Samstag, 17.11.2018

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Watzinger muss gehen – und geht mit einem Coup

3. Liga: TSH-Handballerinnen gewinnen Serie gegen Vechta - 11.05.2018 16:30 Uhr

Ein Abgang mit schalem Beigeschmack: Klaus Watzinger wurde quasi von der Mannschaft „gegangen“. Aber immerhin verabschiedete sich das Team mit einem nie erwarteten Erfolg von seinem Trainer und darf weiter hoffen, drittklassig zu bleiben. © Thomas Hahn


Zumindest diese Relegation konnten sie nach der 24:27-Hinspielniederlage für sich entscheiden. Und damit begeben sie sich nun in eine Warteschleife, was ihre sportliche Heimat in der nächsten Spielzeit betrifft. Es wird auch davon abhängen, ob sich weitere Mannschaften aus der 2. Bundesliga oder aus den dritten Ligen noch kurzfristig zurück ziehen, was noch viele Wochen dauern könnte. In jedem Fall muss die TSH sich nach einem neuen Trainer umsehen, denn das bisherige Gespann Klaus Watzinger/Mirko Scholten verabschiedete sich nach dem Spiel von der Mannschaft.

Während sein Partner Mirko Scholten schon vor vielen Monaten seinen Rücktritt am Saisonende verkündet hatte ("Ich möchte mich auf meine Kreisläufertätigkeit beim TV Erlangen-Bruck konzentrieren"), kann Watzinger sein eigentlich geplantes zweijähriges Engagement wegen "Gegenwinds" von einem Großteil der Mannschaft nicht fortsetzen. Die Hintergründe wollen die Abteilungsverantwortlichen in der nächsten Woche erläutern.

Die Mannschaft muss nun sich selbst und der Abteilungsleitung nachweisen, warum ihre Entscheidung gegen den Trainerroutinier fiel – ist und warum diese Leistungsexplosion in einem möglicherweise richtungsweisenden Spiel mit beiden eben diesen beiden Trainern ausgerechnet am letzten Spieltag gelang.

Es war jedenfalls das stärkste Auswärtsspiel der Herzogenauracherinnen in der nun abgeschlossenen Saison, das ziemlich alle negativen Facetten etlicher Pflichtspiele in der regulären Runde vergessen machte. Während man zuvor leider einige Male zu oft entweder nach dem Anpfiff zu lange brauchte, um die Scheu vor den Gegnern abzulegen, oder aber primär zwischen der 40. und 60. Minute mentale Aussetzer zeigte, war in diesem letzten Aufbäumen alles anders.

Vom Anpfiff weg zeigten die Gäste enormes Selbstvertrauen, und auch wenn Vechta zwischenzeitlich mit drei Toren in Front lag (9:6 in der 17. Minute), hatte man nicht das Gefühl, dass die TSH neuerlich einzubrechen drohte. Bestens auf den Gegner eingestellt und auch dank Lisa Neumann im rechten Rückraum und Sarah Stephan auf dem linken Flügel (beide waren im Vorspiel nicht dabei) glichen die Gäste in der 22. Minute zum 9:9 aus.

Mehr noch, fortan hielten sie die daheim an sich enorm starken Gastgeberinnen von Minute zu Minute deutlicher auf Distanz. Es war für einige getreue TSH-Fans, die den weiten Weg (530 Kilometer einfach) nicht scheuten, zunächst verblüffend und nachfolgend begeisternd dabei zu sein, wie das Team von der Aurach nachhaltig den Beweis seiner Drittligatauglichkeit erbrachte.

Nach dem 19:12 (41.) für die TSH konnte SFN Vechta bei eigener Überzahl und vor knapp 300 Zuschauern zwar noch mal auf 15:20 verkürzen, doch mit großem Teamspirit und konsequentem Glauben an sich selbst zeigten sich die Gäste davon völlig unbeeindruckt. Das Herzogenauracher Trainergespann hatte sich zwar darauf eingestellt, die Matchwinnerin des Vorspieles Leonie Wöbking bei Bedarf besonders eng zu beschatten, doch das war dann nicht nötig. Zwar warf die Linkshänderin erneut acht Tore, davon allerdings vier Siebenmeter.

Dies reichte aber diesmal nicht, zum einen, weil die TSH mehr personelle Alternativen für eine erneut beherzte Abwehrarbeit hatte, zum anderen. weil ab der 16. Minute Martina Ebersberger ins Tor ging, nachdem Juliane Gerling nicht die tolle Leistung des Vorspieles wiederholen konnte. Was "Martini" dann an Paraden zeigte, war grandios und laut Watzinger die beste Leistung von ihr in der gesamten Saison. Die 46 Prozent an gehaltenen Würfen sind ein absoluter Spitzenwert und damit verunsicherte sie Wöbking und deren Nebenleute von Minute zu Minute mehr. Und gegen Spielende trug Ebersberger erneut mit einem eigenen Torerfolg aus rund 37 Metern Entfernung zum Torreigen bei.

Watzinger hob zudem die beispielhafte Einstellung von Mannschaftsführerin Nina Bestle hervor ("Bemerkenswert wie sie die Truppe rund um die schweren letzten Wochen zusammen gehalten hat"), auch Amelie Theobald lobte er für ihre tolle Leistung, diesmal auf dem rechten Flügel. "Da sieht man ,was ich meinte als ich von dem personellen Dilemma im Vorspiel gegen den HC Chemnitz sprach, wo wir unsere zweite echte Chance auf den Klassenerhalt vergaben (Anmerkung der Redaktion: Hier nannte er konkret das Fehlen von Ebersberger und Neumann). Heute waren wir, abgesehen von Jana Lichtscheidel, Saskia Probst und Carole Mittelheisser komplett, hoffentlich wird das doch noch belohnt."

TSH: Ebersberger 1, Gerling; Stephan 7, Wedrich 4/2, Bestle 3, Schneidereit 1, Mergner, Lang 2, Erdmann, Theobald 3, Küffner 2, Neumann 4. 

VOLKER SCHNELLER

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