Donnerstag, 15.11.2018

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Gute Aussichten für die Hopfenernte 2011 im Spalter Land

Bauern haben alle Hände voll zu tun, eine ertragreiche Ernte wird erwartet. - 22.08.2011 15:27 Uhr

Wenn der Hopfen in voller Blüte steht, dann beginnt für die Landwirte die Arbeit. © Dressler


Traditionell beginnt in Spalt die Ernte etwas früher als in den anderen Regionen in Deutschland, und traditionell laden der Hopfenpflanzerverband und das Landwirtschaftsamt in Roth dann zum Hopfen-Pressegespräch ein. Schauplatz war diesmal das Anwesen Nr. 11 in Schnittling. Amtsleiter Werner Wolf war es ein Vergnügen, den landwirtschaftlichen Vollerwerbsbetrieb und die Situation im regionalen Hopfenbau vorzustellen.

Der erfahrene Behördenleiter stammt selbst aus einem Betrieb, der sich dem Hopfen widmete, und bei diesem Thema geht ihm auch heute noch „das Herz auf“. Die Sonderkultur Hopfen mag mengenmäßig von geringer Bedeutung sein, doch sie prägt bis heute den Raum Spalt und dessen Image, und sie verhilft den Bauern zu einem höchst willkommenen Zusatzeinkommen.

Wie wird die Ernte 2011? Bis jetzt deutet alles auf einen Guten Ertrag hin. © Dressler


Wolf ist überzeugt: Der bekannte Spalter Aromahopfen hat Zukunft. Davon ist auch das Ehepaar Eitel überzeugt. Sonst hätte es nicht 1997 in eine bessere Technik investiert. Ohne Maschinen geht heutzutage nichts mehr. Die vorige Generation baute Hopfen auf nur eineinhalb bis zwei Hektar an, erinnert sich Karl-Josef Eitel. Viel Handarbeit war nötig, nicht nur zur Ernte. Inzwischen wurde die Anbaufläche auf acht Hektar vergrößert. Der Zwang zur Größe regiert auch hier. Angesichts der fortgeschrittenen Technisierung braucht man mehr Fläche als früher. Wie viele andere Kollegen setzt Eitel auf mehrere Hopfensorten, wobei der berühmte Spalt Spalter mit 50 Prozent den Schwerpunkt bildet. Ein typischer Betrieb eben für den Raum Spalt.Die landwirtschaftliche Betriebsfläche der Eitels beträgt insgesamt 70 Hektar. Die Basis bildet das Milchvieh mit 50 Tieren. Die weibliche Nachzucht kommt hinzu. Getreide wird für den Eigenbedarf an Futter angebaut.

Über 13 000 Zentner erwartet

Die Gesamtanbaufläche für Hopfen beträgt im Raum Spalt aktuell 366 Hektar, davon fünf Hektar Junghopfen, und ist damit mehr oder weniger stabil. Die Zahl der Pflanzer liegt bei 72 (drei weniger als im Vorjahr). Vor zwei Jahren fuhren sie 11 700 Zentner ein, 2010 waren es 12 800 Zentner, so Hans Zeiner, 2. Vorsitzender des Hopfenpflanzerverbands Spalt. Die offizielle Schätzung für die Ernte 2011 wurde vor wenigen Tagen mit 13 600 Zentner angegeben. Genaueres wird man in drei Wochen verkünden können. Die Bestände sind gesund, präsentieren sich in einem hervorragenden Zustand und lassen auch eine sehr gute Qualität erwarten.

Danach hatte es im viel zu trockenen Frühjahr noch nicht ausgesehen. Die tief wurzelnde Hopfenpflanze steckte die Dürre jedoch sehr gut weg, und der weitere Witterungsverlauf war geradezu ideal. Vor allem im Juli und August, als sich die Dolden ausbildeten, hat es viel geregnet. Das Ergebnis war gestern in Schnittling zu besichtigen: Die Dolden sehen prächtig aus. Und das endlich eingetretene Sommerwetter erleichtert die Ernte. Werner Wolf spricht von allgemein sehr guten äußeren Bedingungen. Diese gilt es auszunutzen. Würde man mit der Ernte noch warten, wären die Dolden überreif, und dann gäbe es beim maschinellen Pflücken Verluste.

Wie Hans Zeiner, der auch Geschäftsführer der Hopfenverwertungsgenossenschaft (HVG) ist, berichtet, herrschen bei der Vermarktung gesicherte Verhältnisse.

Der hochfeine Aromahopfen aus dem Spalter Land erfreut sich in Europa und fast noch mehr in den USA größter Wertschätzung bei den Abnehmern, also den großen Brauereien. Hier ist die Sorte Spalt Spalter zu nennen, aber auch Spalt Hallertauer, Spalt Select, Spalt Hallertauer Tradition und Spalt Perle. Der Anteil dieser Sorten am Gesamtanbau beträgt rund 80 Prozent, schätzt Hans Zeiner. Zum Glück würden die Kunden zunehmend Wert auf Qualität legen, und da habe man insbesondere mit dem Spalt Spalter ein Alleinstellungsmerkmal. Der relativ geringe Ertrag und der ebenfalls unterdurchschnittliche Anteil an Alphasäure – im Vergleich zum Bitterstoffhopfen – werde durch die hervorragenden Eigenschaften der Inhaltsstoffe mehr als wettgemacht. Hans Zeiner geht aktuell von etwa sieben Euro pro Kilo aus, die der Spalt Spalter dem Erzeuger einbringen wird.

 Spalter Hopfen, regionale Qualitätsware

Weiterhin vertrauen die Hopfenbauern im Spalter Raum ihrer Verwertungsgenossenschaft. Die Verträge laufen meist drei bis fünf Jahre, und es ist Sache der Genossenschaft, das Produkt an den Mann zu bringen. Jeder Hopfenbauer muss für sich entscheiden, wie lange er sich vertraglich binden will. Ein wenig Glück braucht man auch, um sich in einem guten Jahr hohe Preise für die Folgejahre zu sichern. Die Jahre 2007 und 2008 gelten als Höchstpreisphase, und 2012/13 könnte sich die Situation schwieriger als heuer gestalten. Dann laufen viele Preisverträge aus.

Im Grund aber sind Werner Wolf und Hans Zeiner ausgesprochen zuversichtlich, was den Spalter Aromahopfen angeht. Ihre Mienen sind allerdings nicht mehr so strahlend, wenn sie auf den Bitterstoffhopfen (und speziell die Sorte Herkules) zu sprechen kommen. In diesem Bereich gibt es weltweit eine Überproduktion, weshalb die Preise im Keller sind. Herkules wird auch im Raum Spalt angebaut, ist besonders ertragreich und liefert auch viel Alphasäure. Was die Menge betrifft, kann da der Aromahopfen nicht mithalten. Die Verantwortlichen in dem kleinen, feinen Anbaugebiet müssen weiterhin darauf setzen, dass die Brauereien wie die Verbraucher die besondere Qualität des Hopfens aus Mittelfranken zu schätzen wissen. Der große US-Konzern Anheuer-Busch geht hier seit vielen Jahren mit gutem Beispiel voran. Hans Zeiner fordert auch jeden Bierfreund in Deutschland dazu auf, sich am Bierregal für Qualität und den Gedanken der regionalen Kreisläufe zu entscheiden.

Keine Sorgen brauchen sich die Hopfenbauern wegen „ihrer“ Spalter Stadtbrauerei zu machen. Das kommunale Unternehmen setzt von jeher ausschließlich auf den Hopfen aus der Heimat. Alles andere kommt nicht in Frage. 

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