Donnerstag, 17.01.2019

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Kernkraftwerk Grafenrheinfeld: Rückbau dauert Jahrzehnte

Stilllegung und Abbau der Anlage wurden bereits 2014 beantragt - 16.04.2018 05:56 Uhr

Das Atomkraftwerk in Grafenrheinfeld ist schon länger nicht mehr im Betrieb. Bis das Gebäude aber komplett verschwunden ist, wird es wohl noch Jahrzehnte dauern. © Nicolas Armer/dpa


Was ist seit dem 28. Juni 2015 bereits im Kernkraftwerk in Grafenrheinfeld passiert?

Zwei Jahre lang wurden sämtliche Räume sowie Werk- und Schadstoffe der einzelnen Komponenten erfasst und dabei etwa 100.000 Datensätze angelegt. Außerdem wurden 3D-Scans von den 900 Räumen im Kontrollbereich angefertigt und die weiteren Rückbauschritte nach Erteilung der Genehmigung geplant.

Bereits im März 2014 hat Betreiber PreussenElektra die Stilllegung und den Abbau der Anlage beantragt. Die Unterlagen enthielten einen Sicherheitsbericht und eine Umweltverträglichkeitsuntersuchung. Bei einem Erörterungstermin im Oktober 2016 kam es zum Eklat mit dem Bund Naturschutz, dessen Vertreter die Veranstaltung aus Protest verließen.

Wird das Kraftwerk nun sofort abgebrochen?

Nein, der Rückbau erfolgt von innen nach außen. Zunächst geht es darum, sämtliche radioaktiv belasteten Komponenten aus den Gebäuden zu entfernen. Voraussetzung dafür ist die Brennelementefreiheit.

Momentan befinden sich noch 597 Brennelemente im Abklingbecken. Bevor der Rückbau richtig beginnen kann, müssen sie alle in Castoren verfrachtet und in das Zwischenlager auf dem Gelände transportiert werden. Dort stehen derzeit 21 gefüllte Castoren. Ab Mai 2018 sollen die ersten Brennelemente aus dem Abklingbecken entfernt werden. Das letzte Brennelement wird Ende 2020 ins Zwischenlager transportiert. Dort werden dann 53 Castoren stehen.

Was passiert als Nächstes?

Zunächst werden nicht mehr benötigte Systeme abgeschaltet und demontiert. Schon bald sollen zudem die logistischen Vorbereitungen getroffen werden, damit ein Reststoffbehandlungszentrum für ausgebaute Teile im Reaktorgebäude-Ringraum, im Hilfsanlagengebäude und im Entsorgungsgebäude eingerichtet werden kann. Auch Isolierungen sollen schon bald verschwinden.

Wann werden die weithin sichtbaren Kühltürme abgerissen?

Seit dem 28. Juni 2015 sind Grafenrheinfelds Kühltürme außer Betrieb, abgerissen werden sie aber noch lange nicht. © Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa


Die Gebäude und die 143 Meter hohen Kühltürme werden wohl erst ab dem Jahr 2033 verschwinden, wenn sämtliche Arbeiten im Kontrollbereich abgeschlossen sind. Die Kühltürme werden zwar schon heute nicht mehr benötigt, es wäre aber wohl zu aufwendig und zu teuer, sie gleichzeitig mit den Arbeiten im Reaktorgebäude abzureißen - auch wenn Kraftwerksleiter Bernd Kaiser zuletzt ein gewisses Faible für diese Idee erkennen ließ.

Endgültig abgeschlossen soll der Rückbau im Jahr 2035 sein. Bis dahin fallen rund 500.000 Tonnen Bauschutt und verschiedene Abfallmaterialien an, davon sind etwa 3500 Tonnen schwach- und mittelradioaktiv.

Und ab dem Jahr 2035 ist dann dort, wo einst das Kernkraftwerk stand, eine grüne Wiese?

Nein, eine grüne Wiese wird dort noch lange nicht sein. Zwar sind dann die Kühltürme und die Reaktorgebäude verschwunden, aber das Zwischenlager mit den Castoren wird noch stehen. Bis 2046 hat die Anlage bislang eine Genehmigung - momentan sieht es nicht danach aus, als ob die Brennelemente schon vorher in einem Endlager verschwunden sein könnten.

Darüber hinaus soll bis zum Jahr 2021 auf dem Kraftwerksgelände eine Bereitstellungshalle für bis zu 6000 Kubikmeter schwach und mittelradioaktiven Materials entstehen. Künftig könnte ein Gedenkstein an die Kraftwerksgeschichte erinnern - vor dem Jahr 2046 wird er aber wohl nicht in Grafenrheinfeld aufgestellt.

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Martin Müller Redaktion Metropolregion Nürnberg und Bayern E-Mail

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