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Der Unbekannte: Darum ist der Dürrlohspeicher wichtig

Mehr Wasser als der Rothsee - doch sehen darf es so gut wie niemand - 20.05.2017 06:00 Uhr

Matthias Stadler vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt überblickt die weite Wasserfläche des Dürrlohspeichers bei Mühlhausen, dem nur er und seine Kollegen so nahe kommen dürfen. © Martin Müller


Durch einen 1,7 Kilometer langen Kontrollgang kann überprüft werden, wie viel Wasser versickert. © Martin Müller


Der Dürrlohspeicher ist kein normaler See. Er wurde von 1994 bis 1996 angelegt, um den Betrieb des Main-Donau-Kanals sicherzustellen. Falls Richtung Kelheim eines der fünf Pumpwerke ausfällt und weniger Donau-Wasser gen Norden transportiert werden kann oder falls die Sparbecken der Schleusen, die den Wasserverbrauch deutlich reduzieren, lahm liegen, kann hier Wasser eingespeist werden.

Durch das natürliche Gefälle kann es von hier Richtung Norden laufen. Deshalb befindet sich der Speicher auch bei der Scheitelhaltung, dem höchsten Punkt des Kanals, direkt neben der Schleuse Bachhausen. Bis zu 16 Schleusungen pro Tag während eines Zeitraums von einer Woche können durch das Seewasser durchgeführt werden - genug, um eine Durststrecke zu überwinden. 

1,75 Millionen Kubikmeter Wasser können für die Schleusungen verwendet werden, die restlichen 250.000 Kubikmeter im See sind "Totwasser". Das Gefälle reicht nicht aus, um es in die Scheitelhaltung ablaufen zu lassen. Wenn der Speicher alle sechs Jahre zur Revision entleert wird, muss das Wasser deshalb wieder ins Unterwasser in Richtung Berching ablaufen.

Baden in dem See wäre lebensgefährlich. Der Wasserspiegel des Speichers kann schnell absinken, sieben Meter in der Woche sind keine Seltenheit, ein starker Sog würde Schwimmer unter die Oberfläche ziehen. Deshalb ist der See abgesperrt und von einem hohen Zaun umgeben, vereinzelt überwachen Kameras die Szenerie. 

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Kontrolliert werden müssen nicht nur die Dammkrone und der Damm, sondern auch der Untergrund. Unterirdisch führt ein 1,7 Kilometer langer Kontrollgang um den See, den man Klaustrophobikern nicht ans Herz legen sollte. Er verläuft in 70 Metern Abstand parallel zum Dammfuß direkt unter dem Becken. Ein großes Schild weist gleich am Eingang darauf hin, dass man nur mit Taschenlampe weitergehen darf. 

"Wir müssen auch immer ein Sauerstoff-Messgerät dabei haben", erklärt Matthias Stadler vom Außenbezirk Hilpoltstein des Wasserstraßen und Schifffahrtsamtes Nürnberg. Zwar wird einige Stunden vor jedem Besuch die Belüftungsanlage angeworfen, doch am anderen Ende des See könnte der Sauerstoff trotzdem knapp werden. Alle paar Hundert Meter hängen Telefone an der Wand, für Notfälle oder für Informationen an die Kollegen.

Obwohl auf dem Tonboden des Damms und des Beckens eine Asphaltdichtung angebracht wurde, tritt trotzdem Wasser aus. "Das ist völlig normal", beruhigt Stadler. Doch jede Woche muss kontrolliert werden, wie viel Wasser versickert. Dafür ist der Dürrlohspeicher beim Bau in 61 Felder unterteilt worden. Das Leckwasser jedes Feldes wird durch Rohre einzeln in den Kontrollgang geleitet, wo genau gemessen wird, wie viel Wasser in welchem Feld verloren geht. Die WSA-Mitarbeiter kontrollieren bei ihren wöchentlichen Besuchen manuell, ob die Messkästen auch wirklich die korrekten Daten übermitteln. 

Martin Müller E-Mail

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