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Ein Jahr für berühmtesten Sohn Freystadts

Landrat Gailler stieß Roman über Leben des Musikers an — Bürgermeister Dorr: „Über das Jahr hinaus tragen“ - 11.01.2016 18:27 Uhr

Eine Tafel erinnert an das Geburtshaus Martinis im Herzen der Freystädter Altstadt. Das Haus, das schon zu seinen Lebzeiten einmal halb einstürzte, ist heute ein Neubau, der mit der alten Schule außer dem Standort nichts gemein hat. © F.: Etzold


Es ist ein bunter Reigen, der sich quer durch das Jahr spannen wird, und in dem es viel Martini, aber auch viel aus der Zeit Martinis geben wird. Heißt: Die Freystädter Organisatoren wollen versuchen, den in Freystadt als sechstes von zehn Kindern des Schullehrers und Organisten Andreas Martin am 31. August 1741 geborenen Musiker im Licht seiner Zeit zu präsentieren. Es waren spannende Jahre, die Europa prägen sollten bis heute; es war der Vorabend der französischen Revolution im Jahre 1789. Und Martini war mitten drin.

Mitten drin, das soll der berühmte Freystädter, der in Paris als „der große Martini“ gefeiert worden ist, auch heute wieder sein, sagt Willibald Gailler. Erst als Bürgermeister von Freystadt, nun als Landrat des Landkreises Neumarkt, hat er den Musiker fest im Fokus. Martini sei hierzulande „einer breiten Öffentlichkeit nicht so bekannt, wie es sein sollte“, ist seine Feststellung.

Potential großer Personen

Für ihn zählt der Musiker zum Potential großer Persönlichkeiten, die aus diesem Landstrich hervorgegangen sind; ein Potential, mit dem man auch wuchern sollte, sagt er. Das Martini-Jahr 2016 sei ein Schritt in diese Richtung, ein wichtiger zugleich, um zu sagen: „Seht her, wir haben auch berühmte Personen hervorgebracht.“

Deshalb habe er auch, um eine breitere Wirkung zu erreichen, Hans Regensburger in das Martini-Jahr mit eingebunden. Der Autor aus Mörsdorf hat schon im Gluck-Jahr 2014, zum 300. Geburtstags des berühmten Opernreformers, einen Roman über den Chevalier verfasst; nun hat er sich Jean Paul Egide Martinis angenommen. Herausgekommen ist ein lesenswertes Buch, reich an Details und Wissen, aber auch spannend erzählt.

So müsse man, schmunzelt Landrat Gailler, alle Potentiale nutzen, die ein Landkreis biete, um sich hier zu positionieren. Genauso wichtig sei es aber, Geschichte und Persönlichkeiten in das Bewusstsein der Bürger zu bringen: „Vor allem, wenn es um Personen geht, die auch groß geehrt wurden – und Martini ist ein Großer.“

Und, schlägt Gailler den Bogen, Martini, der Lehrerssohn, und Gluck, der Försterssohn, beide hatten Potential, waren talentiert, „das ist etwas, worauf man stolz sein kann“. Über solche Persönlichkeiten könne man auch die Geschichte einer Stadt gewärtig machen, könne sie ins Bewußtsein holen. Abgesehen davon, sagt der Landrat: Die Musik des 18. Jahrhunderts sei „auch heute noch schön anzuhören, das war eine tolle, schöpferische Epoche“. Dass „plaisir d’amour“, das Lied, das unsterblich mit Martini verbunden ist, der es komponierte, auch heute noch das Zeug zum Chartstürmer hat, sei doch Beweis genug. Sogar Elvis Presley habe es aufgenommen – wohl nicht ahnend, dass der Komponist ein Martin aus Freystadt war.

Nein, lacht Freystadts Bürgermeister Alexander Dorr: „Einen Marsch von Martini habe ich noch nicht dirigiert.“ Er ist schließlich Dirigent der Thannhausener Blaskapelle. Intensiv mit ihm befasst, gesteht er offen, habe er sich erst in den vergangenen Jahren, Zugang habe er über Kurt Weikert bekommen, einen profunden Martini-Kenner, der auch die „Messe solemnelle“ mit dem Hugo Distler Ensemble im Juni in der Wallfahrtskirche geben wird.

„Die Musik Martinis hat mich positiv überrascht, sie hat mir gut gefallen“, sagt Bürgermeister Dorr. Es sei eine Musik, die ergreife, begeistere. Mit 14 Veranstaltungen wolle man den großen Sohn der Gemeinde hoch leben lassen; es ist auch angedacht, ihn mit einer Büste zu ehren. Doch dies sei bisher erst einmal eine Überlegung. Doch sie passt gut in das Gesamtkonzept des Bürgermeisters: Heuer Martini-Jahr, 2017 wieder alles vergessen – das soll es nicht gewesen sein. Das Jahr solle nachhallen, man wolle darauf aufbauen. So soll die Ausstellung „Martini und seine Zeit“, die von Mai bis Oktober Leben und Wirken vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund präsentiert, in den Folgejahren erhalten bleiben. Offen ist noch, in welcher Form. Sicher aber sei, sagt Dorr: „Die soll danach nicht im Archiv verschwinden.

Im Archiv vorhanden sind derweil zwei Martini-Stücke, die der frühere Dirigent der Freystädter Stadtkapelle, Bernd Zimmermann, für diese arrangiert hat. Ein Marsch und eine Ouvertüre aus der Oper Henry IV. hat er der Stadtkapelle auf den Leib geschneidert, vor gut zehn Jahren spielte sie beide Stücke. Ein festlicher 4/4-Marsch sei das, erinnert sich Zimmermann, „wenn sie eine Kapelle haben, können sie loslegen“. Beide Stücke seien bestens geeignet für die Umsetzung durch eine Blaskapelle. 

WOLFGANG FELLNER

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