Höchstadt: ALS-Kranker veröffentlicht eigenes Buch

16.4.2015, 06:00 Uhr
Höchstadt: ALS-Kranker veröffentlicht eigenes Buch

© Foto: Edgar Pfrogner

Er war Leistungsschwimmer, Triathlet und hat Pharmazie studiert. Er hat in Höchstadt und in Schlüsselfeld zwei Apotheken geleitet und hat zudem ein Gesundheitszentrum aufgebaut. Gerade als Janos Hübschmann begann, seine Vision von einer gesundheits- und umweltbewussten Welt unter die Leute zu bringen, ereilte ihn 2006 die unheilbare Nervenerkrankung ALS.

„Wir mussten auch erst mal nachschauen, was das ist“, erzählt seine Frau Anja Hübschmann rückblickend. Sie hatte damals gerade ihren zweiten Sohn geboren. Stück für Stück lähmt die Krankheit allmählich den ganzen Körper. Viele Betroffene sterben nach vier bis sechs Jahren.

Neue Ziele gesteckt

Doch Aufgeben ist nicht Hübschmanns Ding. Der Leistungssportler begreift seine Krankheit als Chance und steckt sich — ähnlich wie der ebenfalls an ALS erkrankte Astrophysiker Stephen Hawkings — neue Lebensziele. Er arbeitet sechs Jahre lang an einem Buch. Mit Geschichten und Sachtexten zum Thema „Liebe!“. „Es ist die Quintessenz seines bisherigen Lebens, ein Lehrbuch des Lebens“, sagt seine Frau. Es ist ein Ratgeber für eine liebevolle Lebensweise, meint er.

Sein wichtigster Helfer beim Schreiben ist sein Sprachcomputer. Hübschmann bedient ihn mit Zwinkern: Eine kleine Kamera scannt seine Augen und so entsteht ein Satz nach dem anderen, den der Computer dann auch spricht. „Der ist toll“, lässt Hübschmann so wissen. Der große, schmale Mann sitzt regungslos im Rollstuhl, den Computerbildschirm vor Augen, ein Beatmungsgerät ist immer dabei. Als sein Nervenleiden beim Pressetermin in der „Bücherstube“ in Höchstadt thematisiert wird, klinkt er sich ein: „Die Krankheit ist nicht so schlimm, es bleibt noch viel übrig, was Spaß macht“, sagt er und seine Augen lächeln.

„Ich habe noch so viel vor, ich habe keine Zeit mich mit dem Tod zu beschäftigen“, erzählt er weiter. Für sein Buch „Liebe!“ saß er bis zu zehn Stunden am Tag am Computer. „Ich habe alles selbst gemacht“ — den Text, das Layout, den Flyer, seine Homepage und er hat den Druck des 276 Seiten starken Werkes in Auftrag gegeben. „Am 1. Mai ist es fertig.“

Warum hat er das Buch verfasst? Sein Ziel ist einfach und gleichzeitig so schwierig: „Unsere Welt ein ganzes Stück liebevoller zu machen.“ und „Wir Menschen haben noch so viel Potenzial.“ Hübschmann ist optimistisch, er gibt in seinem Buch dem Leser Tipps, wie er seinen Geist, seinen Körper und seine Welt heilen kann, wie er es selbst umschreibt.

Und weiter: „Ich habe das Glück, nicht mehr im Hamsterrad zu sitzen. Dadurch sehe ich die Welt klarer.“ Eigentlich sollte „Liebe unsere Weltreligion sein“, findet er und seine Frau ergänzt: „Jeder muss einfach anfangen, dann könnte man die ganze Welt durchdringen.“ Liebe kostet nichts, es könnte alles so einfach sein. „Ja“, sagt Hübschmann, der in seinem Buch zum Beispiel Krishna, Buddha, Jesus und Mohammed an einen Tisch setzt und sie diskutieren lässt.

Janos Hübschmann will im Herbst gemeinsam mit dem Musiklehrer Andreas Hönsch und der Familienfotografin Yvonne Guillery ein illustriertes Lesehörbuch mit den Geschichten aus seinem Buch „Liebe!“ herausbringen. Hönsch hat dazu mit seinen Schülern den Song „Let Love Live“ komponiert und im Tonstudio aufgenommen. Das Buch und auch das Hörbuch will er weltweit vermarkten, der Erlös daraus wird wohltätigen Zwecken zugute kommen.

Bei der Buchpremiere am 1. Mai in der Kulturfabrik lesen Freunde Passagen aus dem Buch vor. Schüler der Musikschule von Andreas Hönsch liefern Livemusik, der Leichtatlethik-Club (LSC) Höchstadt, dessen Vorläufer Vitalo Hübschmann mitgegründet hat, sorgt zusammen mit dem Laden BioLett für Verpflegung. Der Eintritt kostet fünf Euro, der Preis wird beim Kauf eines Buches angerechnet.

Mehr Informationen unter www.liebe-movement.com

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