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Weniger Straftaten in Altmühlfranken

Polizeichefs im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen legen Kriminalstatistik vor - 09.04.2017 07:12 Uhr

Altmühlfranken ist eine sichere Gegend. Doch Banden aus Osteuropa treiben als Einbrecher ihr Unwesen im ganzen Land. © dpa


Wie viele Straftaten gab es 2016 im Landkreis?

In fast allen Feldern wurden 2016 weniger Straftaten angezeigt als im Jahr zuvor (sämtliche Zahlen beziehen sich auf die der Polizei bekannten Delikte). Die Anzahl der Straftaten befanden sich 2016 auf dem niedrigsten Wert seit mindestens zehn Jahren, bei 3339 Fällen — 6,7 Prozent weniger als 2012. Im Fünfjahresvergleich der anderen von der Kriminalpolizei Ansbach betreuten Gebiete (Stadt und Landkreis Ansbach sowie Landkreis Neustadt/ Aisch-Bad Windsheim) hat die Kriminalität zugenommen.

Wie sind diese Zahlen zu deuten?

Die Polizei berechnet dazu eine so genannte Häufigkeitszahl, indem sie die Anzahl der Straftaten im Verhältnis zu (theoretischen) 100 000 Einwohner setzt. Im Landkreis liegt die Häufigkeitszahl bei 3577, auch so tief wie seit mindesten fünf Jahren nicht mehr. Im Vergleich: Die Häufigkeitszahl im Landkreis Ansbach beträgt 3048, in Mittelfranken 5479 und für ganz Bayern 6871. "Der Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen präsentiert sich hinsichtlich des Risikos, Opfer einer Straftat zu werden, nach wie vor als eine vergleichsweise sichere Region", so der Leiter der Kripo Ansbach, Hermann Lennert.

Wie viele Täter werden erwischt?

Die Aufklärungsquote liegt im Landkreis mit 73,4 Prozent unter dem Wert des Vorjahres (76,3 Prozent), allerdings über der mittelfränkischen und bayerischen Quote (beide knapp 66 Prozent). Hier werden besonders bei der Betrachtung der Deliktarten Unterschiede deutlich. So konnten etwa bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung 87,9 Prozent der Fälle (insgesamt 33) aufgeklärt werden. Bei Diebstahldelikten (insgesamt 813 Fälle) waren es nur 42,8 Prozent, beim Wohnungseinbruchsdiebstahl nur 12,5 Prozent.

Warum ist die Quote bei den Wohnungseinbrüchen so gering?

Zum einen nimmt die Zahl der Einbrüche, im Gegensatz zu der Gesamtkriminalität, im Landkreis zu. Von 23 Fällen 2015 stieg sie auf 40 Fälle im vergangenen Jahr. Oft seien es osteuropäische Banden, die ein Objekt unter Beobachtung nehmen und dann einbrechen, so Lennert.

Was plant die Polizei gegen Wohnungseinbruchsdiebstahl?

Die Polizei versucht hier, mit allen Mitteln sowohl repressiv als auch präventiv gegenzusteuern. Sie bittet auch Nachbarn, mögliche verdächtige Fahrzeuge oder Personen sofort bei der Polizei zu melden. Zudem gibt es demnächst Infoveranstaltungen im Landkreis, bei denen bauliche Maßnahmen für einen größeren Einbruchschutz vorgestellt werden.

Wie viel Schaden entstand bei den Taten?

Der durch alle Straftaten im Landkreis entstandene Gesamtschaden belief sich 2016 auf 2 534 225 Euro (Vorjahr knapp 4,8 Millionen). Davon waren 2,08 Millionen Euro Beute- und Vermögensschäden und 456 000 Euro Sachschäden.

Wie groß ist die Gefahr, auf der Straße Opfer einer Straftat zu werden?

Neben Gewalt- und Rohheitsdelikten beeinflussen vor allem auch im öffentlichen Raum begangene Straftaten das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung. Die Zahl der Delikte war seit 2011 stetig rückläufig, 2016 nahmen sie wieder leicht zu (von 465 im Vorjahr auf 476). Die Zahl der Rohheitsdelikte (Raub, Körperverletzung, Nötigung) stieg von 600 auf 680 Fälle, wovon 98,1 Prozent aufgeklärt wurden.

Gibt es eine Gruppe von Tätern, die besonders auffällig ist?

Im vergangenen Jahr ermittelte die Polizei im Landkreis insgesamt 1903 Tatverdächtige (die auch mehrere Straftaten begangen haben können, deshalb ist die Gesamtzahl der Straftaten auch höher). 388 davon waren Jugendliche unter 21 Jahren (20,4 Prozent). Knapp drei Viertel der Verdächtigen war männlich (74,7 Prozent), über die Hälfte ist schon einmal auffällig geworden (51,2 Prozent). Unter Alkoholeinfluss standen die Tatverdächtigen in 12,2 Prozent aller Fälle, bei gefährlichen Körperverletzungen waren sogar 44,8 Prozent der Täter alkoholisiert.

Wie viele kriminelle Ausländer gibt es in der Region?

Von den insgesamt 1903 Tatverdächtigen waren 501 Ausländer, was eine Quote von 26,3 Prozent ergibt (Höchstwert der vergangenen fünf Jahre). Der gesamtmittelfränkische Wert liegt bei 37,4 Prozent. Sie waren vor allem für Diebstahldelikte verantwortlich, bei Wohnungseinbruchsdiebstahl etwa waren 57,1 Prozent der Täter Ausländer.

Ist das nun viel oder wenig?

Verglichen mit dem Anteil der im Landkreis wohnenden Ausländer (7,4 Prozent) erscheint diese Zahl (26,3 Prozent der Tatverdächtigen) hoch. Allerdings erfasst die Polizei alle von Ausländern im Landkreis begangenen Straftaten. Darunter sind dann auch die Fälle osteuropäischer Diebesbanden, die nicht in Deutschland wohnen, hier aber ihr Unwesen treiben. Lässt man die Delikte, die nur von Ausländern begangen werden können (Aufenthaltsrecht), außer Betracht, beträgt der Anteil 24,0 Prozent.

Gibt es politisch motivierte Straftaten im Landkreis?

Hier verzeichnet die Statistik 24 Fälle und damit neun weniger als im Vorjahr, wobei die Zahl der Fälle in den vergangenen Jahren um die 30 schwankt. Unter "rechte" Kriminalität (16 Fälle) fallen laut Polizei etwa Propagandadelikte sowie Volksverhetzungen. In einem Fall wurde ein Ausländer angeblich beschimpft und mit einem Gegenstand beworfen. Acht Fälle "linker" Straftaten gab es insbesondere durch eine Veranstaltung der AfD in Gunzenhausen im November 2016. Hier wurden vor allem im Vorfeld Sachbeschädigungen verübt.

Auch im Landkreis gibt es Mitglieder der so genannten Reichsbürgerbewegung. Stehen sie unter verstärkter Beobachtung?

Derzeit sind im Landkreis 22 "Reichsbürger" polizeilich erfasst. Die Ämter in Altmühlfranken melden der Staatsschutzabteilung der Kripo Ansbach auffällige Personen, die etwa ihren Pass abgeben wollen oder durch entsprechende Schreiben auffallen.

Diese Personen werden dann kontrolliert, etwa ob sie Waffen besitzen. Eine Besitzerlaubnis kann ihnen bei mangelnder Eignung entzogen werden. 

Benjamin Huck E-Mail

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