze vor Augen, das 1967 im Zuge des U-Bahn-Baus abgerissen wurde, «in überflüssiger Weise», wie Mayer meint. Denn der Standort am U-Bahnhof Stadtgrenze sei bis heute nicht bebaut worden.

Heute könnte das kleine Sandsteinhäuschen aus dem Jahre 1834 nach Mayers Einschätzung ein Aushängeschild der Fürther Eisenbahngeschichte sein. Stattdessen wird auf der Fürther Freiheit der hier 1922 stillgelegte und 1938 von den Nationalsozialisten für ein Aufmarschgelände abgerissene Ludwigsbahnhof in einem Großmodell nachempfunden.

Nicht weit vom verschwundenen Bahnwärterhäuschen entfernt verfällt noch immer der historische Lokschuppen aus dem Jahre 1860. Bislang hat sich die Bahn hartnäckig allen Auflagen zum Erhalt des Baudenkmals widersetzt. Wegen der ungünstigen Lage auf einem schmalem Grundstück am Gleiskörper und der hohen Sanierungskosten fand sich bislang auch kein privater Käufer.

Doch nun zeichnet sich laut Mayer eine Lösung ab. Die Bahn sei bereit, das historische Ensemble der Stadt zu überlassen. Nur mit Hilfe der Bahn könne die Stadt allerdings die Sanierung stemmen. Der Zugang könnte nach den Vorstellungen des Stadtheimatpflegers mit einer Unterführung der erhöhten U-Bahn-Station Stadtgrenze geschaffen werden.

In dem alten Sandstein-Schuppen waren nach Mayers Recherchen einst zwei bis vier Rangierloks für den Verkehr zwischen der Ludwigseisenbahn und der Ludwig-Nord-Süd-Bahn untergestellt. Obwohl der Verfall des Daches bereits weit fortgeschritten ist, sieht es für die Bausubstanz noch nicht hoffnungslos aus.

Sorgenvoll betrachten die Denkmalschützer allerdings die Entwicklung des Hauptbahnhof-Empfangsgebäudes. Die Bahn selbst benötigt den 1863 begonnenen klassizistischen Sandsteinbau nicht mehr. An den Sanierungskosten und der Geräuschkulisse des Schienenverkehrs scheiterten bislang Verkaufsbemühungen. Zu den neuen Nutzungsplänen gehört ein Einkaufszentrum. Doch der Stadtheimatpfleger macht klar: «Die bisherigen Pläne finden nicht die Zustimmung der Denkmalpflege.» 

Volker Dittmar

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