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Tief- und Unsinn auf höchstem Niveau

Helmut Büchel und Klaus-Lothar Peters feiern Erfolg mit Heinz Erhardt-Programm - 24.10.2011 15:49 Uhr

Helmut Büchel spielte den Komiker mit Timing bis in den kleinsten Verhaspler . © Groh


Im Programmheft bekam der Gast erklärt, was Humor ist, Komik und Witz. Und das auch noch mit den allzudeutschen Definitionen einer alten Germanistenplage, Gero von Wilperts „Sachwörterbuch der Literatur“.

Wie gut, dass man nicht erst dort nachschlagen muss, um über Heinz Erhardts Humor, Komik und Witz zu lachen. Und doppelt gut, wenn ein erstklassiger Schauspieler und ein erstklassiger Musiker das Beste vom genialen Wortwitzbold der 60er Jahre so darbieten, als käme es vom Meister selbst, der 1971 nach einem Schlaganfall verstummte und 1979, mit 70, starb.

Das bekam ein dankbares Publikum am Samstagabend vom Verein „Spielraum Kultur“ im Saal des „Goldenen Schwans“ geboten. Helmut Büchel, freier Schauspieler, und der Theatermusik erfahrene Pianist Klaus-Lothar Peters gelang eine Verbeugung vor Heinz Erhardt und eine Wiederbelebung vieler Höhepunkte des Tief- und des Unsinns in Gedicht- und Liedform.

Viel hat nicht gefehlt: Aufgeteilt in zwölf thematische Kapitel enthielt das Programm „Die Made“, die einzige Version des Erlkönigs mit Happy End „Der Knabe lebt, das Pferd ist tot“, der Song „Fährt der Lord im Ford fort“, das unnachahmliche Liebesgedicht, das Erhardt unterm Herzen trug bis er es auf Papier niederschrieb: „Was wär der Apfel ohne -sine?“

Das „Fräulein Mabel“ mit den Beinen „krumm wie‘n Säbel“, der Mann der Striptease-Susi („Ist Susi dann beim Schlusstrikot, muss ich leider ins Büro“), die Adelheid, die „im Wohnheim weint, weil sie nicht mehr in Weinheim wohnt“ – alles und noch viel mehr kam mit Präzision und jener abgefeimten Tollpatschigkeit, die genaues Timing verlangt. Und dann gab es noch eine Verbeugung vor dem Musiker Erhardt mit dem „Walzer eines Wahnsinnigen in d-Moll“ und Applaus für zwei Zugaben.

Nur: Der Abend war zwar ein gelungenes „Best of“, aber keine Auseinandersetzung mit dem Menschen Erhardt, einem hart an den Pointen arbeitenden Witzaholic, von Selbstzweifeln in die Selbstausbeutung — und den Cognac — getrieben. Letzteres arbeiten andere Produktionen deutlicher heraus. 

RAINER GROH

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