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Lauf: Zwei Stolpersteine erinnern an düstere Vergangenheit

Gedenken an NS-Opfer: Jüdische Mitarbeiter des Ceramtec-Vorgängers Stemag - 25.09.2014 16:36 Uhr

Vor dem Haupteingang von Ceramtec wurden zwei Stolpersteine eingesetzt. Sie erinnern an Martin und Hans Thurnauer, den Direktor und einen Angestellten der Stemag, Vorläuferfirma von Ceramtec. Angehörige waren aus den USA und ganz Europa nach Lauf gekommen. © Kirchmayer


Lauf und das Traditionsunternehmen Ceramtec blicken demütig zurück auf einen düsteren Abschnitt der Stadtgeschichte. Im Jahr 1933, als an der Luitpoldstraße noch die Stemag als Vorgängerfirma der Ceramtec ansässig war, wurden Martin Thurnauer, einer der Direktoren, sowie sein Cousin Hans Thurnauer, der bei Stemag angestellt war, von den Nationalsozialisten enteignet und zur Emigration gezwungen.

Zum Gedenken an das Wirken der Thurnauers in Lauf gedachten nun die Stadt, die Firma sowie viele Nachfahren der beiden Vertriebenen. In Reden erinnerten Bürgermeister Benedikt Bisping und Marion Thurnauer, die Tochter von Hans Thurnauer, sowie Martin Thurnauers Enkelin Judy Hoffman an ihr Leben.

Diese Stolpersteine wurden in den Bürgersteig vor dem Ceramtec-Haupteingang eingelassen. © Kirchmayer


Martin Thurnauers Familienbetrieb ging im Rahmen einer Fusion 1921 in die Firma Stemag über, er wurde Direktor im neuen Keramikkonzern. Sein Cousin Hans studierte noch und recherchierte für seine Doktorarbeit, als 1933 die Firma Stemag zusammen mit vielen weiteren Betrieben im damaligen Deutschen Reich von den Nationalsozialisten "arisiert" wurde. Im Zuge der Judenverfolgung seit der Machtergreifung zwang die NSDAP jüdische Geschäftsleute, ihre Unternehmen für einen oft lächerlich niedrigen Betrag zu verkaufen, davon profitierten meist Mitglieder in Hitlers Partei. Martin und Hans Thurnauer kamen in Schutzhaft und wurden 1934 zur Emigration gezwungen. Beide wanderten in die USA aus.

Auch Firmenvertreter und ehemalige Ceramtec-Mitarbeiter sowie Laufer Politiker gedachten Martin und Hans Thurnauer. © Kirchmayer


Ihre Nachfahren erfuhren vom Projekt Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig. Der Kölner lässt an Wohn- und Wirkorten von durch die Nationalsozialisten Vertriebenen auffällige Steine in den Bürgersteig einsetzen. "Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist", so zitiert der Künstler aus der jüdischen Schrift Talmud. Mittlerweile wurden diese Mahnmale bereits an über 500 Orten in der gesamten Bundesrepublik und weiteren europäischen Ländern installiert, um an ehemalige jüdische Bürger zu erinnern.

"Wir verbeugen uns vor Martin und Hans Thurnauer"

2012 begannen die Thurnauers, sich dafür einzusetzen, dass Stolpersteine vor dem Ceramtec-Gebäude angebracht werden. Sie stießen mit ihrem Ansinnen sowohl bei der Stadt als auch bei der Firma auf offene Ohren. Peter Schlagbaum, der technische Leiter von Ceramtec Lauf, sowie das Laufer Stadtarchiv, Bürgermeister Benedikt Bisping und Georg Schweikert, der ehemalige Dritte Bürgermeister, engagierten sich für die Installation der auffälligen Pflastersteine. "Wer die Namen lesen will, muss sich herunterbeugen", sagte Bisping vor Ort, "und wir verbeugen uns vor Martin und Hans Thurnauer."

Viele Mitglieder der weit verzweigten Familie waren aus Deutschland, England, Dänemark und den USA nach Lauf gekommen. Hans Thurnauers Tochter Marion reiste aus Boulder, Colorado, an. Sie ist glücklich, dass an ihren Vater erinnert wird: "Durch die Stolpersteine kehren Menschen symbolisch an ihr ursprüngliches Zuhause zurück. Mein Vater wäre sehr erfreut, wenn er von dieser Aktion erfahren könnte."

Die 91-jährige Tochter von Martin Thurnauer trat die Reise von New York nach Lauf nicht an, seine Enkelin Judy Hoffman betonte, dass es sie sehr bewegt hat, an der Zeremonie teilzunehmen. Hoffman: "Oft gehen die Geschichten von Menschen verloren. Heute haben wir eine Möglichkeit, uns zu erinnern. Mit dieser Geste wird anerkannt, was meiner Familie an diesem Ort geschehen ist." 

Andreas Kirchmayer (Pegnitz Zeitung)

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