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Sonntag, 23.09.2018

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Publikum hörte die Signale von der Hupe bis zum Horn

Compagnia di Punto präsentierte beim „Fränkischen Sommer“ in der Stadtpfarrkirche vertraute und kuriose Klänge - 19.08.2012 14:26 Uhr

Mit erstaunlichen Klangkompositionen und teilweise witzigen Einfällen überraschten die Musikerinnen und Musiker des Ensembles Compagnia di Punto das Herzogenauracher Publikum beim „Fränkischen Sommer“. © Seyb


Archaisch mutet das Muschelhorn an, das in Japan und auf ozeanischen Inseln nicht nur für kultische Handlungen eingesetzt wurde, sondern auch um Signale zu geben. Eine Ahnung davon vermittelten drei Musiker der Compagnia mit ihrer Eigenkomposition „Dimensionen“. Von der Orgelempore und der Kanzel ertönten wechselweise tief-hallende Töne, die sich zu einem überraschend harmonischen Gesamtklang vereinten.

Vertraut erklang dagegen ein klassisches „Divertimento“ von Joseph Haydn. Überhaupt scheint Haydn zu den Lieblingskomponisten des Ensembles zu gehören. Von ihm hatte es noch die „Cassation D-Dur“ im Programm. Beide Werke spielten die elf Musikerinnen und Musiker mit viel Brillanz und solchem Elan, dass es den 1. Violinisten bisweilen kaum auf seinem Platz hielt.

Auch ein fränkischer Komponist der Klassik war vertreten. Johann Christoph Vogel, 1756 in Nürnberg geboren, feierte als Opernkomponist Erfolge in Paris, wo er auch 1788 starb. Sein „Concertante Nr.1“ nahm das Publikum mit viel Applaus auf, ebenso die „Sinfonie Nr. 18“ von Wolfgang Amadeus Mozart.

Launige Plauderei

Die zweite Überraschung des Konzerts war das Schofar, ein Widderhorn, das seinen Ursprung in der jüdischen Religion hat. Mit seiner Komposition „Verdichtung“ für drei Schofars stellte Christian Binde, ein Mitglied des Ensembles, dieses Instrument vor. Zunächst erklang nur ein Schofar, dann setzten die beiden anderen mit vielen Staccati ein, als wären die drei in eine launige Plauderei vertieft. Das Publikum schmunzelte und applaudierte.

Das klassische Jagdhorn präsentierte die Compagnia mit Werken von Marc Antoine de Dampierre aus dem 18. Jahrhundert.

Erstaunliche Einfälle hat Hanno Siepmann in sein romantisches Arrangement für Hörner, Flöten und Streicher eingearbeitet. Wie der Wind rauschte es, wenn statt in die Mundstücke die Hornisten in ihre Stimmbögen und die Flötistinnen in die Tonlöcher bliesen. Der Komponist war selbst anwesend und bedankte sich mit Handschlag bei dem Ensemble.

Inspiriert von Filmmusik

Die Kölner Komponistin Verena Guido hat sich für ihr Werk „Horn goes to Hollywood“ von Filmmusik inspirieren lassen und immer wieder erklang das signalartige Thema aus „Star Wars“.

Die größte Überraschung hatte sich das Ensemble für den Schluss aufgehoben. Stefan Dörings „Völker, hört die Signale“ war angekündigt „für acht Signalgeber und Horn“. Dazu verteilten sich die Musiker im Kirchenschiff und ließen für ein Konzert kurios anmutende Töne hören. Signale, von denen der moderne Mensch umgeben, ja denen er oft ausgesetzt ist: Quietschente, Fahrradklingel, Hupe, Handygeklingel oder Vuvuzela.

Das Herzogenauracher Publikum lauschte, stutzte, lachte und klatschte dann viel Beifall, einerseits für das außergewöhnliche Programm, andererseits für die exzellenten Musiker.

  

ELKE SEYB

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