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Mixa spürt Gegenwind

Kritik am Auftreten des emeritierten Altbischofs - 03.07.2014 16:00 Uhr

Ressort: Neumarkt..Foto: Franz-Xaver Meyer..Motiv: Johanneskirche Neumarkt, Pontifikalamt mit Bischof Walter Mixa..Datum: 08.12.12

Ressort: Neumarkt..Foto: Franz-Xaver Meyer..Motiv: Johanneskirche Neumarkt, Pontifikalamt mit Bischof Walter Mixa..Datum: 08.12.12 © NN


Die Mehrzahl der 35 Gläubigen aus Holzheim wählte den stummen Protest: Am Ende der Wallfahrt zur Herz-Jesu-Feier bei Velburg sprachen sie ihr Schlussgebet und verließen dann den Vorplatz der Herz-Jesu-Kirche, wo der Festgottesdienst stattfand. Der Grund für den stillen Eklat: die Mitwirkung des Augsburger Bischofs emeritus und Eichstätter Altbischofs, Walter Mixa, an den Feierlichkeiten.

Bei aller christlichen Bereitschaft zum Verzeihen nimmt der Holzheimer Wallfahrtsführer Josef Haberler Anstoß daran, dass sich der ehemalige Oberhirte im Bischofsornat in den Vordergrund dränge — wo ihm doch besser zu Gesicht stehe, sich angesichts seiner „Fehler“ in Demut zurückzunehmen. Haberler: „Er sollte nicht meinen, an vorderster Front den Oberhirten spielen zu müssen.“ Der Wallfahrtsführer hatte seinen Unmut schon in einem NN-Leserbrief zum Ausdruck gebracht und dafür nach eigenen Angaben viel Zuspruch erhalten.

Früher Neumarkter Oberhirte

Walter Mixa war von 1996 bis 2005 als Bischof von Eichstätt auch für einen Teil der Gemeinden im Landkreis Neumarkt zuständig. Danach war er bis 2010 Bischof in Augburg. Aufgrund umfangreicher Medienveröffentlichungen über Aussagen von Betroffenen wurde Mixa sexueller Missbrauch und die Misshandlung von Heimkindern in den 70er und 80er Jahren sowie Unterschlagung vorgeworfen. Im April 2010 bot Mixa dem Papst seinen Rücktritt vom Bischofsamt an. Benedikt XVI. versetzte den Oberhirten in den Ruhestand. Alle staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen Mixa endeten aber mit Einstellungen. Der emeritierte Bischof bat die Betroffenen im Juni 2010 in einem Offenen Brief um Verzeihung.

Keinerlei Sanktionen

Formal gibt es an dem kirchlichen Wirken Walter Mixas nach dem Rücktritt nichts auszusetzen: Dieser unterliege keinerlei „zivil- oder kirchenrechtlichen“ Sanktionen, erklärte der Eichstätter Bistumssprecher Norbert Staudt auf NN-Anfrage. Auch im Ruhestand gelte die Bischofsweihe weiter. Walter Mixa habe zwar keinen Seelsorgeauftrag, aber er könne wie jeder Ruhestandsgeistliche zelebrieren und predigen. „Wenn er von Geistlichen vor Ort eingeladen wird, dann kann er kommen“, so der Bistumssprecher.

„Als Richter aufspielen?“

Auf diese Möglichkeit hat der amtierende Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke nach Angaben des Habsberger Dekans Elmar Spöttle ausdrücklich hingewiesen, nachdem sich Walter Mixa bei einer Konferenz der Dekane in Eichstätt vorgestellt hatte. Dekan Spöttle organisierte als Velburger Ortsgeistlicher das Herz-Jesu-
Fest, für das sich Walter Mixa selbst angeboten habe.

Spöttle äußerte zwar ein gewisses Verständnis für die kritische Distanz einiger Gläubiger zu Walter Mixa. Gleichzeitig warnte der Dekan aber davor, sich als „Richter aufzuspielen“: Der emeritierte Bischof sei nun einmal juristisch nicht belangt worden. „Muss er bei jeder Veranstaltung jedesmal ein öffentliches Schuldbekenntnis ablegen?“, fragte Elmar Spöttle. Gerade vor dem Hintergrund der Herz-Jesu-Verehrung vermisst der Dekan die „Versöhnungsbereitschaft“ bei den Mixa-Kritikern. Spöttle: „Ist es noch verhältnismäßig, immer wieder verbal nachzutreten? Man sollte die Kirche im Dorf lassen.“

Walter Mixa ist nach seinem Rücktritt wiederholt als Geistlicher im Landkreis Neumarkt tätig gewesen. Auf Einladung von Domkapitular Norbert Winner hat er bei „Mariä Empfängnis“ im Dezember 2012 in der Stadtpfarrkirche gepredigt. Kurz vor Weihnachten in jenem Jahr erntete er für seine Predigt bei der Ölbergandacht in Berching die Kritik von „Wir sind Kirche“ — und zelebrierte dort vor voller Kirche. Am Ostermontag 2013 predigte der frühere Oberhirte in der Habsberger Wallfahrtskirche.

Ärger gab es anlässlich der Firmung in Deining in diesem Jahr. Der örtliche Pfarrer Norbert Zawilak hatte den Altbischof als Firmspender eingeladen. Dies löste den Widerspruch von Eltern aus. Einige bemühten sich zunächst um die Firmung ihrer Kinder in Nachbargemeinden wie in Velburg. Andere forderten einen anderen Geistlichen. Die Proteste blieben nicht ohne Wirkung. Der zuständige Neumarkter Dekan Richard Distler: „Die Diözese hat einen anderen Firmspender geschickt.“ 

WOLF-DIETRICH NAHR

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