Donnerstag, 13.12.2018

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Bis zu elf Brauereien gab es in Gunzenhausen

Aus dem Jahrbuch „Alt-Gunzenhausen“ des Vereins für Heimatkunde - 28.12.2012 15:35 Uhr

Das frühere Gasthaus Röschel (mit Brauerei im Hintergrund). Heute stehen dort die Sparkasse („Bürgerstube“) und rechts der E. Riedel-Verlag (früher Gasthaus Buchholzer).


Dass es einstmals bis zu elf Braustätten in der Stadt gegeben hat, das stellt Lothar Hiemeyer in seinem Beitrag in „Alt-Gunzenhausen" fest. Die ersten Brauereien werden bereits 1460 in einem Stadtrechnungsbuch erwähnt.

Den Hinweis auf die Braustätten liefern die sogenannten Umgeld-Zahlungen der Brauer, wenn man so will, die erste Form von Getränkesteuer. Klar, dass sich das Brauen nicht die „geringen Leute" leisten konnten, sondern eher die wohlhabenden und begüterten Bürger. Kaiser Wenzel hatte 1388 die Getränkesteuer erstmals verliehen, das heißt, dass damals die Burggrafen von Nürnberg in ihren Landen ein Umgeld als eigene Steuerquelle erheben durften. Basis der Steuererhebung war übrigens der „Eimer". Im Fürstentum Ansbach waren das 64 Liter. 1665 wurde die Steuer nach dem verbrauchten Malz bemessen. Schon damals brachte der Appell an die Ehrlichkeit der Wirte wenig, denn der Hofrat erließ die ersten Kontrollbestimmungen.

Um 1760 gab es in Gunzenhausen nach den Forschungen von Lothar Hiemeyer (der Autor ist in Gunzenhausen aufgewachsen und war viele Jahrzehnte Prokurist bei Huber & Riedel in Würzburg, wo er heute noch lebt) sieben Braustätten. Dass der Verbrauch (wohl aber mehr die Biersteuer) zurückging, das gefiel dem Markgrafen Johann Friedrich gar nicht, denn er verließ 1679 die Anordnung, ein herrschaftliches Brauhaus zu bauen. Der „Bierbann" galt elf Ortschaften aus der engeren Umgebung der Stadt. Sie mussten das Bier ausschließlich aus der markgräflichen Brauerei beziehen. Überliefert ist, dass 1744 die Braustätte von der Stadt übernommen wurde, die bald darauf den Betrieb einstellte.

Die Brauereien des Jahres 1751 waren die Posthalterei in der Bahnhofstraße 7 (heute: Hotel „Post"), der Gasthof „Zum Blauen Wolf" am Marktplatz 9, die Adler-Brauerei am Marktplatz 10 (heute: Gasthof und Hotel „Adlerbräu"), die Kronen-Bräu am Marktplatz 29 (heute: Drogerie Neidhardt), die Sonnen-Braustätte am Marktplatz 27 (heute: Foto-Braun), die Engel-Bräu am Marktplatz 33 (heute: kik-Textilien), das „Stotzeneck"/Brauerei Röschel am Marktplatz 45 (heute: Sparkasse), die Brauerei „Zum Bären" am Marktplatz 4 (heute: Bäckerei Schmidt) und die Brauerei „Zum Stern" in der Weißenburger Straße 19 (später: Gasthaus Spitzbart, heute Geschäftshaus).

Das Brauwasser bekamen die Betriebe von 1746 an aus den Büchelberger Quellen. Markgraf Carl Wilhelm Friedrich ordnete den Bau der „Büchelberger Leitung" an, sein Baumeister Johann David Steingruber realisierte sie. 1903 erhielten die Gunzenhäuser eine Hochdruckwasserleitung (und damit den Anschlusszwang), was manchen Unwillen erzeugte. Von ihrem Gerstensaft, der natürlich nicht der Qualität heutiger Premiumbiere entsprach, konnte nicht alle Brauer leben. Sie hatten noch eine zweite Erwerbsquelle als Bäcker oder Metzger.

Das obergärig gebraute Bier hatte keine lange Lagerzeit, erst das untergärige, das gegen Ende des 15. Jahrhunderts gebraut wurde, hielt sich länger (bis zu zehn Monate). Die Brauer bedienten sich des Burgstalls mit seinem Burgsandstein und bauten dort Lagerkeller. So entstanden der Finklers-Keller, der Brauns-Keller, der Meyerhubers-Keller (er gehörte zur Gastwirtschaft „Zum Falken" am Luther-Platz), der Lehners-Keller, am südlichen Burgstall gab es den Müllers-Keller und den Röschels-Keller. Für die Gunzenhäuser war der sonntagtägliche Ausflug zu den Sommerkellern ein beliebtes Ritual. Die Brauereien hatten, so stellt der Autor Hiemeyer fest, um 1818 auch drei Bierausschankstätten auf dem Kirchweihplatz. 1912 gab es sogar einen gemeinsamen Ausschank von Finkler, Braun und Müller in einem Bierzelt.

Dass sich die Zahl der Brauereien von elf auf sieben verringerte, das wird der Einführung der allgemeinen Konzession für Brauer und Gastwirte (1828) zugeschrieben. Immerhin: ein Brauer kam dazu: Mathias Goppelt (später Lehner). Die Brauereien Röschel und „Blauer Wolf" schlossen bereits Ende des 19. Jahrhunderts, Opfer der Inflation 1923 wurden die Brauereien Finkler („Zur Post"), Hans Braun („Engel-Brauerei") und Lehner. Es blieb letztlich nur die Adler-Brauerei übrig (bis 1998). Einige Betriebe wurden jedoch als Gasthäuser weiter betrieben.

