Mittwoch, 19.12.2018

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Grabsteine künden vom jüdischen Leben im Landl

Foto-Ausstellung «Hier ist verborgen» zeigt Impressionen vom Sulzbürger Friedhof - Ab Sonntag im Stadtmuseum - 12.11.2009

Edgar Pielmeier machte die Fotos, Heide Inhetveen schrieb die Begleittexte: Die Ausstellung ist keine Dokumentation, sondern fängt vielmehr die Atmosphäre auf dem Friedhof ein. © Rödel


Per Zufall hat der freischaffende Fotograf Edgar Pielmeier vom jüdischen Friedhof in Sulzbürg erfahren: «Aus der Zeitung, ich kannte ihn vorher noch nicht.»

Ebenso zufällig begegnete der Pielenhofener, der im Brotberuf Direktor des Regensburger Studienseminars St. Emmeram ist, dann bei einer Fotosession auf dem Friedhof der Sulzbürgerin Heide Inhetveen. Die Professorin für Agrarsoziologie lebt in einem alten jüdischen Händlerhaus und befasst sich seit Jahren mit der reichen jüdischen Vergangenheit ihres Heimatortes.

«Da ist die Idee entstanden, dass wir etwas zusammen machen könnten - der Fotograf und die Soziologin», erzählt Heide Inhetveen. Das Ergebnis der Zusammenarbeit, die Ausstellung «Hier ist verborgen», wurde bereits in Regensburg und in Pielenhofen mit großem Erfolg gezeigt. Jetzt, als Höhepunkt, wandert sie ins Neumarkter Stadtmuseum, ist dort vom 15. November bis Ende Januar zu sehen. Dazu erscheint ein Begleitband.

Auch die Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Neumarkt wurden bis 1879 in Sulzbürg bestattet. Hier, am Sitz des Distriktsrabbinats, befand sich über Jahrhunderte ein «Verbandsfriedhof». Selbst die sterblichen Überreste von Juden aus Amberg und Cham wurden hier bestattet, wobei der Transport der Särge nicht selten abenteuerlich war.

Derzeit laufen auf dem Friedhof mit seinen über 330 Grabsteinen umfassende Konservierungsmaßnahmen. Der Vorteil: Die Inschriften und Ornamente werden sichtbarer. Der Nachteil: Die besondere Atmosphäre, das Gefühl der Vergänglichkeit, das die verwitterte, flechtenüberwucherte Stelen auslösen, könnte darunter leiden.

Noch vor der Konservierung hat Edgar Pielmeier an diesem geheimnisvollen Ort über eineinhalb Jahre hinweg immer wieder Aufnahmen gemacht. Manche der Schwarz-Weiß-Fotos hat er später behutsam koloriert. Dazu steuerte Heide Inhetveen Texte zur Geschichte des Friedhofs und der jüdischen Gemeinde bei. In einer Vitrine präsentiert sie zudem Keramikscherben, die sie im Garten des von ihr bewohnten «Löwensteiner-Hauses» gefunden hat. Und ein Hemd aus feinem Stoff, das nach dem jüdischen Reinheitsgebot gewebt wurde.

Zur Ausstellung gibt es ein interessantes Begleitprogramm: Zur Eröffnung am Sonntag, 15. November, um 15 Uhr berichtet Heide Inhetveen vom vielfältigen Beitrag der jüdischen Bevölkerung zum Leben auf dem Land. Im Anschluss wird ein koscherer Imbiss gereicht.

Am 1. Dezember um 19 Uhr verrät Andreas Angerstorfer von der Uni Regensburg anhand des Sulzbürger Friedhofs, «was uns Grabsteine erzählen können». Am 16. Januar 2010 gibt es um 20 Uhr im Stadtmuseum «Jüdische Musik zwischen Lachen und Weinen» mit den «Klezmaniaxx» aus Erlangen. 

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