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Sportwetten-Experte Feldner deckt Skandale auf

Für die Medienlandschaft ist Wolfgang Feldner aus Bubenheim ein kompetenter Fachmann - 11.02.2013 13:10 Uhr

Wolfgang Feldner aus Bubenheim baute bei der FIFA das Frühwarnsystem zur Bekämpfung von Spielmanipulationen in Zusammenhang mit Sportwetten auf. Mittlerweile ist der 51-jährige gebürtige Geilsheimer Leiter des „Institut für Sportwetten und Glückspiel“. Unter anderem doziert er auch an der FH Treuchtlingen“, wo das Thema „Sportwetten“ bei den Studenten des „Adventure Campus“ auf großes Interesse stößt. © Image


Insgesamt ermittelt „Europol“ gegen 425 Spieler, Schiedsrichter, Funktionäre und Kriminelle in 15 Ländern, wovon 151 ihren Wohnsitz in Deutschland haben. Schon seit fast einem Vierteljahrhundert hat Wolfgang Feldner in geschäftsleitenden Positionen bei führenden Organisationen und Unternehmen im Bereich des Glücksspiels und insbesondere der Sportwetten zu tun. Nach seinem finanzwissenschaftlichen Studium war der gebürtige Geilsheimer über 20 Jahre Marketingleiter der Staatlichen Lotterieverwaltung Bayern, ab 1998 parallel Projektleiter für den bundesweiten Aufbau und die Weiterentwicklung der staatlichen Sportwette „Oddset“.

 

Nach der WM 2006 wechselte er zur FIFA und war in Zürich bis Ende 2012 „Head of Strategy“ des „FIFA-Early Warning System“, dem Frühwarnsystem zur Bekämpfung von Spielmanipulationen in Zusammenhang mit Sportwetten. Seine fachliche Kompetenz konnte der heute 51-Jährige auch als Sachverständiger im Deutschen Bundestag (Sportausschuss), als Mitglied der internationalen Arbeitsgruppe „Sportwetten“ der European Lotteries oder als Referent bei diversen internationalen Hearings (Europäisches Parlament) kontinuierlich unter Beweis stellen. Seit der Rückkehr in seine Heimat Altmühlfranken ist Wolfgang Feldner Leiter des „Institut für Sportwetten und Glücksspiel“, das er in Kooperation mit der „Fachhochschule für angewandtes Management“ Erding aufgebaut und entwickelt hat.

Im Kampf um einen sauberen Sport und gegen internationale Sportwettenbetrüger sind die Fußballverbände nach Ansicht von Wolfgang Feldner auf die Unterstützung der staatlichen Ermittlungsbehörden angewiesen. Überwachungsprotokolle von Emails und Telefongesprächen seien im Verdachtsfall notwendig, um Betrügern auf die Spur zu kommen. Darüber hinaus empfiehlt der weltweit anerkannte Top-Experte dringend eine Zusammenarbeit mit seriösen Wettanbietern, um mehr Know-how in Sportverbände und Vereine zu bringen“.

Internationale Unterschiede im Wettverhalten

Das aktuell weltweit größte Problem hängt mit den sogenannten Live-Wetten (die während des Spiels noch getätigt werden) zusammen, die ein Reagieren von Frühwarnsystemen vor Spielbeginn unmöglich machen. Wurde ursprünglich versucht, schon vor dem Spiel bei verdächtige Quotenentwicklungen eine Alarmmeldung herausgeben zu können, so ist dies nun in den meisten Fällen erst nach Spielende möglich. Steht zum Beispiel eine Partie zur Halbzeit 0:0, kann statistisch davon ausgegangen werden, dass in den verbleibenden 45 Minuten nicht mehr überdurchschnittlich viele Tore fallen. Die meisten ehrlichen Wetter setzen daher auf zwei oder weniger Treffer, worauf die Quote auf der anderen Seite für drei oder mehr Tore attraktiv steigt. Plötzlich gibt es hier einen großen Einsatz. Dieser Antizyklus ist oft ein Indikator für Insiderinformationen. Auf dem Platz spielen dann nach der Pause vielleicht zwei Verteidiger oder der Torwart mit angezogener Handbremse oder der Schiedsrichter pfeift oft Freistöße. Das Spiel endet plötzlich 4:0. Zur Manipulation reicht laut Feldner dabei oft schon ein Einziger, wobei Stürmer für die Wett-Mafia nicht so interessant sind: „Schiedsrichter, Torhüter und Verteidiger sind am gefährdesten für Manipulation.“ Ist in Europa die „1X2 Wette“ (Heimsieg, Unentschieden, Auswärtssieg) gang und gäbe, wird im asiatischen Raum anders gewettet – mehr auf Torunterschiede beziehungsweise -summen. Und wenn dann ein Großspieler kommt und trotz 0:0 in der Halbzeit 100.000 Dollar auf mehr als zwei Tore setzt, dann weiß der Wettanbieter sofort, dass da noch was passieren wird. Hinzu kommt in vielen Teilen Asiens die Mentalität, dass eine angebotene Wette nicht abgelehnt werden darf.

