Mittwoch, 19.12.2018

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Honigsüßer Bengel wacht über Baustelle

Tag des offenen Denkmals: Renovierung der Kirche am Mariahilfberg geht voran — Andrang in der "Alten Post" in Deining - 13.09.2010 09:08 Uhr

Der „Honigschlecker“ wartet ungeduldig auf die Wiedereröffnung der Wallfahrtskirche am Mariahilfberg. Gestern führte Mesner Reinhard Brock durchs Gotteshaus. Die Renovierung soll in einem Monat abgeschlossen sein. © De Geare


Der „Honigschlecker“ am Fuße der Kanzeltreppe steckt wie ehedem seine süßen Finger in den Mund. Der Blick der holzgeschnitzten Figur mit dem Bienenkorb unterm Arm ruht auf den verhangenen Kirchenbänken, auf der Baustelle inmitten des Kirchenraums. Der vernaschte Bengel scheint zu grübeln: Wann kehrt endlich das Leben, die Liturgie zurück in die Mariahilfkirche? „Am 13. Oktober bei einem feierlichen Gottesdienst“, sagt Reinhard Brock. So zumindest sei es geplant. Der Mesner führte Besucher durch die Barockperle am „heiligen Berg“ der Neumarkter. Nach der Baugeschichte erläuterte Brock das Gnadenbild nach Cranach („die schönste aller Kopien, finde ich“) sowie das reiche Figuren-Repertoire des Hochaltars und des Deckenfreskos. Anschließend besichtigte die Gruppe das leer stehende, frühere Karmeliterkloster.

Großes Interesse an der „Reichsposthalterei“: Im ehemaligen Wirtshaus „Alte Post“, an der B8 in Deining gelegen, erfrischten sich im 17. und 18. Jahrhundert auch schon einmal gekrönte Häupter. Als Reminiszenz an die einstige Bedeutung der Pferdewechsel-Station schauten gestern ein paar Reiter vorbei. © Beesk


Großer Andrang in der „Alte Post“ in Deining: Werner Keckl, der Eigentümer des rundum sanierten Gebäudes, gab Einblicke in die Geschichte, Struktur und Nutzung des altehrwürdigen Hauses und beantwortete die vielen Fragen der Besucher. Informationen zur alten „Posthalterei“ steuerten Gemeindearchivarin Berta Wienziers und Ortsheimatpfleger Ingmar Nowak bei. Deining als Poststation spielte im 17. und 18. Jahrhundert eine nicht unbedeutende Rolle. Hier, ungefähr in der Mitte zwischen Nürnberg und Regensburg, legten die kaiserlichen Postwagen und die reitenden Postboten in der Regel eine etwas längere Pause ein. 1676 wurde erstmals ein „kaiserlicher Postmeister“ in Deining erwähnt, Rochus Schuster war gleichzeitig der Wirt des Gasthauses.

Raststätte für die Kaiserin

An der Reichsposthalterei wechselten die Postillione ihre Pferde. Das machten sie auf der rund 25-stündigen Fahrt von Reichsstadt zu Reichsstadt gleich viermal. Wie man aus Visitionsprotokollen weiß, fuhr die Postkutsche wöchentlich nach Fahrplan und kam aus beiden Richtungen am Abend in Deining an. Nach einstündiger Pause fuhr sie weiter, durch die Nacht ihrem Zielort entgegen. Über die „Chaussee“, die befestigte Poststraße, reisten auch gekrönte Häupter. So stieg zum Beispiel 1745 Kaiserin Maria Theresia – wohl auf dem Weg von Wien zur Kaiserkrönung ihres Gemahls in Frankfurt – in der „Alten Post“ ab, um sich „a bisserl“ zu erfrischen. 1810 wurde der Poststall nach Neumarkt verlegt.


Das genaue Alter des ehemaligen Wirtshauses, so wie es heute an der B8 gegenüber dem Deininger Schloss steht, ist nicht bekannt. Laut Denkmalpflege wurde es zwischen 1700 und 1750 errichtet. Es gibt mehrere ausladende Kamine im Gebäude. Beeindruckend auch das Walmdach. Eine solche Dachform war ursprünglich nur hochherrschaftlichen Gebäuden vorbehalten. Der Dachstuhl aus handbehauenen Holz geht über drei Ebenen und ist für jeden Zimmermann eine Augenweide. Das denkmalgeschützte Haus war arg heruntergekommen, bis ein neuer Besitzer gefunden wurde, der es von Grund auf sanierte. Heute beherbergt es Büroräume und eine Arztpraxis. 

VON NICOLAS DAMM UND KERSTIN BEESK

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