Freitag, 22.03.2019

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Der Herzogenauracher "Ur-Storch" ist tot

Altvogel wurde mit gebrochenem Bein aufgefunden - 15.03.2019 13:02 Uhr

Kampf auf dem Rathausdach zwischen dem Herzogenauracher „Ur-Storch“ und einem anderen Vogel. Jetzt ist der Altstorch mit der Ringnummer DER-A6500 tot. Er hatte sich ein Bein gebrochen. An der Metallpyramide kann das aber laut Expertenmeinungen nicht gelegen haben. © Archiv: Heinz Czellnik


Anhand der Beringung konnte der tote Weißstorch identifiziert werden. Es handelt sich um den männlichen Storch mit der Ringnummer DER-A6500, der viele Jahre lang auf dem Schlossdach genistet hat. Storchenfotograf Heinz Czellnik ist traurig über das Ableben des Tieres. "Vor zehn Jahren war das der erste Storch, der nach Herzogenaurach gekommen ist", erzählt Czellnik. Davor sei die Aurachstadt 40 Jahre lang "storchenlos" gewesen. Doch seitdem sei DER-A6500 jedes Jahr wiedergekommen und habe für Nachwuchs gesorgt. Mit ungefähr 15 Jahren sei der Storch zwar schon ein "alter Knabe" gewesen. Aber Störche können durchaus über 20 Jahre alt werden.

Der leblose Tierkörper wurde laut Preinl umgehend in das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen gebracht, um die Todesursache untersuchen zu lassen. Der pathologische Untersuchungsbericht liege der Stadt Herzogenaurach nun vor. "Demnach sprechen die Befunde für den Tod infolge einer Anämie, hervorgerufen durch eine offene Fraktur des Storchenbeines", schreibt Preinl in einer Pressemitteilung.

Die Stadt Herzogenaurach bedauert den Tod des Weißstorches. Wo und wie sich der Storch den Beinbruch und die somit tödliche Verletzung zugezogen hat, ist nicht be-
kannt. "Zusammenhänge mit den Vergrämungsmaßnahmen auf dem Schlossdach erscheinen unwahrscheinlich", so Preinl, die sich dabei auf die Meinung von Fachleuten bezieht. "Die Aufbauten, die nach naturschutzfachlicher Auflage der Regierung von Mittelfranken an den Kaminen des Schlossdaches angebracht werden mussten, wurden in Abstimmung mit einem Storchenexperten verletzungssicher gestaltet. Die runden Gitterstäbe haben einen ausreichenden Abstand, die Spitze der Aufbauten sichert eine Metallkugel."

Heinz Czellnik bestätigt diese Einschätzung. "An den Pyramiden kann die Verletzung nicht passiert sein. Die Stäbe haben einen ausreichenden Abstand, das hat der Schmied Drebinger wunderbar gemacht." Als Beweis schildert Czellnik, wie er einen Storchenkampf fotografiert hat. "Ein Storch stand zwischen den Streben und wurde von einem anderen gerammt, sodass beide vom Dach geflogen sind. Und nicht einmal dabei hat sich einer der Vögel an der Pyramide verletzt."

Die Gefahrlosigkeit der Aufbauten belegen laut Preinl auch die aktuellen Nestbauaktivitäten eines Storchenpaares auf einer der Metallkonstruktionen. Was also ist passiert? "Ursachen für die Verletzung des Storches könnte es viele geben. Bekannt sind tödliche Unfälle in Zusammenhang mit ungesicherten Strommasten, spitzen Antennen und anderen für Störche schwer einschätzbaren Hindernissen", meint Preinl. Czellnik dagegen hat eine ganz andere Theorie: "Ich vermute einen Hundebiss." Im Aurachgrund ließen viele Hundebesitzer ihre Tiere frei laufen. "Wenn da der Storch herumstolziert und ein großer, starker Hund einmal schnapp macht, hat der Storch keine Chance. Ich wüsste jedenfalls nicht, wo er sich sonst das Bein hätte brechen sollen. Denn dieser Storch war sehr erfahren und kannte die Umgebung gut."  

Jeanette Seitz Nordbayerische Nachrichten Herzogenaurach/Höchstadt E-Mail

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