Einzelsportarten bieten mehr Manipulationsmöglichkeiten

Das größte Problem im Kampf gegen die Wettmafia sieht der Bubenheimer in der fehlenden Zusammenarbeit: „Die Abstimmung zwischen Sport, staatlichen Behörden und auch den Wettanbietern muss verbessert werden“. Jedoch sei die Bereitschaft zur intensiven Kooperation nicht in allen Organisationen ausgeprägt. Den Sportverbänden stehen meist nur beschränkte Mittel zur Bekämpfung zur Verfügung. In Deutschland allerdings wird nach den Wettskandalen 2005 und 2009 gegen die Wett-Mafia beim DFB und der DFL aktiv gehandelt. Selbst in den Regionalligen befassen sie sich inzwischen mehr und mehr mit der Gefahr der Manipulation. Feldners Ansicht nach beschränkt sich die Wachsamkeit jedoch zu sehr auf den Fußball. Grundsätzlich sei jede Sportart, die im Fernsehen gezeigt wird und auf die gewettet werden kann, gefährdet. Zum Beispiel im Tennis sei die Manipulation einfach,“ muss doch in einer Einzelsportart nur ein Spieler beeinflusst werden.“ Nur allzu gerne gibt Wolfgang Feldner sein Know-how weiter, wie mit Sportwetten verantwortungsvoll, ehrlich, kompetent und vor allem transparent umgegangen werden sollte.

Präventionsmaßnahmen finden Anklang

Das „Institut für Sportwetten und Glücksspiel“ mit Sitz in Ismaning befasst sich mit all den unterschiedlichen Facetten von Sportwetten unter wissenschaftlichen Aspekten. Die Zusammenhänge sollen objektiv und unabhängig betrachtet werden und die ordnungs- und sozialpolitischen Rahmenbedingungen berücksichtigt werden. Ziel der Instituts-Arbeit ist es, negative Einflüsse von Wetten und Glücksspiel auf den Sport weitgehend zu verhindern und den Nutzen für Sport und Gesellschaft zu fördern.

Diese Ausrichtung, insbesondere mit dem Schwerpunkt im sport-ökonomischen Bereich, ist bisher einzigartig im deutschen und auch im internationalen Hochschulbereich. Das Thema „Sportwetten“ wird innerhalb des Curriculums der Fachhochschule für angewandtes Management Erding auch am „Campus Treuchtlingen“ angeboten und stößt bei den Studenten des „Adventure-Campus“ auf großes Interesse.

Umdenken erforderlich

Den Teilnehmern aus der Sportmanagement-Fakultät werden optimale Grundlagen zur eigenen Positionsbestimmung vermittelt. Dadurch können mögliche negative Einflüsse schneller erkannt und schon im Ansatz Maßnahmen zur Verhinderung eingleitet werden. Als FH-Dozent in Treuchtlingen hat der Ex-Vorsitzende des SV Wettelsheim praktisch ein Heimspiel und freut sich über die gut besuchten Vorlesungen. Auf ihrem Weg zum Bachelor und/oder Master können die Studenten im Praktikum Verbände, Vereine oder Organisationen über Chancen und Risiken von Sportwetten informieren und aufklären: Denn mit dem vermittelten Wissen sind sie in der Lage, das Thema wissenschaftlich aufzubereiten, Hintergründe zu erkennen und richtige Entscheidungen zu empfehlen. Größten Wert legt der Bubenheimer auf die Feststellung, dass seriöse Sportwetten eine wichtige Grundlage für die Förderung des Spitzen- und Breitensports darstellen: Sie sollen Spaß machen und nicht automatisch mit betrügerischen Absichten in Verbindung gebracht werden“. 

ko

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