Lothar Hiemeyer hat monatelang in den Archiven gewühlt, um mehr zur Geschichte der einzelnen Braustätten zu erfahren. Auf einige wird in „Alt-Gunzenhausen", dem Jahrbuch des Vereins für Heimatkunde, näher eingegangen.

Michael Beeßwillibald wird 1667 erstmals als Wirt der „Mausfallen-Wirtschaft" (ab 1725 „Zum Schwarzen Bären") am Marktplatz 4 erwähnt. Nach vielen Besitzerwechseln kam das Eckhaus an den Wirt Fritz Ehmann. Bis es durch einen Brand am 18. Januar 1942 größtenteils zerstört wurde, hatten sich dort die Anhänger der noch jungen NSDAP versammelt. Der Wirt zog in die Bahnhofstraße („Zur Post") um, das Haus ging an die AOK (1951), wurde als Drogerie genutzt und kam 1997 an die Bäckerei Schmidt.

Wo sich heute die Drogerie Neidhardt befindet, da stand die Brauerei „Zur Goldenen Krone". Friedrich Julius Dreßler war der letzte Wirt. Er verkaufte das Anwesen 1867 an den Ansbacher Pharmazeuten Johann Ferdinand Pausch, von dem es 1908 der ebenfalls aus Ansbach stammende Kaufmann Wilhelm Neidhardt übernahm.

Erstmals wurde das Gasthaus mit Brauerei „Zum Goldenen Engel" am Marktplatz 33 (heute: kik-Textilien) 1696 benannt. Der „Engelwirt" war 1726 für die Bierlieferung anlässlich eines „celebrierten" Gesundheitstrunks zu Ehren des Geburtstags von Markgräfin Christiane Charlotte zuständig. Er galt auch als „Hoflieferant", der Wein für die „gnädigste Herrschaft", besorgte.

Bei ihm logierte 1748 auch der markgräfliche Baumeister Johann David Steingruber. 1893 ging das Haus an Johann Georg Braun über, der von 1919 bis 1927 als Bürgermeister amtierte. Es wurde am 13. September 1904 durch einen Großbrand vernichtet. Wohl wieder aufgebaut, überstand die Brauerei die Wirtschaftskrise der zwanziger Jahre nicht. 1922 wurde sie stillgelegt und die Braurechte gingen an die Nürnberger Lederer-Bräu. Es gab noch einige Umbauten, es etablierten sich einige Kneipen („Cafe Kneitz" und „Maya-Bar") bis 1979 der Abriss des ganzen Rückgebäudes erfolgte. Zur Wirtschaft gehörte der 1870 erbaute Felsenkeller in der Frickenfelder Straße (Brauns-Keller), den am 16. April 1945 eine US-Luftmine traf und über 120 Menschen tötete.

Die Brauerei und Gastwirtschaft „Zur Sonne" am Marktplatz 42 (heute Foto-Braun) gab es bis 1748. Es war das Interesse des Markgrafen, das Areal aufzuwerten, weshalb er dort neue Häuser erstellen ließ. Hannß Funk war der erste Brauer (1680). Von 1729 stammt ein Beleg, wonach dort ein „Freudenfest" anlässlich der Heirat von CWF mit der preußischen Königstochter Friederike Luise gefeiert wurde. Wie das Haus des ehemaligen Stadtvogts Johann Leonhard Beeg im Markgrafenstil erbaut wurde, so steht es auch heute noch. 1953 war es an Willy und Berta Müller gekommen, deren Sohn Walter („Waldi") es an Fotomeister Herbert Braun veräußerte.

Der Ausleger der „Bürgerstube" hat die Stürme der Zeit überstanden. Am Marktplatz 45 (heute: Sparkasse) hat nachweislich schon 1469 eine Braustätte gestanden: die Brauerei „Stotzeneck" (benannt nach dem Brauer Johann Heinrich Stotz, 1847). Einer der Besitzer war Johann Michael Störzer, der zugleich das Amt des Bürgermeisters ausübte. Christian Heinrich Röschel aus der Brauerfamilie übernahm das Anwesen 1853 von den Verwandten Stotz. Einer seiner Nachkommen, Friedrich Röschel, bekam 1908 eine Schankkonzession für den „Röschelskeller", der heute noch eine gute gastronomische Adresse der Stadt ist. Am Marktplatz wurde 1925 die Brauerei abgebrochen, die „Bürgerstube" im Stile eines altdeutschen Bier- und Weinlokales" eröffnet. 1929 ging die Lokalität pachtweise an Fritz Zäh über. Ludwig und Frieda Guthmann (früher „Löwengarten") betrieben das Haus bis 1969. Danach ließ es die Sparkasse total umbauen, wobei auch das schön bemalte Kreuzgewölbe verschwand.

Der „Goldene Stern" in der Weißenburger Straße 19 (heute: Geschäfts- und Wohnhaus) wird 1687 als Eigentum des Taglöhners und Schneiders Johann Rößler erwähnt, Johann Jacob Lindner war 1734 der erste Bierbrauer. 1852 kauften das Haus die Röschels, später ging es an den Bierbrauer Zier, der 1881 den Braubetrieb einstellte. Das Haus am Schweinemarkt führte Mina Spitzbart, deren Vater Karl es 1904 erworben hatte, bis 1976 alleine weiter. Für die „Schwarzviertler" ging damit ihre gastronomische Heimat verloren.

Das Jahrbuch „Alt-Gunzenhausen" des Vereins für Heimatkunde ist für 15 Euro im örtlichen Buchhandel erhältlich. 

Werner Falk

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